Viele Kommunen gehen davon aus, dass der Bedarf mit einer Abdeckung von 35 Prozent erfüllt sein wird. Diese angenommene Zahl stammt aus einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2004, als von bundesweit 1000 befragten Eltern 350 angaben, einen Krippenplatz zu benötigen. Auch Rosenheim orientiert sich an dieser Quote.
Was ist, wenn mehr Kinder angemeldet werden? Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, hat bereits auf jüngste Umfragen hingewiesen, denen zufolge die Nachfrage bei mehr als 60 Prozent liegen werde. Er befürchtet, dass die Städte und Landkreise tausende von Prozessen verlieren werden, wenn der Staat nicht von seiner Garantie abrückt. Bei den möglicherweise noch fehlenden Krippenplätzen spielt nicht nur Geld eine Rolle, für wesentlich mehr Plätze gäbe es auch nicht genügend Erzieher.
Im Moment bietet die Stadt Krippenplätze für 292 Kinder an. Damit liegt die Versorgungsrate bei 28,3 Prozent. Elf weitere Krippen für 27 Gruppen mit jeweils zwölf Plätzen werden bis zum Stichtag noch gebaut. Zum Schluss werden es mindestens 623 Plätze sein.
"Rosenheim wächst weiterhin leicht. Der Druck auf die vorhandenen Kindergärten und Horte hält an und steigt sogar noch. Deshalb können wir nicht, wie andere Kommunen, bestehende Kindergarten- in Krippenplätze umwandeln", beschreibt Michael Keneder die Situation. Diese Umwandlung werde allerdings auf lange Sicht auch in Rosenheim nach Bedarf erfolgen, beispielsweise bei der Unterbringung von Geschwisterkindern.
Aufgrund einer Prognose des Stadtplanungsamtes geht man im Rathaus davon aus, dass es 2013 etwas mehr als 1600 Kinder in drei Jahrgängen in Rosenheim geben wird. Nach dem Kinderförderungesetz besteht der Rechtsanspruch ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Dies wären in Rosenheim etwas weniger als 1100 Kinder. Bei einer durchschnittlichen Belegung einer Gruppe mit 12 Kindern ergibt dies eine Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren von 34 Prozent im September 2013.
Die Landtagsfraktion der SPD hatte kürzlich festgestellt, sozialdemokratisch geführte Städte und Landkreisen würden bei der bisherigen Versorgung die Plätze eins bis drei belegen. In Coburg sind es 63,9, in Passau 59,7, in München 54 Prozent Prozent. Das bayerische Sozialministerium hingegen weist darauf hin, aus den Betreuungsquoten der einzelnen Kommunen lasse sich keine Rangordnung ableiten. Für die Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz komme es nicht auf eine bestimmte Quote an, sondern darauf, ob die Kommunen genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stellen, um den örtlichen Bedarf abzudecken. Dieser könne äußerst unterschiedlich ausfallen. Im ländlichen Bereich sei der Bedarf oftmals bereits mit einer Betreuungsquote von 20 Prozent gedeckt, während in einer Großstadt wie der Landeshauptsstadt München der weit überwiegende Teil der Eltern eine Betreuung ihrer Ein- und Zweijährigen wünscht.
Ulrich Maly, Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, teilt die Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Auch er glaubt, dass es bis 2013 nicht genügend Krippenplätze im Freistaat geben werde. Eine Versorgung von 30 bis 35 Prozent hält er für zu gering.
Erst im nächsten Jahr werde man wissen, ob die enormen Anstrengungen der letzten Jahre ausreichend waren, sagt Michael Keneder. 25 Millionen Euro umfasst das Krippenbauprogramm der Stadt von 2008 bis 2013. Nach Abzug der Fördereinnahmen von zehn Millionen Euro und Anteile der Träger und Betreiber in Höhe von drei Millionen verbleibt bei der Stadt eine Nettobelastung von zwölf Millionen Euro.
Oberbayerisches Volksblatt
























