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Tuntenhausen: Gemeinde platzt langsam der Kragen

Gemeinde platzt langsam der Kragen

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Tuntenhausen - Große Aufregung gab es im Rahmen der letzten Gemeinderatssitzung - wieder einmal - über ein Vorhaben der Deutschen Bahn:

OVB

© Repro: Stache

Gelb gekennzeichnet: die Fläche, die die Bahn zur Lagerung vorsieht.

Im Zuge der Gleiserneuerungsarbeiten auf der Strecke Ostermünchen-Aßling ist erneut mit nächtlichen Ruhestörungen und verstärktem Lkw-Aufkommen zu rechnen. Vor allem stieß den Räten jedoch sauer auf, dass das dabei ausgebaute verunreinigte Material nahe an der Wohnbebauung gelagert werden soll. Hier legte das Gremium ein Veto ein.

Das Schreiben war der Gemeinde laut Bürgermeister Otto Lederer erst zwei Tage vor der Sitzung zugegangen. Darin informierte die Bahn über Gleiserneuerungsarbeiten auf besagter Strecke. Demzufolge sollen vom 2. bis 4. April Altschotter und Boden des Schienenweges erneuert werden. Zum Einsatz kommt dabei wieder der Gleisbauzug, dessen nächtlichen Lärm die Ostermünchener bereits von den jüngsten Baumaßnahmen her bestens kennen.

Dieses Altmaterial soll nach den Plänen der Bahn auf dem gemeindlichen Areal, das jetzt von der Bahn als Bürocontainer und Maschinenabstellplatz genutzt wird, gelagert werden (gegenüber Staatsstraße, Einmündung Heubergstraße). Dort wird es nächtens vom Gleisbauzug herangefahren; tagsüber transportieren schwere Lkw das Material wieder ab. Dauer: voraussichtlich bis 10. April.

Im alten Schotter, der in Ostermünchen zwischengelagert wird, befinden sich nach Angaben von Bahnsprecher Bernd Honerkamp so genannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese sind entstanden, weil die Holzschwellen an den Gleisen mit Teeröl behandelt worden waren. Reststoffe dieses Öls haben sich im Laufe der Zeit im Gleisbett abgesetzt. Daneben ist der Schotter mit Treibstoffresten versehen, die von Dampf- und Dieselloks aus früheren Zeiten stammen. Für den Menschen sind PAK laut Honerkamp nur dann gefährlich, wenn er mit diesen direkt in Kontakt kommt und sie beispielsweise in den Mund nimmt.

Sorgenfalten zeigten sich da bei vielen Räten: Schon wieder nächtliche Ruhestörung in Ostermünchen, dann der schwere Lkw-Verkehr beim Abtransport und schließlich noch die Problematik des gelagerten Materials. Lederer missfiel vor allem das Vorgehen der Bahn: "Wir werden hier wieder unter Zugzwang gesetzt." Denn: Stimme die Gemeinde der Lagerung nicht zu, könne die Bahn auf ein wenige Meter weiter vorne gelegenes Areal (beim abgerissenen Bahnwärterhäuschen) ausweichen, drohe aber auch damit, dass die Arbeiten dann bis zu 14 Tage andauern oder gar ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wird.

Wenig Verständnis zeigten die Räte, warum dieses "belastete Material" mitten in einem Siedlungsgebiet zwischengelagert werden soll und nicht etwa auf einer Freifläche entlang der Strecke. Im Aßlinger Bahnhof sei viel Freifläche vorhanden und in der Nähe gebe es auch keine Wohnbebauung, so ein Gemeinderat vorwurfsvoll in Richtung Bahn.

"Das ist sicher nicht der letzte Gleisbauzug, das darf kein Dauerzustand sein", monierte Gemeinderat Hans Thiel (CSU/FWG). Theresia Englhart (Frauenliste) kritisierte die Lagerung des kontaminierten Materials: "Das sickert doch alles ins Grundwasser".

Verstärkt wird die ganze Problematik noch durch die Tatsache, dass sich keine 25 Meter vom Lagerplatz entfernt, eine stattliche Anzahl von Wohnhäusern befindet. Ungehalten zeigte sich dabei Heinz Speiser (CSU/FWG), der als unmittelbarer Nachbar mit am stärksten betroffen ist: "Es ist eine Frechheit, wie die Bahn mit den Bürgern umgeht." Er weiß, wovon er redet, nachdem die Bahn schon bislang die versprochene geräuscharme Nutzung des Geländes gegenüber seiner Haustür nicht einzuhalten imstande war: "Ständig operiert die Bahn in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes", so der Vater zweier kleiner Kinder.

So kam man im Gemeinderat ganz schnell zur Entscheidung: Eine Zustimmung zur Lagerung gibt es vorerst nicht. Das Gremium möchte Alternativen geprüft wissen. Doch die Zeit drängt. Die Sorgen der Bürger und das mittlerweile kaum mehr vorhandene Vertrauen in die Deutsche Bahn bleiben.

ws/Mangfall-Bote

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