"In Notfällen bedeutet jede Minute Verzögerung durch falsch geparkte Fahrzeuge eine geringere Überlebenschance", so Sußmann. Gegenüber Mitmenschen mit Mobilitätseinschränkungen sei es zudem eine nicht hinnehmbare Gedanken- oder Rücksichtslosigkeit, wenn Unberechtigte Parkplätze für Schwerbehinderte blockieren. Wenn es brennt, brauche auch ein Feuerwehrauto viel mehr Raum, als mancher beim Parken kalkuliert. Bei Feuerwehranfahrtszonen, Halteverboten und auch bei Behindertenparkplätzen lassen Sußmann und seine Kollegen daher nicht mit sich handeln. Sonderparkplätze werden seit Jahren verstärkt kontrolliert, dann auch konsequent abgeschleppt. "Aber das wird uns oft sogar anerkennend gedankt, wenn auch meist nicht von denen, die es gerade trifft." Jedes Jahr gehen über 1000 Hinweise beziehungsweise Bitten um Kontrollen bei der kommunalen Verkehrsüberwachung ein. Von daher birgt Sußmanns Job auch ein hohes Maß an Serviceorientierung. "Wir geben Auskunft zur besten Fahrtroute, helfen, wenn jemand nicht mehr weiß, wo er sein Auto abgestellt hat, bei der Abwicklung kleinerer Unfälle", nennt er zwei Beispiele.
Neben den Hilfestellungen fungieren Verkehrsüberwacher aber auch oft als Blitzableiter. "Der Frust wird oft an uns ausgelassen", wissen sowohl Peter Sußman als auch seine Kollegin Margit Hinterseer, die diesen Beruf schon seit 13 Jahren ausübt. Unglücklich ist die 46-Jährige damit aber nicht. "Die wenigsten sind nachtragend und außerdem kann ich selbstständig, abwechslungsreich und an der frischen Luft arbeiten." Ihr Kollege schätzt es, wenn er draußen mit vielen Leuten zusammenkommt und helfen kann. "Wenn jemand 35 Euro zahlt, darf er dann auch schon mal schimpfen", beweist Sußmann ein dickes Fell - solange der Schimpfende nicht ausfallend und beleidigend wird. Strafanzeigen wegen Beleidigung kommen etwa fünfmal im Jahr vor. "Aber das wird dann richtig teuer", warnen die Verkehrsüberwacher.
Immer wieder müssen sie einschreiten, wenn Fußgänger, Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer durch zugeparkte Gehwege zum Ausweichen auf die Straße gezwungen werden. "Da wird man dann gelobt und ärgern tut sich meist nur der, der verbotswidrig geparkt hat. Das ist in Ordnung."
Insbesondere die Innenstadt, mit ihrer Vielzahl an Geschäften ist auf einen reibungslosen Ladeverkehr angewiesen. "Falschparker in Ladezonen zwingen Zulieferer, in der zweiter Reihe zu parken", wissen Hinterseer und Sußmann. Daher gehöre auch dies zu den vorrangigen Aufgaben der Verkehrsüberwachung.
Das Gerücht, dass die Mitarbeiter am Umsatz beteiligt sind, lasse sich nicht aus der Welt schaffen. Etwas Ermessensspielraum habe man aber in Kurzparkzonen, die einen hohen Fahrzeugumschlag gewährleisten sollen, damit jeder eine faire Chance auf einen relativ nahe gelegenen Parkplatz zur Erledigung seiner Bedürfnisse hat. "Wer nach einem Arztbesuch aber beispielsweise wenige Minuten zu spät zu seinem Auto kommt...", sind die Verkehrsüberwacher verständnisvoll. Anders ist es bei Bequemlichkeit. "Bei Regen und Kälte meiden die Leute lange Wege", wissen Hinterseer und Sußmann, dass dann die Parkmoral enorm sinkt. Sie müssen unabhängig vom Sonnenschein laut Dienstplan raus. "Da wird das Wetter nicht schöner, aber der Dienst für mehr Lebensqualität wird getan."
cl/Oberbayerisches Volksblatt
























