Spekulationen über Ursache für Zug-Unglück

Ein defektes Signal oder menschliches Versagen?

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dpatopbilder - Rettungskräfte stehen am 09.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). Bei einem schwerem Zugunglück in Oberbayern sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Foto: Peter Kneffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bad Aibling - Das schreckliche Zug-Unglück in Bad Aibling am Dienstagmorgen bewegt die ganze Welt. Wie konnte es zu dieser Tragödie kommen?

UPDATE 19.45 Uhr: Neue Theorie zur Unfallursache

Laut dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, zu dem unter anderem die Hannoversche Allgemeine gehört, soll eine verhängnisvolle Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling der Grund für das Zugunglück sein. 

Das will das Redaktionsnetzwerk aus Ermittlerkreisen erfahren haben. Dieser Fahrdienstleiter habe das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Meridian „quasi von Hand durchzuwinken“. Dieser Meridian hätte, um dem entgegenkommenden Zug noch auszuweichen, rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen, wo sich ein zweites Gleis auf der ansonsten eingleisige Strecke befindet. Dies sei jedoch misslungen!

Dennoch habe der zweite Meridian grünes Licht auf Weisung aus dem Stellwerk bekommen, ein sogenanntes "Ersatzsignal", obwohl das reguläre Signalsystem auf Rot stand. 

Für diese Behauptung gibt es aber bislang keine offizielle Bestätigung.

Erstmeldung:

Über die Ursache sollen nun die insgesamt drei Blackboxen, die in den Zügen verbaut waren und nun von den Ermittlern des Eisenbahnbundesamtes ausgewertet werden, Aufschluss geben. Es gibt aber bereits jetzt Fakten, die sich nacheinander zu einer Kette unglücklicher Ereignisse verkettet haben.

Was ist nachweisbar?

Der Zug, der von Holzkirchen Richtung Rosenheim fuhr, startete um 6.10 Uhr in Holzkirchen. In Bad Aibling hätte er um 6.38 Uhr weiterfahren sollen, dann noch vom Haltepunkt Bad Aibling-Kurpark um 6.40 Uhr. In Kolbermoor hätte der Zug dann um 6.44 Uhr abfahren sollen. Seine Ankunft in Rosenheim war laut DB-Fahrplan für 6.49 Uhr vorgesehen.

Der Gegenzug, der aus Richtung Rosenheim nach Holzkirchen fuhr, startete fahrplanmäßig in Rosenheim um 6.37 Uhr. Um 6.45 Uhr hätte es von Kolbermoor Richtung Bad Aibling-Kurpark weitergehen sollen. Dort war die Weiterfahrt für 6.48 Uhr geplant.

Das Unglück auf der eingleisigen Strecke passierte nach Angaben der Polizei um 6.48 Uhr etwa 500 Meter nach dem Haltepunkt Bad Aibling-Kurpark in Fahrtrichtung Rosenheim gesehen. Folgerichtig muss der Zug, der aus Holzkirchen kam, zum Zeitpunkt des Unfalls etwa drei bis vier Minuten Verspätung gehabt haben. Eigentlich hätte dieser, wie oben bereits geschildert, bereits um 6.44 Uhr von Kolbermoor abfahren sollen.

Fuhr der Zug in Kolbermoor zu früh los?

Bleibt die alles entscheidende Frage, warum sich zum Unglückszeitpunkt bereits der Gegenzug auf der Strecke befand, obwohl die Zugkreuzung im Regelfall in Kolbermoor von statten geht. Das haben mehrere User gegenüber mangfall24.de bestätigt, die regelmäßig auf dieser Strecke unterwegs sind. Am Haltepunkt Kurpark wäre mangels Ausweichgleis gar keine Zugkreuzung möglich. Erst in Bad Aibling wäre dies von der Infrastruktur her wieder möglich.

Hinzu kommt die Frage, warum der Zug in Kolbermoor Richtung Holzkirchen möglicherweise eine Minute zu früh losgefahren ist. Das schrieb ein User, der in einem der Unglückszüge saß, auf Facebook: „(...) Wir fuhren meiner Meinung nach zu früh in Kolbermoor los. Normalerweise wartet der Zug aus Rosenheim auf den Gegenzug, außer der hat immens Verspätung. Diesmal wurde nichts durchgesagt und es ging nach kurzem Stop weiter."

War es menschliches Versagen?

Zudem steht die These im Raum, dass menschliches Versagen des Fahrdienstleiters im Stellwerk Bad Aibling zu dem schrecklichen Unglück geführt haben könnte. Dafür spricht, dass der Bedienstete dort eigentlich gewusst haben muss, dass sich zwischen Bad Aibling und Kolbermoor noch ein (verspäteter) Zug auf der Strecke befindet, als er den Zug in Kolbermoor Richtung Holzkirchen auf die Reise schickte. Spekuliert wird auch, dass der Bedienstete diesen Befehl mündlich an den Lokführer übermittelt haben soll, weil ein Signal defekt gewesen sein soll. Dieses Szenario entspricht theoretisch den Vorschriften, allerdings müssten sich die Beteiligten in diesem Fall exakt nach bestimmten Vorgaben abstimmen.

Bundespolizeisprecher Rainer Scharf hielt sich diesbezüglich jedoch bedeckt: „Bis die bahntechnischen Ermittlungen abgeschlossen sind, werden mit Sicherheit Tage vergehen. Erst danach wird man eine seriöse Aussage über die Ursache treffen können!“ Ein technischer Defekt an der „punktförmigen Zugbeeinflussung“ (PZB90) kann eigentlich ausschlossen werden. Der DB-Konzernbevollmächtigte für Bayern, Klaus-Dieter Josel, bestätigte am Mittag in der Pressekonferenz, dass das System erst „letzte Woche“ technisch überprüft worden ist. Dabei habe es keine Probleme gegeben, so Josel.

Theoretisch könnte das Zugbeeinflussungssystem auch "überstimmt" werden - aber nur dann, wenn der Führer des Zuges, der ein rotes Signal überfährt, die dann automatisch ertönende Warnmeldung bezüglich der Zwangsbremsung mit einem Knopfdruck im Führerstand deaktivieren würde.

mw

Quelle: mangfall24.de

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Martin Weidner

Martin Weidner

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