"Die Mängel sind so offensichtlich, dass ich die Frage, ob ein Neubau denn wirklich sein müsse, überhaupt nicht mehr höre. Wir haben ja auch keine Alternative", betont Krahnert. Eine Sanierung oder ein Umbau würden trotz geschätzter Kosten von 800000 Euro keine wirkliche räumliche Verbesserung bringen.
Weiteres Problem, das die Kosten in die Höhe treibt: Die Hanglage des Gebäudes. Über ein alternatives Baugrundstück verfügt die 3750 Mitglieder zählende Gemeinde nicht. "Es wurde auch nichts Luxuriöses oder Unangemessenes geplant", versichern die Verantwortlichen. Das, was man versucht habe, einzusparen, werde allein schon durch die aufwendigen Maßnahmen zum Abstützen des Hanges vertilgt.
Während man auf einen Zuschuss seitens der Landeskirche in Höhe von 900000 Euro hofft - das wäre Krahnert zufolge schon mehr als die übliche Bezuschussung von rund einem Drittel für das Gemeindehaus und fast 100 Prozent für den Pfarramtsbereich - verbliebe der Rest als Eigenanteil für die Kirchengemeinde.
Um dieses Geld aufzubringen, ist laut Finanzplan eine Darlehensaufnahme von 650000 Euro auf 20 Jahre vorgesehen. 360000 Euro erhofft man sich durch Spenden und Erträge von Aktionen. Zudem will man rund 20000 Euro an Eigenleistungen beisteuern. Zuschüsse Dritter sind mit 50000 Euro veranschlagt.
Darüber hinaus hatte man auf einen Zuschuss seitens der Stadt Bad Aibling in Höhe von 120000 Euro gehofft. Das wären zehn Prozent der kirchengemeindlichen Eigenbeteiligung, die die Kommune bei kirchlichen Neubau- und Renovierungsmaßnahmen nach Einzelfallprüfung bezuschusst.
Der Stadtrat allerdings bewilligte (bei zwei Gegenstimmen) angesichts seiner derzeit angespannten Finanzlage und des Großprojekts "Neue Stadtmitte" nicht die komplette beantragte Summe, sondern einen Betrag von 60000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Das Gremium signalisierte gemäß einem Vorschlag von Richard Lechner (SPD) allerdings Bereitschaft, bei einer veränderten Haushaltssituation erneut über den Zuschuss zu beraten. Zudem werde der Bauhof Parkflächen auf stadteigenem Grund am Martin-Luther-Hain für Kirchenbesucher errichten, die auch vom benachbarten BRK genutzt werden könnten.
Rudi Gebhart (ÜWG) allerdings zeigte sich in der Diskussion beeindruckt von dem Engagement und dem Mut der Kirchengemeinde, weswegen er auch für die volle Zuschusssumme plädierte. Dr. Birgitt Matthias (SPD) hingegen äußerte angesichts der Dimension des Vorhabens ihre Sorge, dass die Kirchengemeinde als Bauherr später noch mehr Zuschüsse beantragen könnte, wenn "auf drei Viertel des Weges das Geld ausgeht". Dadurch könnten Präzedenzfälle geschaffen werden. Ihr Fraktionskollege Armin Niedermeyr war der Meinung, das Erstellen der Parkplätze und des Gehwegs vom Stadtpark zum Gemeindehaus müsse ausreichen. Er stimmte gegen den Antrag.
Auf Bitten von Erwin Kühnel (CSU) listete Kämmerer Andreas Mennel die Summen auf, die die Stadt als Zuschüsse für Maßnahmen der verschiedenen Kirchengemeinden in der Vergangenheit gewährt hatte: In den Jahren 2000 bis 2011 waren dies 151000 Euro. Davon gingen unter anderem 40000 Euro an St. Sebastian (Renovierung), 25000 Euro an St. Georg (Pfarrheimumbau), 8000 Euro an St. Vitus in Mietraching und 7889 an St. Margareta in Ellmosen (jeweils Innenrenovierung). Insgesamt 36000 Euro erhielt die evangelische Kirchengemeinde für Außenbereich, Orgel und Kirchendachsanierung.
Bürgermeister Felix Schwaller wies allerdings darauf hin, dass bei den katholischen Gemeinden die Erzdiözese München-Freising - anders als die evangelische Landeskirche - derartige Bauvorhaben mit 70 Prozent bezuschusse und die Kirchengemeinden 30 Prozent Eigenbeteiligung hätten, wovon wiederum die Stadt zehn Prozent übernehme.
Für das aktuelle Gemeindehausprojekt indes ist in der Kirchengemeinde nun Kreativität gefragt, um Geld zu sammeln. An Ideen mangelt es Krahnert dabei mitnichten. Von musizierenden Pfarrern beim Kirchenkonzert über Sockenversteigerung bis zu einem Fußballspiel "Evangelen gegen Katholiken" kann er sich vieles vorstellen - und darüberhinaus auf die Unterstützung seiner sehr lebendigen Kirchengemeinde und dem Fund-Raising-Beauftragten des Dekanatsbezirkes (zuständig für Mittelakquisition) zählen.
Ob das reicht, wird sich in einigen Wochen zeigen. Zunächst muss der Kirchenvorstand das Finanzierungskonzept beschließen, bevor das Konstrukt dann in den Vor-ausschuss des Landeskirchenamtes geht. Dessen Stellungnahme wird Krahnert zufolge schon vorentscheidend sein. Das letzte Wort hätte dann der Verteilungsausschuss der Landeskirche. Dieser muss den Plan akzeptieren und das Darlehen genehmigen. "Mitte Juli wissen wir dann, ob wir bauen können oder nicht - oder mit welchen Auflagen."
Eva Langwieder/Mangfall-Bote


























