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Interview mit Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl: Die schönen Momente überwiegen

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    • 04.05.12
    • Wasserburg
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Kölbl: "Die schönen Momente überwiegen"

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Wasserburg - Zehn Jahre ist es her, dass der langjährige Stadtrat Michael Kölbl zum Bürgermeister Michael Kölbl wurde. Zeit, für ein ausführliches Interview:

OVB

© Königbauer

Zehn Jahre ist Michael Kölbl jetzt Bürgermeister - und das gerne.

Der Bürgermeister sprudelt schier über: das Brucktor, die Bahnhöfe, das Belacqua, Seniorenwohnen, Hochwasserfreilegung, die Burg, die erste Krippe im Landkreis... Michael Kölbl holt kurz Luft: "Es ist unglaublich, was in zehn Jahren alles in dieser Stadt passiert ist!"

Haben Sie es schon einmal bereut, das Amt angenommen zu haben?

Nein, nie! Was nicht heißt, dass ich mich nicht manchmal gescheit geärgert habe. Ich bin gerne Richter und Staatsanwalt gewesen, aber wenn ich Kollegen aus der Zeit treffe, dann sage ich denen immer, dass ich die Justiz nicht vermisse, viel lieber Bürgermeister bin. Die Vielfalt des Berufes, der Umgang mit den Menschen und die Tatsache, dass man oft unmittelbar Erfolge sieht, das ist schon toll.

Gibt es einen Erfolg, den Sie besonders herausheben würden?

Die Übergabe der Burg, Namensgeberin und Wahrzeichen der Stadt. Als die Schwestern damals sagten, sie wollen und müssen die Burg aufgeben, da hatte ich den Alptraum vom Romantikhotel oder von Zweitwohnungen für Betuchte. Damit wäre die Burg als öffentliches Gebäude für die Wasserburger verloren gewesen. Die Stadt hätte die Burg nicht kaufen können, das wäre ein Fass ohne Boden geworden. Die Kreishandwerkerschaft wollte kaufen, aber kein Altenheim betreiben; die Stiftung Attl wollte das Altenheim betreiben, aber nicht kaufen; das Ordinariat Augsburg wollte möglichst gut verkaufen; die Stadt wollte das Altenheim erhalten und finanziert werden musste das Ganze auch. Wir hatten letztendlich mit der Sparkasse fünf Beteiligte mit unterschiedlichen Interessen, aber einem gemeinsamen Ziel: die Burg für die Wasserburger erhalten. Es waren harte Verhandlungen, bei denen alle an ihre Grenzen gingen. Aber wir haben es geschafft.

Welches war der schwerste Tag ihrer Amtszeit?

Der 23./24.August 2005, die Hochwassernacht. Man tut alles, was man kann. Alle Wasserburger waren auf den Beinen, packten an und zogen mit. Und das Wasser steigt und steigt und man weiß nicht, ob die Stadt absäuft oder nicht. Es ist ja um Haaresbreite gut gegangen, aber allein die Vorstellung, dass die ganze Stadt untergeht, die ist gruselig.

Und es gab noch einen weiteren schwarzen Tag: der Tag, an dem die Wacker-Schließung bekannt wurde, als plötzlich hunderte Menschen auf der Straße standen. Glücklicherweise sind die fast alle relativ schnell wieder untergekommen.

Gab es auch einen besonders schönen Tag?

Einen einzelnen Tag möchte ich nicht herausheben. Ich bin immer wieder glücklich und stolz, wenn ich das riesige ehrenamtliche Engagement der Wasserburger sehe. Denn erst das macht diese Stadt so lebendig. Hier ist doch viel mehr geboten, als es in einer kleinen Stadt normal ist. Und das geht nur, weil sich viele Menschen engagieren - in der Kultur, im Sozialen, im Sport.

Und ich freue mich darüber, dass die Sanierung des Brucktorensembles nach jahrelangen Diskussionen so vorbildlich gelungen, das Konzept mit Wohnen und Ateliers aufgegangen ist.

Was hält die Zukunft bereit, was möchten Sie noch erreichen?

Die Schulstadt Wasserburg soll Schulstadt bleiben, die bestmöglichen Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Dazu gehört die Sanierung der Mittelschule. Auch wenn im Moment noch keiner genau weiß, wohin die Schulpolitik des Landes geht.

Sowohl den meisten Wasserburgern als auch der Stadt geht es finanziell gut. Aber wir müssen auch ein Augenmerk darauf legen, dass keiner durchrutscht, weder Ältere noch Kinder und junge Familien. Das heißt, dass sowohl bezahlbarer - zunehmend auch seniorengerechter - Wohnraum da ist, aber auch Arbeitsplätze für Alleinerziehende beziehungsweise Teilzeitarbeitsplätze.

Außerdem finde ich eine bessere Vernetzung der sozialen Einrichtungen und Institutionen wichtig, da wäre ein Sozial-Zentrum in Wasserburg, auch als zentrale Anlaufstelle im nördlichen Landkreis, sinnvoll. Zu diesem Thema soll es demnächst eine Zukunftswerkstatt geben

Herr Kölbl, wann waren Sie das letzte Mal beim Fischen?

Oh, je! (Überlegt lange) Das dürfte mindestens zwei Jahre her sein. Irgendwie fehlt dafür die Zeit. Aber ich sehe zu, dass ich mich mindestens zweimal die Woche bewege, Rad fahre, walke oder schwimme. Das brauche ich als Ausgleich zur Arbeit.

Interview: Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

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    • 17.05.13
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