"Der Notenschnitt spielt für die meisten schon eine große Rolle im Hinblick auf das Studium", kam dabei heraus. Wenn es mit dem gewünschten Studienplatz nicht auf Anhieb klappt, böten sich aber durchaus Alternativen, die später von Nutzen sein könnten - etwa Sanitätsdienst, Krankenwagenfahren oder gleich ein freiwilliges soziales Jahr.
Aber auch das Studentenleben will finanziert sein. So sind während der Ferien und an den Wochenenden diverse Jobs, bevorzugt an Tankstellen, sehr gefragt. Manch einer entscheidet sich auch für die Variante, zunächst eine Lehre zu machen, beispielsweise als Schreiner, um danach ein Ingenieursstudium aufzunehmen. Oder - Kontrastprogramm - es lockt eine Laufbahn als Mediendesigner in New York.
Die "große weite Welt" ist generell ein Thema bei den Abiturienten. Ein Auslandssemester steht bei vielen der künftigen Studenten auf dem Plan. Aktuell laut Strauß besonders gefragt: Osteuropa und Asien. Letzteres vor allem hinsichtlich des internationalen Managements. Bei manchen vernehme man aber auch den Wunsch, die Welt verändern, verbessern zu wollen. "Das mögen einige vielleicht als naiv betrachten. Es kann aber auch ein ehrgeiziges Ziel sein, mit dem man im Kleinen beginnen kann - beispielsweise bei der Arbeit mit Behinderten."
Etwas "fürs soziale Gewissen tun" wollte auch Moritz Rudolph aus Bad Aibling, als er sich im vergangenen Herbst dafür entschied, zunächst für zehn Wochen nach Guatemala zu gehen. Im Zuge eines Praktikums versuchte er mit einer anderen "Freiwilligen", den Kindern in einem kleinen Maya-Dorf das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.
"Diese Kinder glücklich zu machen und mich mit ihnen zu beschäftigen, waren für mich die schönsten Momente", schilderte der junge Mann unserer Zeitung. Eng damit verbunden jedoch auch die traurigsten Erfahrungen: Zu sehen, wie "seine" Schützlinge in Wellblechhütten in dreckiger Umgebung hausen, ging ihm sehr nahe - ebenso das Bewusstsein, dass seine Zeit nicht ausreichen würde, um vernünftig zu helfen. Moritz Rudolph knüpfte Kontakte zu Menschen, denen er vor Ort vertraut, um auch von zuhause aus das Projekt "Jardin de Amor" zu unterstützen. Sein Ziel: Spenden sammeln, um den Kindern weiterhin helfen zu können. "Traurig ist: Nur etwa einer von 50 Schülern dort wird es im Durchschnitt schaffen, zu studieren - der Rest kommt aus dem Zyklus der Armut wohl nie heraus."
Nach seiner Weiterreise durch Belize, Honduras und Nicaragua stand nach einem Zwischenstopp zuhause für Moritz Rudolph ein dreimonatiges Praktikum in einer Werbeagentur in Los Angeles an, gefolgt vom ein paar Arbeitsmonaten in Frankreich - bis zum Jura- oder BWL-Studium im Herbst.
"Work and Travel", das ist überhaupt das Motto vieler Aiblinger Abiturienten heuer. Wobei die bevorzugten Ziele, wie aus der Befragung hervorgeht, Australien und die USA sind. "Viele von uns wollen bis zu einem Jahr erst einmal durch die Lande reisen und sich mit verschiedenen Arbeiten den Aufenthalt vor Ort verdienen." Das ständige Lernen, der permanente Druck - irgendwo brauche man jetzt schon mal eine Pause, dessen ist sich auch David Strauß bewusst - der selbst allerdings noch keine konkreten Pläne für die Zeit nach dem 29. Juni hat: "Ich lasse das alles auf mich zukommen", sagt der Abiturient, zu dessen großen Interessen das Schreiben zählt: "Vielleicht arbeite ich ja auch erst einmal einem Buch oder ein paar Kurzgeschichten."
Eines ist bei der Umfrage unter den Schülern aber auch herausgekommen: "Vielfach hätte man sich vom Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung mehr erwartet. Die meisten konnten daraus nur sehr wenig mitnehmen. Offenbar gab es dafür kein richtiges Konzept." Bei der tatsächlichen Orientierung sei dann doch Eigeninitiative gefragt.
Eva Langwieder/Mangfall-Bote


























