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Breitbrunn/Eggstätt: "Es wird rauchen, stinken, laut sein"

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    • 31.10.11
    • Breitbrunn
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"Es wird rauchen, stinken, laut sein"

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Breitbrunn/Eggstätt - Anfang 2012 soll im Breitbrunner Gemeindegebiet bereits der Startschuss für Erdgasbohrungen fallen - ein Vorhaben, das die Gemüter höher schlagen lässt!

OVB

© Müller

"Wir brauchen eure Unterstützung", forderte Josef Unterhauser am Freitag bei seinem Vortrag in Eggstätt die rund 100 anwesenden Bürger auf.

Im Rahmen der Infoveranstaltung "Gasalarm bei uns am Langbürgner See" berichteten Gerhard Kolbeck und Josef Unterhauser am Freitagabend im Gasthof "Unterwirt" in Eggstätt von den "lange geheim gehaltenen Erdgas-Plänen" der österreichischen Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft (RAG) und den zu erwartenden negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

"Schon mit der Bohrung nach Gas würde man die einzigartige Landschaft aufs Spiel setzen, von einer möglichen Gasförderung ganz abgesehen", betonte Kolbeck. Die Zeit dränge, denn die RAG wolle bereits Anfang 2012 mit den Testbohrungen beginnen. Um dies zu verhindern, riefen die als direkt betroffene Anwohner besonders besorgten Gerhard Kolbeck und Josef Unterhauser die Anwesenden zur Gründung einer Bürgerinitiative auf.

"Es wird rauchen, stinken, laut sein und keiner wird etwas davon haben", beschrieben die Initiatoren der Veranstaltung, Unterhauser und Kolbeck, am Ende ihres Vortrages das geplante RAG-Projekt und verwiesen auf den bedrohten Langbürgner See, der als größter von insgesamt 18 Seen zum einzigartigen Naturschutzgebiet Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte gehört, einem der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns.

Wie berichtet, beabsichtigt die RAG Austria, Spezialist für Rohöl- und Rohgas-Aufsuchung, im nördlichen Breitbrunner Gemeindegebiet zwischen Gattern und Zell nach Erdgas zu suchen. Die Testbohrungen seien östlich der Kreisstraße RO10 am Rande des Landschaftsschutzgebiets geplant, so Kolbeck. Kein Bürger sei von offizieller Seite über die Bauvorhaben informiert worden, vielmehr "erfuhren wir davon vor 14 Tagen zufällig aus der Zeitung". Falls die RAG die Sondergenehmigung des Bergamtes München erhalte, "werden die Testbohrungen bereits im ersten Quartal 2012 beginnen, die Erdgasförderung könnte dann Ende 2013 anlaufen", ließ Kolbeck verlauten.

Wie Vertreter der RAG vor über zwei Wochen im Breitbrunner Gemeinderat erläutert hatten, sollen mit Hilfe eines etwa 30 Meter hohen Bohrturmes hintereinander zwei Löcher gegraben werden, eine Bohrung werde 1100 Meter tief gehen, die andere zwischen 1800 und 2400 Meter. "Bei diesem Versuch wird nach 400 Metern direkt unter den Langbürgner See gebohrt", erklärte Kolbeck. Insgesamt seien 63 Bohrtage angesetzt, fügte Unterhauser hinzu. Die Folgen des geplanten Bauprojekts würden sich auch oberirdisch negativ bemerkbar machen, denn es handle sich um eine aufwendige Infrastruktur mit Entwässerungsgraben, Zufahrtsstraße und Bohrturm. Käme es zur Gasförderung, müssten auch eine Trocknungsanlage und eine Verdichterstation gebaut werden, so Kolbeck. Die betonierte Fläche wäre am Ende so groß wie ein Fußballfeld, gaben Kolbeck und Unterhauser zu bedenken und verwiesen auf Assing bei Waging am See, wo die RAG schon länger aktiv sei.

Verhältnismäßigkeit stimmt nicht mehr

Das Bewilligungsverfahren erfolge Unterhauser zufolge anders als bei gewöhnlichen Bauvorhaben "von oben nach unten". Bürokratische Hürden und Auflagen seien kaum vorhanden, so Kolbeck. "Die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht, Schifferlfahren wird nicht geduldet und dann kommt so etwas!" Ein erhebliches Problem stelle seiner Meinung nach auch das belastete Abwasser dar, dessen Lagerung und Entsorgung alles andere als leicht sei. "Läuft mit dem Sondermüll etwas schief, ist die Wasserversorgung der umliegenden Gemeinden in höchster Gefahr." Auch in finanzieller Hinsicht könne die Bürgerinitiative keine Vorteile für die Gemeinde Breitbrunn erkennen, denn "die RAG Austria müsse keine Gewerbesteuer zahlen." Vielmehr seien finanzielle Einbußen wahrscheinlich, denn wenn das reizvolle Landschaftsbild zerstört werde, könnten Urlauber zukünftig ausbleiben.

"Nur wenn wir gemeinsam agieren, haben wir noch eine Chance, das Bauvorhaben zu verhindern", waren sich die besorgten Bürger in der anschließenden Diskussionsrunde einig: Die Schwierigkeit bestehe Kolbeck zufolge darin, dass es "einen gültigen Pachtvertrag gibt, der von Seiten des Verpächters auch nicht mehr rückgängig gemacht werden kann". Zudem handle es sich beim "veralteten" Bergrecht um Bundesrecht, "juristisch haben wir da keine Zugriffsmöglichkeit." "Wir müssen beim Bergamt Sturm laufen", forderte hingegen eine erboste Bürgerin.

Der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Rosenheim, Peter Kasperczyk, sprach davon, dass es erfahrungsgemäß von Vorteil sei, auf Gemeindevertreter, politische Institutionen und Behörden stetigen Druck auszuüben. "Nur gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern haben wir die notwendige Macht", so Kasperczyk.

"Es kann nicht sein, dass hier einfach über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werde und wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden, es geht hier um uns, um unsere Heimat", betonte ein anderer Teilnehmer. "Sich aufzuregen und öffentlich zu protestieren" werde am Ende nicht ausreichen, denn "wir brauchen auch gute Argumente", blickte eine Besucherin voraus. Die Gegenseite werde nämlich auf die Energiewende verweisen oder das Erdgas als unverzichtbaren Bestandteil des Energiemixes anführen, "darauf müssen wir gefasst sein und entsprechend reagieren können". Eine weitere Wortmeldung bezog sich auf das seit 1939 bestehende Naturschutzgebiet Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, da "haben wir doch ein Pfund in der Hand, diese Karte müssen wir ausspielen".

Der Dritte Bürgermeister der Gemeinde Breitbrunn, Reinhard Bauer, griff noch einmal den "Info-Besuch" der RAG-Vertreter im Gemeinderat auf und sprach davon, dass die Gemeinderäte von Haus aus skeptisch gewesen seien. Im Grunde können wir nichts machen, denn "die Genehmigung ist längst am Laufen". Bauer riet den Bürgern, möglichst viele Menschen für das Anliegen der Bürgerinitiative zu gewinnen und auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden mit ins Boot zu holen. "Wir wollen demnächst nach Österreich fahren, um uns noch besser zu informieren", versprach Bauer.

Im Rahmen der Bürgerversammlung am Freitag, 4. November, um 19.30 Uhr im Gasthof "Unterwirt" in Eggstätt wird das Thema "Erdgasbohrungen" erneut zur Sprache kommen.

mmü/Oberbayerisches Volksblatt

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