Thema Wolf erhitzt weiter die Gemüter

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Sprachen zum Thema "Wolf und Almwirtschaft" und standen Rede und Antwort (von links): Georg Mair, Dr. Walter Joswig, Sepp Hohlweger, Dr. Christian Mendel und Moritz Schwery.

Irschenberg - Im Originalbühnenbild des Irschenberger Theaterstücks fand nun eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Verdrängt der Wolf die Almwirtschaft?“ statt, welche die Gemüter erhitzte.

Eingeladen dazu hatte der oberbayerische Verband der Ziegenzüchter- und Halter, dessen Vorsitzender Sepp Hohlweger die rund 150 Besucher, darunter Landesbäuerin Annemarie Biechl und die Podiumsreferenten Georg Mair (Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, AVO), Dr. Walter Joswig (Landesamt für Umwelt), Dr.Christian Mendel (Landesamt für Landwirtschaft) und Moritz Schwery (Landwirtschaftszentrum Visp/Schweiz) empfing.

Der eidgenössische Referent (auch Präsident der Kommission Großraubtiere des schweizerischen Schafzuchtverbands) gab einen Überblick über die in seinem Heimatland geltenden Regelung, die eine Koexistenz zwischen Wolf und Almwirtschaft beinhalte und Förderungen für die Prävention (unter anderem Anschaffung von Hirtenhunden und Zaunmaterial) sowie Entschädigungszahlungen für Wolfsrisse vorsehe. Bei Überschreitung einer bestimmten Riss-Quote könnten auch - durchgeführte Präventionsmaßnahmen vorausgesetzt - Abschussbewilligungen erteilt werden.

Das staatlicherseits geförderte Nebeneinander, das einerseits die Rudelbildung der Wölfe fördern und andererseits die Tierhaltern nicht unzumutbar belasten möchte, sei jedoch keine auf Dauer funktionierende Lösung.

Abgesehen von Problemen mit Hirtenhunden und Touristen stellten die geforderten Präventionsmaßnahmen gerade für Besitzer kleinerer Herden eine untragbare finanzielle Belastung dar. "Aufwand und Ertrag in der Schafzucht stimmen nicht mehr überein", beklagte Schwery, der dadurch eine zunehmende Aufgabe der Almbewirtschaftung befürchtet. AVO-Vorsitzender Georg Mair sieht durch die Existenz von Wölfen die Bewirtschaftung der regionalen einzigartigen Kulturlandschaft gefährdet. "Es gibt keine Alternative zur Weidehaltung" bekräftigte der "Almbauern"-Sprecher, der ein friedliches Zusammenleben von Wölfen und Nutztieren für nicht möglich hält und erneut die schon beim Almlehrkurs in Bad Feilnbach unlängst geäußerte Forderung nach Schaffung eines "wolfsfreien bayerischen Alpenraums" wiederholte (wir berichteten).

Dr. Walter Joswig erläuterte die Position der Umweltverwaltung auf Basis der bayerischen Biodiversitätsstrategie (Begleitung der Wiedereinwanderung von großen Beutegreifern) und der "Berner Konvention" (strenger Schutz der Wölfe) und erklärte unter heftigen Buh- und Pfui-Rufen: "Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben".

Die Forderung nach einer wolfsfreien Alpenzone bezeichnete er als "unrealistisch". Eine konträre staatliche Position dazu nahm Dr. Christian Mendel vom Landesamt für Landwirtschaft ein, der die Einwanderung des Wolfes als eine "für die Tierhalter unlösbare Herausforderung" ansah. Die mögliche Versprengung von Herden, Haftungsfragen, Kosten für Herdenschutzmaßnahmen und Schäden durch Tierverluste nannte er unter anderem als mögliche Ursachen für Betriebsaufgaben, die wie ein Damoklesschwert über der Schafzucht hingen. "Zucht und Selektion sind die Aufgabe des Züchters und nicht des Wolfes" unterstrich Dr. Mendel.

In der von Sepp Hohlweger behutsam moderierten Fragerunde sah sich Dr. Joswig harten Vorwürfen ausgesetzt, zumal er unter Hinweis auf die derzeit laufende Management-Konzepterstellung keine näheren Einzelheiten zum vorgesehenen Nebeneinander (unter anderem Finanzierung ausreichender Schutzmaßnahmen, Folgen einer eventuellen Einstellung der Almweidenbewirtschaftung) nennen konnte.

"Viele Bergregionen können nur durch Schafe und Ziegen bewirtschaftet werden - wollen Sie die Bergwiesen mit der Hand mähen, wenn es keine Tierhaltung dort oben mehr gibt?", wurde der Vertreter der Umweltbehörde in der teils erregten Diskussion gefragt. Kritisiert wurde auch die Abwesenheit der eingeladenen, neu bestellten "Wildtiermanagerin" Giulia Kriegel.

bjn/Mangfall-Bote

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