17-jähriger Passagier hilft Verletzten

"Mama, irgendetwas Furchtbares ist mit dem Zug passiert"

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Bad Aibling - Das verheerende Zug-Unglück auf Höhe des Klärwerks forderte elf Menschenleben - doch inmitten des Dramas gab es auch Passagiere, die ab sofort einen zweiten Geburtstag feiern dürfen. 

Am Donnerstag verfasste die Medienjournalistin Petra Schwegler, wohnhaft in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham, einen Artikel. Ihm hängt sie ein Bild bei: Darauf zu sehen ist lediglich eine Hand, die mit der Zahl 5 markiert ist. Es ist die Hand ihres 17-jährigen Sohnes. 

Dieser rief sie am Dienstagmorgen um 6.59 Uhr aus einem Nahverkehrszug an. Genauer: Aus einem der beiden verunglückten Meridian-Züge. Er teilte seiner Mutter mit: "Mama, irgendetwas Furchtbares ist mit dem Zug passiert. Aber mir geht es gut." 

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, welche Dimensionen der Unfall haben sollte. Bis Donnerstag stiegen die Opferzahlen an: Insgesamt elf Menschen verloren ihr Leben, unzählige weitere wurden teils schwer verletzt. Petra Schweglers Sohn, selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr, leistete erste Hilfe im Zug. Gemeinsam mit anderen Passagieren verband er Verletzte. Er selbst hatte großes Glück: Er verließ den Zug nahezu unverletzt. Wahrscheinlich, weil er im vorletzten Abteil saß. 

Die Fahrgäste wurden nach der Bergung in ein Sammellager nach Kolbermoor gebracht. Dort wurde der Jugendliche als fünfter Reisegast registriert und bekam deshalb die Nummer 5 auf den Handrücken geschrieben. Später wurde der Familie das Ausmaß bewusst. In ihrem Artikel schreibt die Journalistin: "Das Motiv (Anm. d. Redaktion: Foto der Hand) hängt bereits vergrößert über seinem Schreibtisch. Als Erinnerung an den 9. Februar 2016, künftig sein zweiter Geburtstag."

"Ich werde ihm ewig dankbar sein", erklärt Petra Schwegler im Gespräch mit unserer Redaktion, "dafür, dass er sich sofort bei mir meldete." 

Wir wünschen Petra Schweglers Sohn - ebenso wie allen anderen Passagieren, Rettungskräften und Angehörigen der Opfer - viel Kraft, um das Geschehene zu verarbeiten.

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