ARD Regisseur Otto Retzer schwärmt

Myanmar: Tempelkulisse für „Traumhotel“-Dreh

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Der Regisseur und sein Hauptdrehort: Viele „Traumhotel“-Szenen spielen in der Tempellandschaft von Bagan.

Mit der „Klinik unter Palmen“ oder dem „Traumhotel“ ist Regisseur Otto Retzer rumgekommen. Er kennt die Welt. Richtig zu Hause, auch mit der Seele, ist der gebürtige Österreicher in Asien.

Im April war er mehrere Wochen für das „Traumhotel“ in Myanmar. Wie tief ihn das Land beeindruckte, erzählt er Reiseredakteurin Christine Hinkofer im Interview.

Herr Retzer, Sie sind seit zehn Jahren in Sachen „Traumhotel“ unterwegs. Was ist für Sie ein Traumhotel?

Eine Aufgabe. Es ist Freitagabend, die Menschen sitzen vor dem Fernseher. Sie haben Sorgen, es gibt schlechte Nachrichten. Und dann kommt das „Traumhotel“ und sie sagen: Oh ja, da möchten wir jetzt sein!

Ihr neues Traumhotel haben Sie in Myanmar gefunden, ein Land, das selbst bis vor Kurzem noch gut dabei war im Produzieren schlechter Nachrichten. War die Suche schwierig?

Natürlich schaut das im Film leichter aus, als es in Wirklichkeit ist. Das Hauptproblem ist, dass die Menschen den Urlaub nach dem Prospekt aussuchen. Sie sehen Bagan, die Stadt der 30.000 Tempel und sagen, da fahre ich für eine Woche hin. Tatsache aber ist: Nach einem Tag schaut ein Tempel aus wie der andere.

Für das „Traumhotel“ war Bagan Hauptdrehort.

Die ARD zeigt „Das Traumhotel – Myanmar“ mit Christian Kohlund, Esther Schweins, Hardy Krüger jr. und Christine Neubauer in den Hauptrollen am 4. Januar um 20.15 Uhr.

Ja, das Hotel dort ist sehr speziell. Es ist mitten in die Tempellandschaft gebaut mit einem direkt anschließenden Golfplatz. Ein General hat ihn früher mal anlegen lassen. Er ist nicht im besten Zustand, aber er gehört zu einem der fünf Plätze, die man einmal im Leben gespielt haben muss. Nirgendwo sonst locht man mitten in einem Weltkulturerbe ein.

Wie hat Lisa Film die Drehorte in Myanmar gefunden?

Wir hatten einen Mann kontaktiert, der in Myanmar schon gedreht hat. Er war unser Scout. Ich war 14 Tage mit ihm auf Motivsuche.

Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?

Insgesamt acht Wochen.

Warum hatten Sie sich eigentlich für Myanmar entschieden?

Am Strand: Retzer beim Dreh mit Fischern.

Weil unser Produzent David Spies Fotos gesehen hatte, wie Heißluftballons über die Tempel von Bagan schweben. Das hat ihn so berührt, dass er sagte: Da müssen wir hin! Diese Ballonfahrt über Bangan muss man unbedingt machen. Aber wegen der Thermik geht das nur von Mitte Oktober bis 1. April.

Waren Sie das erste Mal in Myanmar?

Ja, und ich war so begeistert, dass ich Ostern mit der Familie wieder hin will. Wir wollen die gleiche Reiseroute machen wie für den Film.

Und wie geht die?

In der Stadt: Hardy Krüger jr., Esther Schweins.

Erst einmal nach Yangon. Planen Sie drei Tage ein, auch um sich einzuleben, klimatisch. Eineinhalb Tage braucht man alleine für den Haupttempel, der einen förmlich erschlägt mit seiner Schönheit. Ein Tipp: Gehen Sie mittags während der Hitze zurück ins Hotel, legen Sie sich an den Pool und kommen Sie zur Abenddämmerung wieder, wenn die Familien ihre Opfergaben bringen. Wenn dann die Sonne untergeht, weißt du, egal, welchen Glauben du hast, dass du Gott ganz nah bist.

Von Yangon gehts ans Meer?

In Fahrt: Sky Dumont, Christine Neubauer.

Nein, die Badewoche in Ngapali oder Ngwesaung würde ich mir für den Schluss aufheben, damit sich alles erlebte setzen kann. Nein, es geht erst mal nach Bagan. Auch dort drei Tage einplanen. Die Stadt ist total multikulti, mit französischen, deutschen und englischen Restaurants. Hier sind aus der Hippiezeit jede Menge Leute hängengeblieben und haben sich eine Existenz aufgebaut.

War das möglich in einem Land, das von einer Militärdiktatur beherrscht wurde?

Den Fehler hab ich anfangs auch gemacht, dass ich das Militärregime gleichgesetzt habe mit Kommunismus. In Myanmar gab es keine politische Freiheit, durchaus aber wirtschaftliche Möglichkeiten.

Was sollte man in Bagan planen?

Wie gesagt: Ballonfahren über den Tempeln. Das kann man überall in der Stadt buchen, kostet so um die 250 US-Dollar pro Person. Man wird frühmorgens abgeholt und fliegt in den Sonnenaufgang.

Wie kommt man in Myanmar rum? Nimmt man sich einen Leihwagen?

Nein, Inlandsflüge sind die einzige Möglichkeit, das Land zu bereisen. Die Entfernungen schauen auf der Karte nicht so riesig aus, aber das Straßennetz ist so schlecht, dass man über Land Stunden braucht. Außerdem: Es gibt keine Leihwagen, das ist ja auch Teil unserer „Traumhotel“-Story, wie Hardy Krüger jr. und Esther Schweins versuchen, von Bangan ans Meer zu kommen.

Wohin geht es nach Bagan?

Am Wasser: Fischer am Inle-See.

An den Inle-See, für ein, zwei Tage, und dann ans Meer. Der Inle-See, das ist wie Venedig, nur in Asien. Alles steht auf Pfahlbauten im Wasser. Man muss die schwimmenden Märkte besuchen, der Inle-See ist der Gemüsegarten von Myanmar. Man muss in den vielen Antiquitätengeschäften stöbern und sich eine Massage im Spa eines dieser Hotels auf dem Wasser gönnen. Aber setzen Sie sich am Inle-See abends niemals auf die Terrasse, auch wenn die Stimmung noch so romantisch ist Es gibt Millionen von Mücken. Wählend Sie ein komfortables Hotel mit Klimaanlage, wo abends die Tür zubleibt.

Wo steht Myanmar im Vergleich zu anderen asiatischen Reiseländern?

An Land: Sven Martinek mit Mönchen.

Von der Pracht der Tempel ist es ein Mittelding zwischen Tibet und Thailand. Obwohl, vor dem Haupttempel in Yangon verblasst ganz Bangkok. Das ist das Größte, was ich je gesehen habe. Vom Urlaubscharakter ist es wie Thailand. Man kann beides haben: Strand und Kultur. Mit dem Unterschied aber, dass es in Thailand unzählige Fünf-Sterne-Hotels gibt und in Myanmar bis jetzt nur ein paar ganz wenige. Und ein Nachtleben gibt es gar nicht. Das kann man sich komplett abschminken.

Wer nach Asien reist schätzt meist auch das Essen sehr. Wie isst man in Myanmar?

Auch da würde ich sagen: Eine Mischung zwischen thailändischer und vietnamesischer Küche, nur dass alles noch viel ursprünglicher zubereitet, noch nicht so ausgefeilt ist. Ich habe in Myanmar die frischesten und besten Hummer meines Lebens gegessen, direkt vom Fischer gekauft, der abends mit dem Boot hinausgefahren ist und bei Morgengrauen zurückkam. Aber da kann es dann vorkommen, dass es keinen gescheiten Salat dazugibt, weil halt die Infrastruktur nicht da ist, um das Gemüse vom Inle-See hinunter an die Küste zu bringen. In Myanmar ist ja nicht einmal die Hauptstraße eines Dorfes geteert.

Wie sind Ihnen die Menschen begegnet?

Irrsinnig freundlich, auf dem Land aber teilweise sehr schüchtern. Wir haben in einem kleinen Fischerdorf gedreht und im Gegensatz zu überall anderswo in Asien hatten wir dabei keine Zuschauer. In Myanmar wissen die Menschen teilweise noch nicht, was Fernsehen ist.

Wie haben Sie sich verständigt?

In den Hauptorten sprechen die meisten Englisch. Und wir hatten einen einheimischen Dolmetscher dabei.

Gibt es Dinge, die man beachten muss, um nicht anzuecken?

Unter Palmen: Das Traumhotel am Meer.

In erster Linie: Niemals mit Schuhen in einen Tempel gehen. Das war eine unserer Hauptschwierigkeiten bei den Dreharbeiten. Im großen Tempel von Bagan werden die Marmorplatten in der Mittagshitze richtig kochend heiß. Für Urlauber, die nur kurz drübertänzeln, mag das noch gehen, aber unsere Kameraleute und Beleuchter, die ja ziemliches Gewicht zu schleppen haben, hatten am Ende des ersten Drehtages Brandblasen an den Füßen. Erst am Ende des Drehs sind wir auf die Idee gekommen, dass man den Leuten wenigstens Bastmatten unter die Füße legen könnte. Das war erlaubt. Damit solche Sachen wie angemessene Bekleidung in den Tempeln bei den Dreharbeiten eingehalten werden hat man in Asien übrigens sogenannte Sensoren dabei, die überwachen das.

Würden Sie einem Myanmar-Ersturlauber zur Pauschalreise raten?

Ja, es sei denn, man hat viel Zeit. Ich hab schon Leute getroffen, Bankdirektoren, die sonst nur First Class fliegen, die waren in Myanmar für Wochen mit dem Rucksack unterwegs, auf einer Reise zum Ich, wie sie es genannt haben. Aber dazu braucht man Zeit und muss sich gut vorbereiten. Das ist für Myanmar wichtig, wo wir doch so wenig über dieses Land wissen.

Zum Schluss: Ihr bewegendstes Erlebnis in diesem zauberhaften Reiseland?

An einem drehfreien Tag bin ich mit meiner Frau in der Pferdekutsche hinaufgefahren zum Sonnentempel von Bagan. Dort oben hat man einen fantastischen Blick auf die Anlage mit ihren über 30 000 Tempeln. An diesen Tag aber war es so bewölkt wie bei uns im November. Aber weil wir schon mal da waren, sind wir trotzdem auf das Dach des Tempels hinauf, und dann kam die Sonne raus. Das war ein Moment – wenn man ein bisschen Herz hat, muss man weinen.

Und im „Traumhotel“ kann man das alles auch erleben?

Ja, alles. Myanmar ist für mich der schönste Film aller bisherigen „Traumhotel“-Folgen.

Interview Christine Hinkofer

DIE REISE-INFOS ZU MYANMAR

REISEZIEL Myanmar (auch Birma oder Burma) liegt an der Andamanensee und am Golf von Bengalen in Südostasien und grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, Indien und Bangladesch. Das Land stand seit 1962 unter einer Militärherrschaft, die am 4. Februar 2011 einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt einsetzte. Myanmar ist mit 678.000 Quadratkilometer etwa doppelt so groß wie Deutschland.

LESERREISE Zusammen mit dem Münchner Fernreisespezialisten Kiwi Tours besuchen wir Myanmar vom 3. bis 16. November im Rahmen einer Leserreise. Mit Flug von München nach Yangon (mit Thai Airways via Bangkok), Inlandsflügen, Rundreise (Bagan, Mandalay, Inle-See) und anschließendem Badeaufenthalt in Ngapali, Übernachtungen in Hotels der guten Mittelklasse und Frühstück und Mittagessen während der Rundreise (in Ngapali nur Frühstück) kostet die Reise 3395 Euro pro Person, EZ-Zuschlag 550 Euro. Infos und Buchung direkt bei Kiwi Tours unter Tel. 089/7466250 (bitte Leserreise tz/Münchner Merkur angeben).

TV-TERMIN Die ARD zeigt „Das Traumhotel – Myanmar“ mit Christian Kohlund, Esther Schweins, Hardy Krüger jr. und Christine Neubauer in den Hauptrollen am 4. Januar um 20.15 Uhr.

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