Moskau (dapd). Das Urteil im Prozess gegen drei in einer Moskauer Kathedrale gegen Präsident Wladimir Putin protestierenden Punk-Musikerinnen soll erst am 17. August bekanntgegeben werden. Das entschied Richterin Marina Syrowa am Mittwoch nach den Schlusserklärungen der drei angeklagten Frauen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag drei Jahre Gefängnis wegen Hooliganismus aus religiösem Hass gefordert.
Mit zitternder Stimme sagte eine der Musikerinnen, Nadeschda Tolokonnikowa: „Mit jedem Tag beginnt eine wachsende Zahl von Leuten zu erkennen, dass, wenn sich die politische Maschinerie gegen Mädchen wendet, die 40 Sekunden in der Christ-Erlöser-Kathedrale aufgetreten sind, dass das nur bedeutet, dass dieses politische System Angst vor der Wahrheit und unserer Ernsthaftigkeit hat.“ Mit einem Blick auf die Ankläger sagte sie: „Wir haben mehr Freiheit als diese Leute von der Staatsanwaltschaft - weil wir sagen, was wir wollen.“
Putin, gegen den Pussy Riot bereits im russischen Protestwinter auf dem Roten Platz demonstriert hatte, sagte am Rande der Olympischen Spiele vergangene Woche, die Strafe gegen die drei jungen Frauen sollte „nicht zu hart“ ausfallen. Die Staatsanwaltschaft schien dem am Dienstag Folge zu leisten, indem sie statt der möglichen Höchststrafe von sieben Jahren drei Jahre Gefängnis forderte. Dabei sei mildernd berücksichtigt, das zwei der Frauen kleine Kinder hätten und sie ein gutes Führungszeugnis bekommen hätten.
Madonna mit „Pussy Riot“ auf dem Rücken
Putin hatte bei seiner Äußerung in London durchblicken lassen, die angeklagten Frauen könnten froh sein, dass sie ihren Protest nicht im überwiegend muslimischen Kaukasus vorgetragen hätten. „Wenn sie einen heiligen islamischen Ort entweiht hätten, hätten wir nicht mal die Zeit gehabt, sie in Gewahrsam zu nehmen“, sagte er.
Seitdem wird in Russland darüber spekuliert, was der Kreml für eine angemessene Strafe hält, die ihn nicht schwach erscheinen lässt und zugleich nicht neue Proteste anfacht. Auf dem Roten Platz sangen Pussy Riot im Winter: „Revolte in Russland, Putin bekommt Angst. Revolte in Russland, wir existieren!“ Das Video wurde ein Hit auf der Internetplattform YouTube.
dapd


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