Konstruktive Informationsstunde

Bürger: Lieber Geothermie statt Deponie

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Die Firma FG stellte die ersten Planungen für ein Geothermiprojekt in Streitholz im Gemeindegebiet Babensham vor.

Babensham – Während die Bürgerversammlung durch teils äußerst emotionale Fragen geprägt war, zeigten die Bürger beim Thema Geothermie großes Interesse an dem angedachten Energieprojekt. Details waren gefragt.

Für Johannes Falk und seine Experten, die sich bereits intensiv mit dem Standort für eine Geothermie im Gemeindegebiet Babensham auseinandergesetzt haben, schien es ein leichtes Spiel zu sein. Die Bürger zeigten sich aufgeschlossen, hatten sachliche und äußerst tiefgründige Fragen im Gepäck.

Hier sehen Sie die Präsentation der Projektvorstellung

Es zeichnete sich recht früh ab, dass kein striktes Nein  zur Geothermie in Babensham das weitere Tun der Vorbereitungen für den Standort in Streitholz inmitten einem Gehölz der Bayerischen Staatsforsten erschweren werde.

Standortfrage hinterfragt

Besonders interessant wurde der angedachte Standort unter die Lupe genommen.

Ralph Kulak von Logo Verde Landschaftsarchitekten GmbH teilte mit, dass im Vorfeld bereits einige Standorte aus unterschiedlichen Gründen gescheitert seien. So wäre eine Kiesgrube in der Nähe des jetzt festgelegten Punktes geologisch nicht attraktiv gewesen, eine andere Kiesgrube, die möglicherweise als Standort für eine umstrittene Deponie angedacht sei, wurde vom Eigentümer als nicht verkäuflich bezeichnet.

Hier kamen während der Informationsstunde zur Geothermie immer wieder Einwände. „Wir wollen lieber eine Geothermie als eine schädliche Deponie“ betonten einige Bürger. In der Tat konzentriere man sich bei der Standortsuche zunächst auf vorbelastetes Gebiet, erklärte Kulak.

Der Geschäftsführer der FG, und somit hauptverantwortlich für das Projekt, Johannes Falk, informierte die Bürgerschaft darüber, dass aktuell kein Wärmeprojekt, sondern eine Verstromung angedacht sei. Eine Wärmeauskopplung werde nachträglich allerdings nicht komplett ausgeschlossen, hieß es.

Fragen der Bürger mit Hintergrundwissen

Nicht nur die drei Experten, die das Geothermieprojekt der FG unmittelbar betreuen, zeigten sich bestens vorbereitet. Die Bürger hatten spezifische Fragen, wollten tiefgründige Informationen, viele hatten Verbesserungsvorschläge zum Standort oder der Realisierung parat. „Wir sind in der Standortbearbeitung bis zu einem gewissen Grad flexibel“ betonten die Experten.

Selbst die am nächsten angrenzenden Anwohner aus Streit waren nicht komplett von der Geothermie abgeneigt. „Allerdings könnte am Standort und der Realisierung noch nachgebessert werden“ hieß es von einzelnen Anwesenden. „Uns ist wichtig, dass wir die Geothermie gemeinsam mit den Bürgern in Babensham entstehen lassen“ brachte Johannes Falk stets in die Runde hinein. Mit einem Bebauungsplan und dem OK von Gemeinderat und Bürgern könne ein solches Großprojekt - für alle positiv - realisiert werden, so Falk weiter. „Lasst uns diese Chance nutzen hier in Babensham“ brachte sich ein Bürger ein.

Es gab Applaus für die Experten, doch auch manche Einwände wurden deutlich.

Einzelheiten im Fragenkatalog

Konstruktiv verlief die Diskussion. Die Bürger hatten Fragen, die sich ins Detail bohrten. Der Emissionsschutz wurde zum Thema gemacht.

Die Zusage durch die FG liest sich klar und deutlich: „Wir wollen 37 dB (A) nicht überschreiten, dies gleicht einem Blätterrauschen“ heißt es vom Expertenteam am Abend. Der Platzbedarf von zunächst 3 Hektar und im Finalgang nach den Bohrarbeiten auf endgültigem 1 Hektar wurde von den Bürgern mit Einwänden angemahnt.

Diese große Fläche sei eine Vernichtung von Ressourcen – kam es einigen Waldbauern über die Lippen. Wald solle erhalten werden und nicht einfach niedergemacht. „Ist Ihnen der Wald denn gar nicht heilig?“ lautete ein Vorwurf von kurzzeitig aufgebrachten Babenshamern.

„Wir nutzen eine Ressource“ machte Falk „Werbung“ für sein Projekt. Wirklich anpreisen musste er es nicht, schließlich blieben die Bürger mit ihren Negativpunkten im Einklang zu den positiven Aussagen.

Dennoch gab es kritische Worte. „Wie ist das mit der Salzsäure, die anfangs eingepumpt wird?“, wie stehe es um das Verhältnis der ökologischen Gesichtspunkte, wenn das Projekt für die Arbeiten schon viel der Energie fresse, die gewonnen werden könne. „Es ergibt sich eine deutliche Effizienz“ konterten die Experten, darunter auch Thomas Jahrfeld von renerco plan consult GmbH. Geothermie sei effizienter als Photovoltaik oder Windkraft, weil dauernd in Arbeit. Auch die Frage nach einer Versicherung bei möglichen Schäden an Häusern nach Bohrungen, wie sie möglicherweise in Staufen auftraten, war schnell vom Tisch. Diese existiere für uns verpflichtend, wies Falk die Bürger hin. „Zudem haben wir kein Interesse, das dort verwendete Verfahren zu gebrauchen“.

Nachfragen war erlaubt und erwünscht

Für Gemeinderat Hans Brunnlechner stand die Frage der Salzsäure hoch im Kurs. Die Bedenken der Bürger nahm die Expertenrunde ernst, erklärte und milderte diese Sorgen durch klare Fakten. Der anwesende Geologe führte aus, wie die Fließwege gesteuert seien und dass die Salzsäure, die in geringer Menge für den Anfangsprozess gebraucht werde, geologisch abbaubar sei.

Durch die klar gestreuten Informationen und den konstruktiven Austausch zwischen Bürgern und Experten wurde das Projekt der möglichen Geothermie in Streitholz nicht zum Streitthema, es kristallisierte sich grundsätzlich heraus, dass die Bürger Interesse daran zeigen, der FG weiter zuzuhören und die Geothermie in Babensham weiter in die Planungsphase zu lassen. „Die Zusammenarbeit mit den Bürgern ist ein wichtiges Anliegen für uns und ich danke allen Interessierten sehr für diesen ersten, sehr konstruktiven Austausch“ zeigte sich Johannes Falk begeistert. Ihm und seinem Team sei daran gelegen, das Projekt stetig zu verbessern und die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen.

Das Fazit der Informationsstunde: Die Bürger bleiben interessiert, die Verantwortlichen rund um die Geothermie machen weiter ihre Hausaufgaben und der Informationsaustausch solle möglichst so offen und konstruktiv verlaufen, wie er bereits bei der ersten Vorstellung am Dienstagabend im Gasthaus Brunnlechner begann.

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