Pappe, Pinsel und Papiere für den Unterricht im Fach Kunsterziehung musste die Freie Waldorfschule Chiemgau zuletzt in großen Mengen kaufen. Die Anschaffungen waren notwendig, hatte doch der Brand, der im April im Westflügel des Gebäudes wütete, das alte Material vernichtet. Ein Vielfaches mehr ins Gewicht fiel jedoch der Schaden, den das Feuer in einigen Räumen hinterließ. Rund zweieinhalb Monate später sind die Spuren des Brandes noch deutlich zu sehen. Erst Ende des Sommers oder Anfang des Herbstes werden alle Räume saniert und wieder benutzbar sein.
Ursache nach wie vor ungeklärt
Nach wie vor ungeklärt sei die Ursache des Brandes, sagt Pröbstl. Wie in solchen Fällen üblich habe die Kriminalpolizei ermittelt, doch auch sie habe die Frage nicht klären können. Eins jedoch ist ihm und all den anderen, die in irgendeiner Weise mit dem Brand befasst waren, klar: Die Feuerwehr habe, so Dr. Pröbstl, „hervorragend gearbeitet“ – und somit am 25. April weitaus schlimmere Schäden verhindert. Sie habe den Brand „gut gelöscht“ und vor allem auch das Wasser, das sie verwendet habe, zum größten Teil gleich wieder abgesaugt. Gut zwei Monate nach dem Feuer ist im Technikraum im vierten Stock laut Dr. Pröbstl „alles bis auf den Dachstuhl entfernt“. In den drei Klassenräumen und dem Kunstatelier in der dritten Etage seien verrußte Gipskartonplatten, Dämmungen und Lüftungsrohre „soweit wie nötig“ abgebaut. Und mit all diesem in Mitleidenschaft gezogenen Baumaterial sei nun vor allem auch der Brandgeruch im Großen und Ganzen gebannt, der sich in den Tagen nach dem Feuer im Haus hartnäckig festgesetzt habe. Die Schule arbeitet eng mit einem Chemiker und einem Statiker zusammen – mit einem Chemiker deshalb, weil sie Gewissheit haben muss, was alles von Rauch und Ruß belastet sei. Das Labor, so Dr. Pröbstl, untersuche diese „Kontaminierung“ und lege fest, welche Dämmung oder welches Rohr zu entfernen sei. Und der Statiker werfe einen genauen Blick auf die tragenden Teile, die womöglich ausgetauscht werden müssen. Wenn Chemiker und Statiker ihre Arbeiten abgeschlossen haben, dann steht der Sanierung nichts mehr im Wege. Viele Arbeiten seien zu erledigen. Unter anderem müsse das Dach zum Teil erneuert werden, ebenso seien in den Klassenräumen die Decken in Gänze wiederherzustellen. An der Technik sei einiges zu machen. Die Lüftung müsse instand gesetzt werden, ebenso die Elektrik, damit der Strom wieder fließen könne. Das große Ziel lautet: „Wir möchten die Klassenräume bis Ende der Sommerferien fertig haben.“ Doch der Vorsitzende des Initiativkreises ist auch für den Fall gewappnet, dass die Arbeiten womöglich erst in den Herbstferien zu Ende gehen. In diesem Falle müsste die Schule einmal mehr in ihrem Alltag ein Stück weit improvisieren.
Abitur verlegt nach Marquartstein
Und diese Kunst beherrschen die Verantwortlichen in der Waldorfschule – gezwungenermaßen. So verwüstete der Brand im April auch das Kunstatelier – jenen großen Raum, der eigentlich für die Abiturprüfungen vorgesehen war. Kurzerhand musste die Schule umdisponieren, die Abiturienten letztlich im Landschulheim (LSH) Marquartstein ans Werk gehen – was dann, wie alles andere, am Ende aber laut Dr. Pröbstl geklappt hat. „Durch Umorganisation haben wir alles ganz gut in den Griff bekommen“, sagt er. Im Schulalltag seien „keine größeren Störungen“ eingetreten – abgesehen von den „Unannehmlichkeiten“ durch den Baulärm.




























































































