Altkleider für keinen guten Zweck

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Hier im Stephanskirchner Ortsteil Schloßberg sammelt nicht das Rote Kreuz, sondern eine Privatfirma. In Prien (kleines Bild) hat ein Grundstückseigentümer mit einem Zettel seinem Ärger Luft gemacht.
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Hier im Stephanskirchner Ortsteil Schloßberg sammelt nicht das Rote Kreuz, sondern eine Privatfirma. In Prien (kleines Bild) hat ein Grundstückseigentümer mit einem Zettel seinem Ärger Luft gemacht.

Landkreis - Überall im Landkreis findet man derzeit cremeweiße Altkleidercontainer. Doch sie gehören nicht etwa dem Malteser oder dem Roten Kreuz - sondern einer Privatfirma.

Seit ein paar Wochen stehen sie an etlichen Straßenrändern in der Region: neue Sammel-Container für Altkleider und Schuhe. Die cremeweißen Behälter sehen den Boxen von Maltesern, Rotem Kreuz oder Kolpingverein zum Verwechseln ähnlich. Doch tatsächlich gehören sie einer Privatfirma, die nur auf eigene Rechnung arbeitet. In etlichen Fällen wurden nicht einmal die Grundstückseigentümer um Erlaubnis gefragt.

Das Geschäft mit Altkleidern ist ein lukratives. Schon von jeher nutzen das gemeinnützige Organisationen. Gab es früher Haussammlungen, befinden sich heute an vielen Wertstoffinseln Sammelbehälter, etwa von Rotem Kreuz, Malteser Hilfswerk oder Kolpingsfamilie. Wer dort abgelegte Kleidung oder Schuhe einwirft, weiß, dass der Erlös für einen guten Zweck verwendet wird.

Seit wenigen Wochen ist nun in der Region ein Privatunternehmen auf den Zug aufgesprungen und hat etliche Container aufgestellt, die den etablierten zum Verwechseln ähneln. Nur wer genau hinschaut, kann erkennen, dass hier ein Privatunternehmen am Werk ist.

Laut den Angaben auf den Containern gehören die Behälter der Textilverbund AG Frankfurt. In etlichen Fällen hat sie nicht einmal die Grundstückseigentümer um Erlaubnis gefragt. So gibt es etwa in Rimsting zwei neue Container. "Weder die Gemeinde noch die beiden Grundstückseigentürmer sind gefragt worden", so die Geschäftsleiterin der Gemeinde, Regina Feichtner. In Stephanskirchen weiß man von drei Containern. Einer davon steht sogar auf Gemeindegrund. Eine Genehmigung dafür habe man nie erteilt. "Seit wir den Container entdeckt haben, versuchen wir, mit der Firma in Kontakt zu treten, aber man kann sie telefonisch nicht erreichen", sagt Sebastian Hintermeier vom Bauamt.

Bei der Stadt Rosenheim weiß man nur von einem Container und der steht auf städtischem Grund: "Bei uns wurde weder eine Sammlung angezeigt, noch eine Genehmigung für die Aufstellung erteilt", sagt Sprecher Christian Schwalm. Man habe der Firma nun schriftlich eine Frist gesetzt, den Behälter zu entfernen.

Wer nach den Hintergründen forscht, landet beim neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz, das am 1. Juni 2012 in Kraft getreten ist. Seitdem muss jede Altkleidersammlung bei der zuständigen Kreisverwaltung angemeldet werden. Beim Landratsamt Rosenheim bestätigt man, dass eine solche Anmeldung der Textilverbund AG Ende August eingegangen ist. Eine amtliche Genehmigung für das Aufstellen eines Containers auf privatem Grund ist nicht notwendig. Laut einem Gerichtsurteil dürfen die Behörden von den Firmen nicht einmal eine Liste der Container-Standorte einfordern. "Uns sind damit die Hände gebunden", so Sprecher Michael Fischer.

Doch was tun, wenn einem Eigentümer ein Container ungefragt auf Grund und Boden gesetzt wird? "Es bleibt dann nur der zivilrechtliche Weg, um das Ding wieder wegzubekommen", so Fischer.

Denn mit der Textilverbund AG in Kontakt zu treten, ist schwierig. Auf den Containern ist nur ein Postfach angegeben. Eine Internet-Seite sucht man vergebens. Und wer die angegebene kostenpflichtige Telefonnummer wählt, wird mit einer Bandansage verbunden. Die Bitte um Rückruf blieb gestern unerhört.

Mit Sorge sieht man die Entwicklung beim Roten Kreuz. Prinzipiell sei privaten Firmen das Sammeln von Altkleidern natürlich erlaubt. "Aber für uns ist das ein wichtiger Weg, um an Finanzmittel zu kommen", so der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Stefan Müller. Er versichert: "Die Erlöse aus unseren Containern kommen ausschließlich BRK-Projekten in der Region zugute."

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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