Eine Million Deutsche machte im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt. Immer noch aber gibt es auch die notorischen Schiffs-Verweigerer. Was sind die größten Kreuzfahrt-Vorurteile und welche sind wirklich wahr?

© Foto: MSC Kreuzfahrten
Das Hotel, das schwimmt: Kreuzfahrten werden immer beliebter, und so mancher Passagier hat seine Vorurteile schnell über Bord geworfen.
Unser Reporter Uwe Fajga machte den Check auf einer Reise durchs Mittelmeer.
Mit mir sind an Bord der MSC Magnifica erstaunlich viele junge Paare, und weil gerade Schulferien sind, sind knapp ein Drittel der Gäste auch Familien. Der Altersdurchschnitt beträgt bei dieser Mittelmeer-Kreuzfahrt etwa 40 Jahre.
Das stimmt. Auf den 16 Decks der Magnifica ist Tag und Nacht was los: Im 1200 Personen fassenden Theater finden wechselnde Shows statt. Auf dem Tagesprogramm an Bord stehen Aktivitäten von Gruppenspielen über Kochvorführungen bis zu Tanzkursen. Außerdem gibt’s ein 4D-Kino, einen Cyber-Room, eine Diskothek, ein Internet-Cafe, 13 Bars, teilweise mit ganztägiger Live-Musik und fünf Restaurants. Alle sportlichen Großereignisse wie Fußball, Formel 1 und Tennis werden auf großen TV-Schirmen in der Sportsbar oder im Pool-Bereich live übertragen.
Das muss nicht sein. Unter der Kapitänsbrücke am Bug hat die MSC Magnifica ein Fitnesscenter. Das ist vor allem frühmorgens und am späteren Nachmittag gut besucht. Außerdem findet im Poolbereich auf Deck 13 zweimal täglich Gymnastik mit Musik für Jung und Alt statt. Die drei Schwimmbäder an Bord haben zwar keine Wettbewerbsmaße, aber erfahrungsgemäß wollen die meisten Gäste auch nicht im, sondern am Pool liegen. Die Joggingstrecke auf Deck 14 ist daher auch nur am frühen Morgen passierbar. Zudem besteht die Möglichkeit, Fußball, Tennis, Basketball und Tischtennis zu spielen.
Stimmt nicht. Während der 32 Stunden dauernden Fahrt von Istanbul nach Dubrovnik ist an Bord jede Menge los. Details werden in der deutschsprachigen Bordzeitung täglich angekündigt. Zusätzlich zum normalen Programm finden an Seetagen ein Seefest am Pool, ein großer Verkaufsbasar sowie eine Koch-Demo statt. Außerdem gibt Kapitän Giuliano Bossi (65) an Seetagen per Videovorführung (auch auf Deutsch) technische Informationen rund um das 300 Meter lange und 450 Millionen Euro teure Luxusschiff sowie die Seefahrt allgemein. Gerne gestellte Frage: Warum heißt es in der Seefahrt immer nur „Mann über Bord‘‘? Antwort Bossi: „Die Seefahrt war früher eine Domäne der Männer. Doch wir retten Männer wie Frauen – auch Schwiegermütter.“
Stimmt nicht. Die vornehmlich deutsche Unsitte, noch vor dem Frühstück die Liegen mit Handtüchern zu besetzen, wird zwar auch auf der MSC Magnifica praktiziert. Doch hat man hier an Bord Abhilfe geschaffen: Wird eine Sonnenliege 30 Minuten lang nicht benützt, wird das Handtuch vom Personal entfernt. Grundsätzlich stehen überall an Bord ausreichend Sonnenliegen zur Verfügung.
Stimmt nicht. Die Kleiderordnung auf Kreuzfahrtschiffen wurde mittlerweile stark gelockert. Lediglich an den beiden Galaabenden ist Abendgarderobe erwünscht. Aber immer noch gilt: Shorts und ärmellose T-Shirts sowie Badebekleidung sind im Speisebereich unangebracht.
Die Crew spricht mehrere Sprachen. Zudem gibt es an Bord eine deutsche Reiseleitung. Alle Durchsagen erfolgen auch auf Deutsch. Ebenso sind die Menü- und Getränkekarten sowie die tägliche Bordzeitung mit dem Tagesprogramm in Deutsch ausgedruckt.
Die MSC Magnifica ist unter dem Bug mit acht Meter breiten Stabilisatoren ausgestattet. Die sorgen dafür, dass das Schiff meistens relativ ruhig auf dem Wasser liegt. Nur bei hohem Seegang kann es mal schaukeln. Dann helfen spezielle Reisekaugummis oder Tabletten aus der Apotheke.
Stimmt nicht. Die modernen Dieselgeneratoren der MSC Magnifica stoßen keinen Ruß aus.
Die 249 Innenkabinen sind 14 bis 21 Quadratmeter groß und genauso komfortabel eingerichtet wie die Außenkabinen. Allerdings verfügen sie nicht über Tageslicht. Wer damit Probleme bekommt, kann auch während der Reise versuchen, gegen etwas Aufpreis in eine Außenkabine umzubuchen.
Kreuzfahrten entwickeln sich immer mehr zum Massentourismus. Eine einwöchige Mittelmeerreise auf der MSC Magnifica ist je nach Saison schon ab 949 Euro (Innenkabine) und 1049 Euro (Außenkabine) pro Person zu haben. Bei MSC reisen zudem zwei Kinder bis zwölf Jahre in der Kabine von zwei voll zahlenden Erwachsenen auch während der Ferienzeiten gratis mit.
Die Nebenkosten sind nicht zu unterschätzen. Lediglich beim Frühstück, Mittag und Nachmittagskaffee sind Kaffee, Tee, Säfte und Wasser gratis. Ein Espresso kostet an der Poolbar 1,20 Euro, ein Bier (0,2 Liter) 2,80 Euro, eine Flasche Wein zum Abendessen gibt’s ab 18 Euro. Günstiger fährt, wer vorab Getränkepakete erwirbt. Auch die von MSC angebotenen Landausflüge können die Urlaubskasse kräftig belasten: Geführte Stadtbesichtigungen kosten zwischen 35 und 145 Euro. Als günstigere Alternativen bieten sich individuelle Touren per Taxi oder mit lokalen Bussen an.
Uwe Fajga



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