Zum ersten Komplex ließ Pesch fünf Fragen projizieren: wie Rosenheim seine Funktion als Oberzentrum weiterhin erfüllen könne, die Wirkung bürgerschaftlichen Engagements und von "Leuchtturmprojekten", das Angebot preisgebundenen Wohnungsbaus und Wohnformen wie Generationenprojekte, attraktives Wohnen für Studenten und junge Familien.
Gleich als erstes kam die Kritik, Stadt und Landkreis müssten besser zusammenarbeiten, speziell im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV); dabei fehle die Führungsrolle der Stadt. Man komme zwar morgens beispielsweise von Großkarolinenfeld gut in die Stadt, aber abends nicht mehr zurück. Der private Stadtbusbetreiber erklärte dazu, er fühle sich natürlich als Teil des ÖPNV und gab einen Ausblick auf die technische Busentwicklung, die im Innenstadtbereich auf Null-Emissionsfahrzeuge hinziele. Von Seiten der Einzelhändler wurde auf den Bedarf an Fachkräften in der Wirtschaft als auch auf Nachfrage an gehobenem Wohnbau hingewiesen.
Vor weiterem Flächenverbrauch für Bauprojekte in den Bereichen um die Stadt warnte ein Vertreter der Landwirte. Für wirtschaftliches Arbeiten sei eine gewisse Betriebsgröße notwendig, bauliches Nachverdichten in bestehenden Wohngebieten der Ausweisung neuer vorzuziehen. Dem Nachverdichten sei zuzustimmen, so ein weiterer Diskussionsbeitrag, aber immerhin seien lediglich 25 Prozent des ohnehin kleinen Stadtgebietes bebaut oder Straßenflächen.
Eine Expertin betonte, für die Qualität des Wohnens sei der erreichbare Freiraum vor der Haustür wichtig, so entstehe weniger Verkehr und Energieverbrauch. Von Architektenseite kam auch die Anregung, fehlerhafte Lebensformen - wohnen im Umland, arbeiten in der Stadt - durch attraktive und preiswerte Angebote zu korrigieren. Junge Familien müssten ihre Lebenshaltungskosten besser rechnen, so ein weiterer Fachmann aus eigener Erfahrung dazu, dann ergebe sich das Wohnen in der Stadt anstatt von weiten Wegstrecken und Zeitverlust als vorteilhaft.
Da sei die städtische Wohnbaugesellschaft gefordert. Die geplante Bebauung des Mühlbachbogens erfülle das nicht, sondern sei "wieder ein Investorenmodell wie die GRWS-Häuser gegenüber vom Innspitz im Mangfallpark Nord". Wohnungen müssten nicht regelmäßig mit dem Auto anfahrbar sein:. "Die Straßen brauchen mehr Aufenthaltsqualität:" Auch eine Siedlung aus nachwachsenden Rohstoffen, wie sie in Mietraching bei Bad Aibling entstehe, sei wünschenswert - schließlich nenne sich Rosenheim "Holzstadt". Ziel der Stadtwerke, die bis 2050 vorplanen sei, 2025 die Stadt CO-2-neutral zu versorgen. "Null-Emissionssiedlungen" verließen sich auf das Stromnetz, das sei aber kein Energiespeicher.
Auf gutem Weg sah der Vertreter der Obersten Baubehörde die Stadt - "in Ranking-Listen auf Platz neun und zwölf - also in der Champions-League". Er lobte die Entscheidung, beim Bahnhof keinen übergroßen Einzelhandel zugelassen zu haben. "Nicht auf der Landesgartenschau auszuruhen, sondern weiter zu sanieren, da es in der Stadt noch viel Potenzial gebe", empfahl ein weiterer Beitrag. Die dörflichen Strukturen im Stadtgebiet müssten entsprechend auch besser gestaltet werden. Kritik kam am geplanten Nahversorgungszentrum Nord, das auf landwirtschaftlichen Flächen abseits von Wohngebieten entstehe und damit Verkehr auslöse. Die Einzelhandelsuntersuchung für die Stadt habe sich nach Nahversorgungszentren, also nach Agglomerationen von Anbietern ausgerichtet und kein Augenmerk auf einzelne Versorgungszellen gelegt. "Investoren machen nur Großprojekte", merkte Pesch dazu an.
Als Trend wurde angesprochen, dass diejeinigen, die zwischen 1970 und 1990 aus der Stadt in bis zu zehn Kilometer entfernte Dörfer gezogen seien, nun wieder in die Stadt zurückzögen, da inzwischen die Infrastruktur der Dörfer nicht mehr existiere.
Das Thema Freiraum und Umwelt berührte den Spannungsraum Landwirtschaft, Naturschutz und Freizeitverhalten. Erkennbar geworden sei der hohe Wert des Lebens an den Flüssen und Bächen, andererseits, so ein Experte, liege die Stadt im hochwassergefährdeten Bereich. Ein mögliches "Leuchtturmprojekt" könne das daran angepasstes Bauen sein. Naturschützer empfahlen, nicht alle Park-, Rad- und Verbindungswege zu asphaltieren. Um beim Freizeitverhalten nicht der Landwirtschaft ins Gehege zu kommen, sei ein besseres Wegenetz notwendig - da gebe es noch viel Potenzial.
(Fortsetzung in der morgigen Ausgabe)
hh/Oberbayerisches Volksblatt























