Klepper Boote: Ein Stück Geschichte geht

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Lang vorbei: Emsiger Betrieb in der Klepper-Montagehalle. Das Bild dürfte aus den 50er- oder 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts stammen.

Rosenheim - Die Klepper-Faltbootwerft AG wird ihre Produktion in Rosenheim deutlich verringern. Von jetzt 18 Arbeitsplätzen bleiben in der Stadt nur wenige erhalten.

Dies gab gestern der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Henning Isbruch, bekannt. Billigkonkurrenz aus China und Russland zwinge zu diesem Schritt.

Hören Sie auch, den Vorsitzende Aufsichtsrat Dr. Henning Isbruch: O-TON

Die Geschichte der Firma Klepper ist auch ein Stück Stadtgeschichte. Seit 1907 fertigt die Klepper- Faltbootwerft AG hochwertige Faltboote in Rosenheim. "Steigende Konkurrenz aus dem europäischen und internationalen Ausland mit Discounter-Preisen stellt unser Traditionsunternehmen vor große Herausforderungen", begründet Isbruch den geplanten Abbau der Arbeitsplätze. Mit Billigprodukten könne und wolle Klepper nicht konkurrieren. Dies zwinge zu Anpassungen der Unternehmensgröße, um eine wirtschaftlich nachhaltige Unternehmensentwicklung und damit das Überleben der Rosenheimer Traditionsmarke zu sichern. Der Name "Klepper" hat bei Faltbootkäufern einen hervorragenden Klang. Bei einem Preisunterschied von zum Teil 1000 Euro entscheiden sich aber doch immer mehr Käufer für Nachahmerprodukte.

Um nicht an Qualität zu verlieren, selber aber gleichfalls billiger produzieren zu können, werden sich die Klepper-Verantwortlichen nach neuen Produktionsstandorten im Ausland umsehen. Deshalb wird es in Zukunft weniger klassische Ein- und Zweisitzer aus Rosenheim geben.

Anders sieht es aus bei den Reise- und Expeditions-Faltkajaks. An die Qualität dieser hochwertigen Boote reicht die Billigkonkurrenz nicht heran. "Mit unserem neu vorgestellten Carbonmulti ,Backyak' wenden wir uns an neue Kunden. Damit werden wir den Bestand des Unternehmens und der restlichen Arbeitsplätze sichern", ist Isbruch überzeugt. Es handelt sich dabei um ein Boot nach dem Prinzip der russischen Matrjoschkas, der Puppe in der Puppe - das Boot steckt im Rucksack.

Die Umstrukturierung soll Anfang Oktober vollzogen sein. Die Geschichte der Rosenheimer Klepper Faltboote begann 1907, als der Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper von Alfred Heurich, dem Urvater des Faltboots, die Lizenz zur Alleinfabrikation des Bootstyps "Delphin" erwarb. Klepper, geboren 1868, hatte im Betrieb seiner Eltern das Schneiderhandwerk erlernt und den Schneiderbetrieb um eine Sportabteilung erweitert. Fasziniert von einem Bericht über die Fahrten Heurichs mit einem zerlegbaren Boot, lieh sich der begeisterte Sportler Klepper das wacklige Wassergefährt von dem Studenten aus und paddelte von Rosenheim nach Wasserburg. Spontan entschoss sich der innovative Jungunternehmer daraufhin, auf dem Dachboden seines Hauses eine Faltbootwerft einzurichten. Viele Änderungen waren nötig, um aus dem instabilen Wasserfahrzeug aus Rattan- und Bambusstäben ein benutzerfreundliches und sicheres Serienboot herzustellen.

Mit der Gründung der Klepper-Faltbootwerft GmbH 1919 begann eine Welle des Erfolges. Bis zu 90 Boote aus neunfachverleimten Birkensperr- und massivem Eschenholz, bespannt mit mehrfach imprägnierter Baumwolle, wurden in Spitzenzeiten täglich in der Rosenheimer Werft handgefertigt. Dazu kamen an die 1000 regenfeste Klepper-Mäntel. In besten Zeiten war die Firma mit 3000 Arbeitsplätzen größter Arbeitgeber Rosenheims.

In den 70er-Jahren stellten die Werke die Produktion der Faltboote ein. 1978 begann Hermann Siegesmund Walther aufgrund nicht nachlassender Nachfrage, Klepper-Faltboote in Lizenz zu fertigen. Als Walther 1994 starb, verkaufte der Sohn die Werke im Klepper-Gewerbepark an Dr. Henning Isbruch.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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