Hässliche Attraktion: Die Berliner Mauer

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Der bunteste Teil der Mauer - an der East Side Gallery in Friedrichshain machen Touristen vor den Werken der Mauerkünstler Halt, die 1990 ihrer Fantasie freien Lauf lassen durften.

Von der Mauer, die Berlin 28 Jahre lang teilte, stehen nur noch kleine Reste. Aber wer in die Hauptstadt kommt, will sie sehen - auch noch 50 Jahre, nachdem sie gebaut wurde.

East Side Gallery und Checkpoint Charlie sind zur Touristenattraktion geworden.

Aussichtsplattform an der Gedenktstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße - von dort oben lässt sich das Gelände mit den ehemaligen Grenzanlagen gut überblicken.

Die Mauer ist weg - aber alle wollen sie sehen. Mehr als 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution, die sie zu Fall gebracht hat, und 50 Jahre, nachdem sie am 13. August 1961 gebaut wurde, ist von ihr fast nichts mehr übrig. An den wenigen Resten drängeln sich die Touristen. Die Mauer, die Berlin 28 Jahre lang auf einer Länge von 160 Kilometern abgeriegelt hat, ist zur Sehenswürdigkeit geworden. Der “Mauerweg“ folgt ihren Spuren.

Ein guter Startpunkt ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße 111. Hier waren die Folgen des Mauerbaus besonders drastisch. Die Mauer trennte Nachbarn und Familien, die nur wenige Häuserblöcke voneinander entfernt wohnten. Anfangs flüchteten etliche Ostberliner durch die Häuser direkt an der Mauer in den Westen, manchmal in das Sprungtuch der Westberliner Feuerwehr - bis die Fenster zugemauert und die Gebäude später abgerissen wurden.

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Heute ist in dem Dokumentationszentrum unter anderem eine Ausstellung mit historischen Fotos zu sehen. Sie zeigen, wie das Brandenburger Tor im August 1961 mit Stacheldraht verschlossen wurde, wie Berliner gegen den Mauerbau protestierten oder wie sich Bekannte verzweifelt über die Absperrungen hinweg die Hand reichten.

Alltägliche Inszenierung - am Checkpoint Charlie posieren lebende Fotomotive mit amerikanischer Flagge.

Dass die Grenzanlagen schon bald viel mehr als nur eine Mauer waren, lässt sich eindrucksvoll beim Blick von der Aussichtsplattform über das Außengelände erkennen. Dort sind Fundamente der Lichtmasten zu sehen, mit denen die Grenze nachts taghell erleuchtet wurde, und die Pfosten des Signalzauns, der bei Berührung Alarm auslöste.

In Friedrichshain ist die Mauer dagegen bunt: Nicht weit entfernt vom Ostbahnhof steht entlang der Spree das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Mauerstück. East Side Gallery heißt es, weil hier die östliche Seite der Mauer von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt wurde. Vom Februar bis September 1990 durften sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Viele Besucher lassen sich davor fotografieren, manche lässig mit dem Rücken an die Mauer gelehnt. Eltern stellen ihre Kinder für das Foto vor dem bunten Hintergrund auf.

Die Mauer hat hier ihren Schrecken verloren, weil sie zum Kunstwerk geworden ist. Die Motive spiegeln die Euphorie und Aufbruchstimmung der Zeit wieder, als die Mauer gefallen und der Kalte Krieg zu Ende war: Ein Bild zeigt Stacheldraht, über dem die Sonne aufgeht, ein anderes die Friedenstaube, die die Kette eines Häftlings hält. Manche Bilder sind weltberühmt geworden - wie der Trabi mit dem Nummernschild “Nov. 9-89“, der die Mauer durchbricht.

Der Mauerweg führt auch am Reichstag vorbei

Der Mauerweg führt auch am Reichstag vorbei: In der Ebertstraße, Ecke Scheidemannstraße, ist eine Reihe von weißen Kreuzen zu sehen, die an die “Mauertoten“ erinnern. Noch immer stehen brennende Kerzen und Blumen vor den Kreuzen.

Touristischer Hotspot für Mauertouristen ist der Checkpoint Charlie in Kreuzberg, der ehemalige Kontrollpunkt von West- nach Ostberlin. Hier standen sich Ende Oktober 1961 russische und amerikanische Panzer direkt gegenüber - 16 Stunden hatte die Welt Angst vor einem neuen Krieg.

Vor dem 1962 gegründeten “Mauermuseum“ 100 Meter weiter ist ein kleinen Stück Original-Mauer ausgestellt - und auch ein Original-Grenzpfahl. Das weiße Häuschen des Kontrollpunktes auf der westlichen Seite ist wieder aufgebaut worden. Davor schwenken Junge Männer in US-Uniform dekorativ die amerikanische Flagge.

Andreas Heimann, dpa

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