Kino-Attraktion statt Ski-Manufaktur

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Kiefersfelden - Kugelkino statt Kneissl-Manufaktur: Nachdem sich der österreichische Skihersteller Kneissl von dem in Kiefersfelden geplanten Einkaufs- und Erlebniszentrum Aventura zurückgezogen hat, steht nun die Alternative fest.

Unter dem Namen "Galexeon" soll ein Kino mit kugelförmiger Rundum-Leinwand die Besucher anziehen.

Eigentlich hätte Kneissl beim Aventura-Projekt eine wichtige Rolle spielen sollen: In dem knallroten, X-förmigen Bau, der unmittelbar an der Autobahn bei Kiefersfelden entstehen soll, war nicht nur eine Schau-Manufaktur des Skiherstellers geplant, sondern auch ein damit verbundener Werksverkauf, eine Kneissl-Kinderwelt und ein Museum. Doch die traditionsreiche Skifirma, die mit finanziellen Problemen kämpft, hat sich vor einigen Monaten abrupt aus dem Projekt verabschiedet.

Nun wurden bei einer Bürgerversammlung in Kiefersfelden erstmals die neuen Pläne vorgestellt. Mediendom, so nennt Projektleiter Hans Lindenberger die Kugel mit einem Durchmesser von 14 Metern, in der nicht nur Filme gezeigt werden können. "Auch für Kongresse, Präsentationen und Public Viewings für Fußball oder Formel 1 bietet sich der Mediendom an", so Lindenberger, der für die Unterberger Liegenschaftsverwaltung das Projekt vorantreibt. Hinter der Gesellschaft mit Sitz in Kufstein steht der österreichische Unternehmer Fritz Unterberger, dessen Firmengruppe in Österreich und Bayern elf Autohäuser unterhält und die im Immobilien- und Beteiligungsgeschäft aktiv ist.

Lindenberger macht aus der Not eine Tugend und erklärt, durch das Kino werde der Erlebnischarakter von Aventura noch gestärkt: "Wir hoffen aus kräftige Synergien aus unserem geplanten Eventbereich", so der Projektleiter. Neben dem Erlebnisbereich sollen Sportartikel-Einzelhandel, Gastronomie und ein Hotel jährlich Zehntausende von Kunden anziehen.

Auf insgesamt 40 Millionen Euro beziffert Lindenberger die gesamte Investitionssumme, die die Unterberger Liegenschaftsentwicklung in das Projekt stecken will - vom Grunderwerb über Planung und Bau bis hin zur internationalen Vermarktung.

Doch trotz der großen Unterstützung durch die Gemeinde Kiefersfelden, die auf 200 neue Arbeitsplätze und eine Stärkung der regionalen Wirtschaft hofft, ist das Projekt noch nicht durch. Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens ist die Regierung von Oberbayern zu dem Schluss gekommen, dass Aventura gegen die Ziele des Landesentwicklungsprogramms verstößt (wir berichteten). Vor allem die fehlende städtebauliche Integration sowie die im Landesentwicklungsplan geforderte Anbindung an eine geeignete Siedlungseinheit wurde als problematisch angesehen, ebenso wie die Größe und Gestaltung des Baukörpers.

Die Unterberger Liegenschaftsentwicklung hat daraufhin beim bayerischen Wirtschaftsministerium einen Antrag auf ein Zielabweichungsverfahren gestellt. Auf diese Weise können in Einzelfällen auch Projekte genehmigt werden, die nicht den Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms entsprechen.

Doch im Augenblick ruht das Verfahren, wie Lindenberger erklärt. Nachdem Kneissl abgesprungen war, musste erst die Alternative feststehen. "Sobald wir die Planung mit Galaxeon abgeschlossen haben, nehmen wir das Verfahren aber wieder auf", sagt Lindenberger.

ku/Oberbayerisches Volksblatt

Bürger stehen hinter Aventura-Projekt

Kiefersfelden - Gemeinde und Bürgerschaft stehen hinter dem geplanten multifunktionalen Center "Aventura Kiefersfelden" am Autobahnzubringer. Dies kam in der gut besuchten Bürgerversammlung im Gruberhofstadl zum Ausdruck. Von Bürgermeister Erwin Rinner hervorgehoben wurde, dass Kiefersfelden die mit dem Aventura verbundenen 200 Arbeitsplätze dringend an der Peripherie des Landkreises benötige.

Man erhoffe sich Solidarität von Staat und Umlandgemeinden, um dem Vorhaben der Unterberger Liegenschaftsentwicklung aus Kufstein, die rund 40 Millionen Euro in Kiefersfelden investieren will, zum Durchbruch zu verhelfen. Wie Projektleiter Diplom-Ingenieur Hans Lindenberger in diesem Zusammenhang informierte, sei die jüngst erfolgte Herausnahme der Firma Kneissl aus der Projektplanung nicht von Nachteil. Im Gegenteil: Der dafür geplante Mediendom "Galaxeon" sei eine besondere Kino-Attraktion, die hervorragende Anziehungskraft habe und dabei noch den Tourismus fördere. Darüber hinaus werde das Aventura mit markanten Veranstaltungen, dem Einzelhandelsangebot, seiner Gastronomie und Hotelerie der ganzen Region weitere Schubkraft verleihen, hob Lindenberger bei seiner Aventura-Präsentation hervor.

Bürgermeister Rinner zog eine vielseitige und gute Bilanz zur Gemeindeentwicklung. Tiefe Spuren im Gemeindeetat habe die Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlassen. Reduzierte Steuereinnahmen erforderten Sparmaßnahmen. Aufgenommenen Darlehen stünden jedoch hochwertiges Sachvermögen der Gemeinde gegenüber, unter anderem das erworbene ehemalige Marmorwerk-Areal in der Ortsmitte.

Stark engagiert habe sich die Gemeinde für den Schul- und Breitensport. Beweis dafür seien die neu geschaffenen Kunstrasen-Sportplätze mit leichtathletischen Anlagen sowie das erweiterte Umkleidegebäude mit Stockschützen-Halle an der Kufsteiner Straße, so Rinner weiter. Dieses Teamwork der Gemeinde und ASV-Sportverein bezeichnete der Bürgermeister als vorbildlich.

Mit der zentralen Unterrichtung aller Hauptschüler am Schulsitz in Kiefersfelden sei heuer ein langgehegter Wunsch vieler Schüler und Eltern in Erfüllung gegangen. Alle fünften und sechsten Hauptschulklassen, die bisher im entfernten Schulgebäude in Niederaudorf unterrichtet wurden, sind seit diesem Schuljahr wieder in Kiefersfelden vereint. Aufhorchen ließ die Nachricht des Bürgermeisters, dass die bisherige Hauptschule Kiefersfelden im Verbund mit der Hauptschule in Brannenburg ab dem nächsten Schuljahr zur Mittelschule aufgewertet werde.

Gut aufgestellt seien auch die zu 100 Prozent im Gemeindeeigentum befindlichen Gemeindewerke Kiefersfelden mit ihrer kundennahen Strom-, Wasser- und Erdgasversorgung. Eine Million Euro hätten die Gemeindewerke heuer wieder in den weiteren Aufbau dieser Sparten und die Versorgungssicherheit investiert. Unterstrichen wurde der hohe Stellenwert der gut wirtschaftenden Gemeindewerke für die Bürger und Betriebe. Trotz des deutlichen Anstiegs der Umlagen für erneuerbare Energien würden die Strompreise der Gemeindewerke Kiefersfelden im Jahr 2011 nicht erhöht, wurde positiv vermerkt.

Auf gutem Weg sei auch der Fremdenverkehr unter der für Kiefersfelden gesicherten Dachmarke "Kaiser-Reich". Trotz krisenbedingter Einflüsse würden heuer 70.000 Übernachtungen erreicht. Werbung für das gemeindeeigene "Innsola", der bekannten und beliebten Bade- und Saunaanlage in der Kieferer Ortsmitte, machte der Bürgermeister in seiner in Power-Point mit zahlreichen Bildern unterstrichenen Rede. Sorgen bereite jedoch das Defizit. Aufgabe sei es, ohne die Attraktivität des Bades zu schmälern, die Kosten zu reduzieren.

Als beispielgebend bezeichnete der Bürgermeister die seit einem Jahr von der Gemeinde geführten Kindertagesstätten. Eine Kinderkrippe, zwei Kindergärten und ein Kinderhort fänden großen Zuspruch bei Eltern. Rund 170 Kinder, die von Fachpersonal betreut werden, besuchen diese Einrichtungen der Gemeinde.

Das vielseitige aktive Vereinsleben und das ehrenamtliche Engagement vieler, besonders auch bei den Feuerwehren, fand größte Anerkennung in der Bürgerversammlung. Dank sprach der Bürgermeister auch den Gemeindebediensteten für ihre Leistungen im Innen- und Außendienst aus, womit der Betrieb der kommunalen öffentlichen Einrichtungen das ganze Jahr über gewährleistet werde.

has/Oberbayerisches Volksblatt

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