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Wasserburg: Stadtarchiv: Alte Schätze, neue Entdeckungen

Alte Schätze, neue Entdeckungen

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Wasserburg - Das Stadtarchiv packt aus - und was für Schätze! 1000 Jahre alte Handschriften, filigran illustrierte Wappenbücher und weitere Raritäten sind jetzt im städtischen Museum zu sehen.

OVB

© Stadtarchiv

Handelsgeschichte und Handelsgeschichten aus Wasserburg aus den mittelalterlichen Urkunden des Stadtarchivs lassen sich vom 3.Februar bis 6.Mai im Museum Wasserburg entdecken.

Mitte der 80er- Jahre feierten die Wasserburger die 850-Jahr-Feier der Stadt. Falsch. Es hätte die 900-Jahr-Feier sein müssen. Denn die erste Erwähnung findet Wasserburg in einem Traditionsbuch des Klosters St.Emmeram bei Regensburg, das die Jahre 1085 bis 1088 umfasst. Dieses Traditionsbuch, vermutlich die älteste Archivalie des bayerischen Staatsarchivs, ist ab morgen, Freitag, in der Sonderausstellung "Das Stadtarchiv packt aus" im Museum in der Herrengasse zu sehen.

Wie bekommt man eine derartige Rarität? Indem erstens Museumsleiterin Sonja Fehler in ihrem Haus die entsprechenden klimatischen Voraussetzungen schafft was Temperatur und Luftfeuchtigkeit angeht und zweitens die Stadt dort eine niegelnagelneue höchstwertige Alarmanlage einbaut, die das Museum laut Sonja Fehler in "ein kleines Fort Knox" verwandelt. "Ein Einbruchsversuch lohnt sich nicht" fügt Stadtarchivar Matthias Haupt schmunzelnd an. Er hat vom Anbeginn seiner Tätigkeit in Wasserburg an guten Kontakt zum Staatsarchiv gepflegt, diesem auch schon Archivalien für Ausstellungen in München geliehen. Da reichte dann die Anfrage schon aus.

Das Traditionsbuch ist sicher ein Höhepunkt der Sonderausstellung, aber auch im Stadtarchiv fanden sich Schätze. Zum Teil ganz unvermutet. So galt das Salzprivileg von 1332 als verloren, verschwunden im Stadtbrand. Als Haupt zur Vorbereitung der Ausstellung die Bestände zum Salzhandel in Wasserburg sichtete, tauchte in einer Akte, in der ein Streit zwischen Wasserburg und Rosenheim dokumentiert ist, eine Abschrift des Salzprivilegs auf.

Oder die Briefe, die Sohn Fröschl, um 1430 in Salzburg auf Safran wartend, an seinen Vater schrieb. Die hatten als Dämmmaterial beim Hausbau gedient - "das sieht man auch", so Haupts trockene Feststellung - und waren Jahrhunderte später im alten Archiv im Rathaus gelandet. Das allerdings platzte aus allen Nähten, so dass die Briefe in irgendeine Lücke gequetscht wurden. Nach dem Umzug des gesamten städtischen Archivbestandes in das neue Stadtarchiv vor zehn Jahren fanden sich diese Briefe bei der Reinigung einer Stiftungsakte - die mit den Briefen nicht das Geringste zu tun hatte.

Der Handel in Wasserburg ist der rote Faden, der alle ausgestellten Archivalien verbindet. Da es bisher keine Handelsgeschichte der Stadt gibt, erstellten, ergänzten und verwarfen Matthias Haupt und Sonja Fehler über Monate Objektlisten, stellten Archivalien und Museumsobjekte zusammen. Und der Stadtarchivar machte bei seiner Suche zu den verschiedenen Themenfeldern - neben dem Salzhandel gehören auch die Kramer und Fragner, die Märkte und die Schranne dazu - immer wieder Entdeckungen in seinem riesigen Bestand. "Das hat richtig viel Spaß gemacht", freut sich Haupt, der sonst kaum dazu kommt, die rund 5000 Urkunden des Stadtarchivs aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit zu erschließen.

Aus dieser Menge - "Großstadtniveau", betont Sonja Fehler - wurden für die Sonderausstellung zu jedem Themenbereich möglichst die ältesten Urkunden ausgewählt, so auch die, die 1374 den Michaeli-Markt begründet. Es geht in der dreimonatigen Ausstellung aber nicht nur um den Inhalt dieser historischen Dokumente, sondern auch um die Dokumente selber. Den Inhalt kann übrigens jeder selber nachvollziehen, denn Haupt hat die alten Schriften "übersetzt". Es geht aber auch um die Form der Exponate, ihre Symboliken, es wird geklärt, warum hier ein Siegel fehlt, dort aber eines vorhanden ist.

Wer die Ersterwähnung Wasserburgs im knapp 1000 Jahre alten Traditionsbuch lesen will, der sollte sich in der ersten Woche ins Museum begeben - oder Geduld bis zum letzten Wochenende Anfang Mai haben. Dazwischen ist eine hochwertige Reproduktion ausgestellt, auf dass das Original geschützt ist und noch 1000 Jahre den Namen Wasserburg festhält.

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

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