Zugunglück bei Bad Aibling: Hintergründe zum Beruf "Fahrdienstleiter"

Aufgaben, Ausbildung und Sondersignal "Zs 1"

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Symbolbild eines Stellwerks.

Bad Aibling - Sie halten den Betrieb in über 4500 Stellwerken am Laufenden: die Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn. Doch was genau gehört alles zu den Aufgaben? Wie sieht der Arbeitsplatz aus?

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Die Fahrdienstleiter (Abkürzung "Fdl") bilden das Rückgrat des Schienenverkehrs in Deutschland. Sie sind für die zuverlässige Durchführung der Zugfahrten zuständig und haben ihre Arbeitsplätze in einem Stellwerk, in einer Fernsteuerzentrale oder in einer Betriebszentrale. Bei den Stellwerken kann es sich um mechanische Stellwerke, aber auch um hochmoderne computergestützte Modelle handeln. Ein Fahrdienstleiter, der die Einrichtungen im Fahrweg beim Rangieren bedient, ist in dieser Funktion auch Weichenwärter.

Das ist das Stellwerk Bad Aibling

Nach Angaben der bundesweiten Auflistung der privaten Internetseite www.stellwerke.de handelt es sich bei dem Aiblinger Stellwerk um ein Modell des Typs "Sp Dr S60". Die erste Inbetriebnahme der Anlage war im Jahr 1977. Das Stellwerk ist ein so genanntes Relaisstellwerk. Dabei ist der betroffene Stellbereich als schematisches Gleisbild auf einer ebenen Bedienoberfläche dargestellt. Im Gleisbild wird der Betriebszustand durch verschiedenfarbige Leuchten angezeigt. Der Streckenabschnitt, auf dem sich ein Zug befindet, wird mit rot angezeigt, freie Strecke mit weiß.

Was hat es mit dem vom Fahrdienstleiter falsch gesetzten Sondersignal "Zs 1" auf sich?

Das Signal Zs 1 wird immer dann gegeben, wenn ein Hauptsignal keinen regulären Fahrtbegriff anzeigen kann. Die Technik verhindert laut www.stellwerke.de, dass eine Zugfahrt stattfinden kann. Um bei Störungen dennoch den Betrieb weiterführen zu können, sichert der Stellwerker den Fahrweg von Hand und erlaubt dem Lokführer, am Halt zeigenden oder gestörten Hauptsignal vorbeizufahren. Dies kann der Fall sein, wenn

  • an diesem Signal eine Lampe defekt ist
  • eine Weiche keine Rückmeldung gibt, aber anders gesichert ist
  • eine Störung an den Streckenblockeinrichtungen vorliegt (Kabel defekt)
  • ein tatsächlich freies Gleis als besetzt angezeigt wird
  • für den Fahrweg gar keine reguläre gesicherte Fahrstraße vorhanden ist.

Für den Lokführer bedeutet das, dass der Fahrweg durch den Fahrdienstleiter auf Freisein geprüft ist, die Weichen in der richtigen (nicht unbedingt geraden!) Stellung liegen und eine eventuelle Blockstrecke frei ist. Bei Einfahr- und Zwischensignalen ist die Geschwindigkeit bis zum Halteplatz bzw. dem nächsten Signal auf 40 km/h beschränkt, bei Ausfahrsignalen gelten die 40 km/h nur im nachfolgenden Weichenbereich. Es ersetzt also den Befehl "Ab". Das Ersatzsignal erlaubt nicht, auf zweigleisigen Strecken das linke Streckengleis zu befahren.

Wie verläuft die Ausbildung?

Die Ausbildung bereitet künftige Fahrdienstleiter (Fdl) gründlich auf zukünftige Aufgaben vor. "Vor allem arbeitest du in unseren Stellwerken, in denen der Zugbetrieb zentral gesteuert wird", schreibt die Deutsche Bahn auf Ihrer Karriere-Homepage. Dabei kann es sich um mechanische Stellwerke aber auch um hochmoderne computergestützte Stellwerke handeln.

Dort lernen die Mitarbeiter:

  • Die Grundlagen des Eisenbahnbetriebs
  • Das Bilden und Rangieren von Zügen
  • Methoden zur Verbesserung der Betriebsqualität, außerdem Projektmanagement
  • Verschiedene Stellwerks-Technologien zu bedienen und natürlich den Fahrdienst im Regelbetrieb als auch bei Abweichungen vom Regelbetrieb zu leiten

"Nach erfolgreichem Abschluss deiner Ausbildung hast du sehr gute und interessante Karrieremöglichkeiten", so die DB. Gefördert werden die weitere Entwicklung aktiv, bis zum "Fachwirt für den Bahnbetrieb" oder zum "Disponenten".

Auch Quereinsteiger haben Chancen

Mit Technikverständnis und einer abgeschlossenen Berufsausbildung bringen Interessierte beste Voraussetzungen mit. Industrieelektriker, Elektriker, Elektroniker, Mechatroniker, KFZ-Mechatroniker oder -Mechaniker, Energieanlagenelektroniker, Elektroinstallateur, Werkzeugmacher, Schlosser, Industrie- oder Feinwerkmechaniker sind laut Bahnangaben besonders für den Quereinstieg zum Fahrdienstleiter geeignet. Aber auch Maler, Lackierer, Tischler, Maurer, Dachdecker, Buskraftfahrer, LKW-Kraftfahrer oder Taxi-Fahrer haben bei entsprechender Eignung sehr gute Chancen.

Stellwerk gehört zur Infrastruktur der DB

Da das Stellwerk zu den Einrichtungen der Infrastruktur zählt, wird es von der Deutschen Bahn betrieben - und nicht vom Eisenbahnverkehrsunternehmen, das mit den Zügen darauf fährt, also nicht von der Bayerischen Oberlandbahn Gmbh (BOB), die den Rosenheimer Meridian betreibt.

Quellen: karriere.deutschebahn.com/www.stellwerke.de/aez

Quelle: mangfall24.de

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