Seit er 13 Jahre alt ist, so berichtete der gebürtige Priener vor Amtsrichter Christian Merkel, rauche er Haschisch. Nur ein Jahr darauf hätte er mit Amphetaminen - im Jargon "Speed" genannt - angefangen. In relativ kurzem Zeitraum sei er danach über LSD zu Heroin und anderen Opiaten geraten. Diazepam und Methadon nahm er wie andere Leute Frühstück und Abendessen ein.
Wie hoch der Suchtdruck war, zeigt die Tatsache, dass der 26-jährige Angeklagte Schmerzpflaster vom Typ Fentanyl ausgekocht hat und sich den Sud intravenös spritzte, ungeachtet der Tatsache, dass so etwas immer lebensgefährlich ist, da nicht dosierbar. Um seine Drogensucht zu finanzieren, hat er seinen Arbeitgeber bestohlen und verübte Einbrüche und Betrügereien in Rosenheim. Der Junkie war umfassend geständig und berichtete, dass er in seiner Sucht niemals imstande war, vernünftige Entscheidungen zu treffen.
Richter Merkel hatte nun abzuwägen, mit welcher Strafe Gerechtigkeit vollzogen und die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten des Angeklagten geschützt werden könne, zumal der Angeklagte bereits 2009 eine Therapie abgebrochen hatte.
Der Gutachter stellte fest, dass der inzwischen in der Justizvollzugsanstalt Inhaftierte ohne Therapie fraglos weiter Beschaffungsstraftaten begehen würde. Andererseits bestätigte er ihm eine echte Motivation, nunmehr mit einer Therapie von den Drogen loskommen zu wollen.
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte in seinem Schlussvortrag eine Haftstrafe von 18 Monaten. Gleichzeitig forderte er die Einweisung in eine geschlossene Therapieanstalt, um dem Mann eine letzte Chance zu gewähren.
Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Marc Herzog, stimmte mit dem Staatsanwalt überein, dass eine Haftstrafe und eine Therapie vonnöten seien. Er war aber der Meinung, dass 15 Monate Gefängnis genug seien.
Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Richter Merkel: "Das ist - in Ihrem Alter - nun wirklich eine letzte Chance. Nutzen Sie die nicht, dann können Sie Ihr Leben in die Tonne klopfen."
au/Oberbayerisches Volksblatt























