Heimat von Cristiano Ronaldo

Feuer-Inferno auf der „Blumeninsel“ Madeira erschreckt auch Touristen

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Feuer auf Madeira.

Die Heimat des portugiesischen Fußballstars Cristiano Ronaldo brennt lichterloh. Auf Madeira erleben Hunderte Touristen ein unerwartetes Horror-Programm. Die Flammen sind außer Kontrolle und bedrohen das Stadtzentrum von Funchal.

Funchal - Sie wollten in der Heimat von Cristiano Ronaldo die Statue und das Museum des Fußball-Megastars besuchen. Oder im Natur- und Wanderparadies Ausflüge machen. Viele der Touristen, die dieser Tage die portugiesische Atlantik-Insel Madeira besuchen, erlebten aber ein Horror-Programm: In der Nacht zum Mittwoch wurden sie in Hotels und Wohnungen von Polizisten oft nahezu aus dem Bett gezerrt. Ein Waldbrand hatte plötzlich die Inselhauptstadt Funchal eingekesselt.

Erschöpfte Feuerwehrleute.

„Neben unserer Ferienwohnung oben auf dem Hügel mit der Festung hatten (am Dienstag) bereits Häuser gebrannt, als die Polizei bei uns anklopfte und sagte, wir müssten weg“, erzählte ein Schotte, der mit Frau und Sohn im Fußballstadion des Clubs Marítimo in Sicherheit gebracht worden war, dem Fernsehsender „RTP“. Vor allem der Rauch sei schlimm gewesen - vom Himmel sei Asche gefallen. Drei Anwohner, die offenbar nicht rechtzeitig alarmiert worden waren, kamen in einem Außenbezirk Funchals in den Flammen ums Leben. Zwei wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht, eine Person wurde laut Behörden vermisst. Dutzende Häuser und auch ein Hotel brannten bereits nieder. Am Mittwochabend war das Feuer noch völlig außer Kontrolle und bedrohte die historische Altstadt.

Rund 300 Touristen wurden nach Angaben der Behörden der zu Portugal gehörenden Insel im Fußballstadion untergebracht. Andere fanden zusammen mit Hunderten von Anwohnern in verschiedenen öffentlichen Gebäuden Zuflucht. Insgesamt wurden zwischen Dienstag und Mittwoch mehr als 1000 Menschen in Sicherheit gebracht. Die meisten der von den Evakuierungen betroffenen Touristen seien, so die Behörden, inzwischen in Hotels in sicheren Lagen umquartiert worden.

Madeira von oben.

Besucher aus Spanien und Frankreich erzählten, sie hätten angesichts der ungewissen Lage und des bedrohlichen schwarz-roten Himmels auf eigene Initiative ihre Hotels verlassen, um sich in der Nähe des Hafens mit ebenso besorgten Anwohnern zu versammeln und über die Lage zu beraten. Ob auch Touristen aus Deutschland betroffen waren, war zunächst nicht bekannt. Die Zeitung „Público“ sprach in der Onlineausgabe von einem „Inferno“ in Funchal. Seit Dienstagabend herrschten dort Panik und Chaos, hieß es. Der regionale Regierungschef Miguel de Albuquerque versuchte die Gemüter zu beruhigen und beteuerte am Mittwoch vor Journalisten, die Lage sei zwar schwierig, aber „nicht katastrophal“. Das sahen Anwohner, die vor laufenden TV-Kameras ihre Häuser mit großen Koffern verließen und dabei auch Reporter über den Haufen rannten, wohl anders.

Das galt auch für den portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa, der wegen des Feuers auf Madeira und mehrerer größerer Waldbrände auf dem Festland sogar seinen Urlaub unterbrach. Noch am Mittwochabend wollte er zusammen mit Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa auf die Insel fliegen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Als mutmaßlicher Verursacher des Feuers wurde ein junger Mann in U-Haft genommen, wie Albuquerque sagte. Der Regierungschef wollte derweil, dass die Insel „so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehrt“. Man dürfe keinen „Katastrophen-Kult betreiben“, forderte er, und dachte, wie er zugab, an den so wichtigen Tourismus, der aufgrund der Berichte ja Schaden nehmen könne. Die schlimmste Katastrophe der jüngeren Geschichte erlebte Madeira im Februar 2010: Vor sechseinhalb Jahren hatten Erdrutsche und Überschwemmungen rund 50 Menschenleben gefordert und große Zerstörungen verursacht.

Die „Blumeninsel“ oder die „Insel des ewigen Frühlings“ hat zwar kaum Badestrände, ist aber vor allem bei Wanderern, Tauchern und Naturliebhabern auch aufgrund des milden Klimas beliebt. Vor allem Briten machen hier Urlaub. 2015 waren es insgesamt 1,8 Millionen Besucher. 550 000 kamen mit Kreuzfahrtschiffen auf die Insel.

Mit 270 000 Einwohnern und einer Fläche von 740 Quadratkilometern ist Madeira die größte Insel des gleichnamigen Archipels etwa 980 Kilometer südwestlich von Lissabon. Zu diesem gehören noch die kleine Insel Porto Santo sowie zwei unbewohnte Inselgruppen.

dpa

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