Eine ungewöhnliche Aktion im Rahmen der im Herbst stattfindenden Kommunalwahl hat sich die Großkarolinenfelder/Tattenhausener Bürgervereinigung (GBV) einfallen lassen: Per Zeitungsinserat sucht die Gruppierung einen Kandidaten, der im November gegen den amtierenden Großkarolinenfelder Bürgermeister Bernd Fessler antritt.
Die Zeitspanne bis zur Bürgermeisterwahl am 4. November in Großkarolinenfeld wird immer kürzer. „Doch bis jetzt hat sich zum Wahlkampf weder eine andere Partei noch Bürgermeister Bernd Fessler geäußert“, kritisierte Dr. Erwin Gutsmiedl.
Auch die GBV in Großkarolinenfeld ist für jeden Kandidaten, unabhängig von dessen Wohnort, offen. Wie sie sich ihren Traum-Bewerber vorstellen, haben die GBVler klar in der Anzeige formuliert: „Transparenz und Offenheit“ werden verlangt. Völlig überrascht wurden in Großkaro alle anderen Parteien sowie Bürgermeister Bernd Fessler von dem GBV-Plan, wobei der amtierende Bürgermeister Fessler (parteifrei) grundsätzlich kein Problem mit der GBV-Taktik hat: „Da mir meine Arbeit großen Spaß macht, würde ich gerne wieder antreten. Aber ob und in welcher Form dies geschieht, hängt von den in Kürze stattfindenden Aufstellungsversammlungen der Parteien ab.“
Bedeckt hielten sich auch alle anderen politischen Gruppierungen der Gemeinde. Als „spannend, aber befremdlich“ bezeichnete PLW-Fraktionssprecher Roman Hörfurter die GBV-Kandidatensuche über die Medien. Nach Hörfurters Ansicht sei es in Karo „bisher immer geeigenen Reihen zu rekrutieren, die sich im Ortsgeschehen tatsächlich auskennen und mit der Gemeinde verwurzelt sind“. Dieses Verfahren habe sich in der Vergangenheit bewährt. Auch die anderen Fraktionssprecher Franz Dußmann (SPD), Lilo Wallner (CSU) und Wiltrud Rothmayer (Bündnis 90/Die Grünen) zeigten sich mehr als erstaunt von dem Weg, den die GBV eingeschlagen hat. Alle drei Gruppierungen gaben an, Fessler, vorbehaltlich der Mitgliederversammlungen, als Kandidat unterstützen zu wollen. Gutsmiedl und seine GBV-Parteifreunde aber freuen sich auf die Bewerbungen und den bevorstehenden Wahlkampf: „Demokratie lebt von der Wahlmöglichkeit. Und deshalb möchten wir den Bürgern einen Gegenkandidaten bieten.“
Inzwischen trat ein Gesetz zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes (GLKrWG) in Kraft. Dieses besagt: „Beginnt die Amtszeit des neu gewählten Bürgermeisters innerhalb der letzten zwei Jahre der Wahlzeit des Gemeinderats, endet sie mit dem Ablauf der folgenden Wahlzeit des Gemeinderats“; also im Fall Großkarolinenfelds in 2020. Der Kandidat, der die Wahl im November gewinnt, wird daher statt sechs sogar sieben Jahre und drei Monate im Amt sein.
Daniela Lindl/Oberbayerisches Volksblatt


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