Nach Zug-Unglück bei Bad Aibling

Warnsystem in BOB getestet - „Es hätte diese Situation verhindert“

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Bad Aibling - Auch fast eine Woche nach dem schrecklichen Zug-Unglück bei Bad Aibling beschäftigen die Vorfälle die Region. 

+++ Die Redaktion wird diesen Artikel immer dann aktualisieren, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben +++

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UPADATE, 19.45 Uhr:

Die Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB), die auch auf der Unglücksstrecke zwischen Kolbermoor und Bad Aibling eingesetzt wird, gilt als verlässliches Sicherheitssystem - und doch konnte es am Dienstag zur Katastrophe kommen. Genau für solche Fälle gebe es das Kollisionswarnsystem TCAS, sagt Erfinder Thomas Strang gegenüber merkur.de. „Es hätte diese Situation verhindert.“ Es erfasse Position, Geschwindigkeit und geplante Route der damit ausgerüsteten Züge und gebe sie per Funk an andere weiter. Wären die beiden Züge mit TCAS ausgerüstet gewesen, hätten sie „weit außerhalb des Sichthorizonts“ voneinander erfahren, sagt Strang gegenüber dem Merkur. 

Genutzt wird die Technik, inspiriert aus der Luft- und Raumfahrt, laut Strang derzeit von den Harzer Schmalspurbahnen, die Dampflokomotiven einsetzen. Im Jahr 2010 wurde die TCAS-Technik allerdings auch in einem Forschungsprojekt in Oberbayern getestet – und zwar in den Bahnen der BOB, die auch die Marke Meridian betreibt. Auch der damalige BOB-Geschäftsführer Heino Seeger ist überzeugt, dass das Kollisionswarnsystem in einem Notfall wie am Dienstag eine Hilfe sein kann: „TCAS ist geeignet, um zusätzliche Sicherheit herzustellen – unabhängig von Signalen und der Infrastruktur“, sagt er im Interview mit dem Merkur. Das gelte insbesondere für eingleisige Abschnitte. Ende 2012 war dem langjährigen BOB-Chef Seeger gekündigt worden. Die nachfolgenden Geschäftsführungen hätten das Projekt anscheinend nicht weiter verfolgt, sagt Seeger weiter.

UPDATE, 16.40 Uhr:

Am Dienstag treten die Eishockeyteams des EHC Bad Aibling und der Starbulls Rosenheim zu einem Benefizspiel gegeneinander an

Kassenöffnung und Einlass ist ab 17.30 Uhr. Der Spielbeginn ist um 19 Uhr.

Aiblings Coach Manuel Kofler äußerte sich im Vorfeld: "Das ist ein Mammutprojekt für uns, aber wir können uns auf viele freiwillige Helfer verlassen!"

UPDATE, 14.30 Uhr:

Der Schienenersatzverkehr auf der Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim sorgte am Montag bei einigen Pendlern für Unmut. Die Anzahl der Busse soll am Dienstag aufgestockt werden.

UPDATE, 13.45 Uhr:

Am Mittwoch soll ein 160-Tonnen-Kran den letzten Zugteil, der noch vor Ort ist, auf einen Güterwagen verladen und anschließend abtransportieren. Danach können die Techniker damit beginnen, die Oberleitung zu reparieren. Das teilte die Deutsche Bahn soeben in einer Pressemitteilung mit. Bis dato hatte der Kran wegen der kaputten Gleisanlage nicht weit genug an die Unfallstelle heranfahren können.

UPDATE, 13.25 Uhr:

Am Dienstag wollen sich Polizei und Staatsanwaltschaft im Rahmen einer Pressekonferenz zur Unglücksursache äußern. Mit Spannung wird erwartet, ob die Ermittler Informationen bestätigen, wonach die Ursache für das schreckliche Unglück menschliches Versagen gewesen sein könnte. Darüber hatten verschiedene Medien, darunter auch mangfall24.de, bereits letzte Woche berichtet.

An der Pressekonferenz im Bad Aiblinger Rathaus nehmen der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese aus Traunstein, Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp sowie weitere Ermittler teil.

UPDATE, 13.00 Uhr:

Es gibt weiter keine Hinweise auf technisches Versagen. Das sagte Bundesverkehrsminister Dobrindt am Montag. Tatsache sei, dass nach den Daten, die man habe, ein technischer Fehler nicht vorgelegen hat.

Im Laufe dieser Woche werde es dann nach Wiederherstellung der Gleise Kontrollfahrten geben, sagte Dobrindt. Damit soll überprüft werden, ob die von den Fahrtenschreibern aufgezeichneten Daten "validierbar" sind. Ergebnisse sollten Ende dieser oder Anfang nächster Woche vorliegen.

UPDATE, 11.20 Uhr:

Ein weiterer Überlebender hat nun seine furchtbaren Erlebnisse den Medien geschildert. Im Oberbayerischen Volksblatt erzählt ein 22-Jähriger, der im ersten Waggon eines der beiden Züge saß, was nach dem fürchterlichen Aufprall passiert ist und wie er der Katastrophe lebend entkam.

UPDATE, 10.35 Uhr:

Elf Menschen mussten bei dem tragischen Unglück ihr Leben lassen. Einer davon war auch ein Meridian-Lokführer, der zunächst schwer verletzt ins Krankenhaus kam. Zwei Tage später erlag er dort jedoch seinen schweren Verletzungen. Ein Bekannter hat nun für dessen Hinterbliebene einen Spendenaufruf gestartet. So kamen bereits knapp 10.000 Euro zusammen (Stand: Montag, 10 Uhr).

UPDATE, 10.05 Uhr:

Am Montagmorgen haben die Instandsetzungsarbeiten an der Bahnstrecke begonnen. 120 Meter Gleisanlage müssen repariert, 180 Meter Schwellen ausgetauscht und einige Tonnen Schotter verbaut werden. Dafür werden eine Gleisstopfmaschine und ein Zwei-Wege-Bagger eingesetzt. Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann ein letzter beschädigter Zugteil abtransportiert werden. Dieser steht derzeit neben dem Gleis. 

Dieser konnte bis dato noch nicht abtransportiert werden, weil das kaputte Gleis den tonnenschweren Bergungskran derzeit nicht trägt. Ist das Zugteil geborgen, wird die Oberleitung wieder instandgesetzt. 

UPDATE, 9.20 Uhr:

In einer Facebook-Gruppe werden Lokführer dazu aufgerufen, am Dienstag den verstorbenen Kollegen mit der "Hupe" die letzte Ehre zu erweisen. In dem berührenden Appell heißt es unter anderem:

"(...) Unter den Toten befinden sich auch vier Kollegen des Unternehmens, die gemeinsam mit den Fahrgästen grausam aus dem Leben gerissen wurden. Wir können das Geschehene nicht begreifen. (,..) Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt allen Angehörigen der Unfallopfer. Wir wünschen Ihnen für die schweren Zeiten alle Kraft und Stärke. Den Verletzten gehört unser Wunsch auf eine schnelle Genesung und gute Besserung.

Verehrte Kollegen, ich rufe euch auf, den verunglückten Menschen den letzten Gruß und die Ehre zu erweisen. Ich bitte euch, am Dienstag, 16. Februar, um 10 Uhr einen Moment inne zu halten und der Unfallopfer zu gedenken, unter denen sich auch unsere Kollegen befinden. Kollegen aus dem Fahrdienst, ehrt die Opfer und Kollegen mit einem Test der Signaleinrichtung Eures Fahrzeuges!"

UPDATE, 9.10 Uhr:

Am ersten Schultag seit dem Unglück scheint es massive Probleme mit dem Schienenersatzverkehr zu geben. Wie mehrere User unserer Redaktion schilderten, hätten sie bis zu zwei Stunden auf einen Bus warten müssen. Teilweise seien die Busse auch überfüllt gewesen und es hätten jeweils 20 bis 30 Leute am Bad Aiblinger Bahnhof bzw. am Kurpark zurückbleiben müssen.

"Nach eineinhalb Stunden Wartezeit habe ich meine Frau angerufen, die mich dann nach Rosenheim gefahren hat. Ich bin eine Stunde zu spät in die Arbeit gekommen", berichtete ein User gegenüber mangfall24.de. mangfall24.de bat Meridian daraufhin umgehend um eine Stellungnahme. Diese liegt bis dato jedoch noch nicht vor, weil die dortige Pressestelle immer noch sehr viele Anfragen zu bearbeiten hat.

UPDATE, 8.45 Uhr:

Eine tolle Leistung zeigten die Starbulls am Sonntagabend beim 5:1 gegen Bietigheim (siehe Spielbericht). Doch über allem hing die Trauer über das Zug-Unglück am Faschingsdienstag. Es gab eine Gedenkminute - und mit einem Spruchband bekundeten die Anhänger ihr Mitgefühl und sprachen allen Angehörigen und Opfern ihr Beileid aus.

UPDATE, 7.55 Uhr:

Der Zustand der Verletzten ist weiterhin unverändert. Das bestätigte Polizeisprecher Andreas Guske am Montagmorgen auf Nachfrage von mangfall24.de. Derweil liefen die komplexen Ermittlungsarbeiten unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein weiter, so der Sprecher. Auch von der Auswertung der dritten Blackbox gibt es noch nichts Neues. Von der Auswertung dieser erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise bezüglich der Unglückursache.

UPDATE, 7.45 Uhr:

Die Bereitschaft zum Blutspenden ist auch im Berchtesgadener Land gestiegen. Beim letzten BRK-Blutspendetermin in Piding waren 97 Spendewillige gekommen, die 91 Blutkonserven für schwerst Kranke und Unfallopfer gegeben hatten. Auch drei Erstspender haben sich zu dieser so wichtigen humanitären Aufgabe bekannt. Organisator Edi Schmid: "Die Ehrenamtlichen der BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall freuen sich sehr über diesen schönen Erfolg und hoffen, dass auch die nächsten Termine am 4. Mai, am 3. August und am 9. November von den Pidinger Bürgern so fleißig besucht werden!“

UPDATE, 7.30 Uhr:

Die Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim bleibt nach Medienberichten wohl noch mindestens eine Woche gesperrt. Am Montag beginnen jedoch die umfangreichen Reparaturarbeiten am Gleiskörper. Anschließend muss die Oberleitung wieder aufgestellt werden.

Unterdessen setzt der Meridian in den Morgenstunden und in der Mittagszeit mehr Ersatzbusse ein, zumal nach den Faschingsferien der Schulbetrieb wieder beginnt. "Ab heute werden wieder viele Schüler unterwegs sein", so ein Sprecher. Die Polizei in Bad Aibling teilte mit, dass man sich auf mehr Busse im Straßenverkehr einstelle, ein Verkehrschaos werde jedoch nicht erwartet.

UPDATE, 7.20 Uhr:

Die für das Wochenende geplanten Simulationsfahrten auf der Unglücksstrecke sind verschoben worden.  Eigentlich hätten diese am Sonntag stattfinden sollen. Grund dafür sind laut dem Oberbayerischen Volksblatt "technische Probleme". 

Ob es überhaupt noch dazu kommt, wird laut des Berichts wohl von den weiteren Ermittlungen und dem Umstand abhängen, wie viele neue Erkenntnisse die Auswertung der dritten, beschädigten Blackbox bringt.

UPDATE, 7.10 Uhr:

Am Dienstagabend bestreiten die Starbulls - wie bereits berichtet - ein Benefizspiel beim Eishockey-Landesligisten EHC Bad Aibling. Alle Einnahmen kommen dabei den Angehörigen der Opfer des Zug-Unglücks zugute. 

Jetzt hat sich der DEL2-Klub dazu noch etwas Schönes einfallen lassen: Alle diejenigen, die nicht direkt in der Eishalle in Bad Aibling dabei sein können, können sich das Spiel in einem Internet-Stream live auf Sprade TV ansehen. Die Übertragung wird vom Videoteam der Starbulls produziert. Die Einnahmen werden ebenfalls vollumfänglich an die Opfer und Hinterbliebenen gespendet. "Selbstverständlich unterstützen wir diese Sache und werden auch unseren Umsatzanteil an der Übertragung dem guten Zweck zuführen", sagt Marcel Linke, Geschäftsführer der Sports Trade GmbH.

UPDATE, 7.05 Uhr:

In einem emotionalen Bericht auf Facebook hat ein Malteser-Rettungssanitäter seine Eindrücke vom dramatischen Einsatz am Faschingsdienstag geschildert. Was er und seine Kollegen erlebt haben, können Sie in unserem Extra-Artikel nachlesen.

UPDATE, 6.45 Uhr:

Am Sonntagnachmittag kamen hunderte Trauernde in der St. Georgs Kirche in Bad Aibling zu einem Gedenkgottesdienst zusammen, um den Toten des Zug-Unglücks zu gedenken und für die Opfer zu beten. Darunter waren auch Bundesverkehrsminister Dobrindt, Landtagspräsidentin Stamm, Landrat Berthaler und Staatsministerin Aigner. Außerdem waren Bad Aiblings erster Bürgermeister Schwaller und einige Bürgermeister der umliegenden Gemeinden gekommen, um ihre Trauer zu bekunden.

Gedenkgottesdienst in Bad Aibling

Fotos aus dem Archiv:

Schweres Zugunglück in Oberbayern

Bilder von der Bergung der verkeilten Zugteile am Freitag

mw

Quelle: mangfall24.de

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