Ein 53-jähriger Mann aus dem Raum Wasserburg beschuldigt Beamte, ihn bei einer Polizeiaktion in der Neujahrsnacht als zunächst Unbeteiligter grundlos zusammengeschlagen zu haben. Er habe dadurch eine Platzwunde über dem Auge, Prellungen und Schürfwunden im Gesicht erlitten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtet jedoch, der Mann sei grundlos aggressiv geworden und habe einem Beamten schmerzhaft in die Hoden gefasst. Aus diesem Griff habe sich der Polizist nur mit Schlägen befreien können.
Andreas Miller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, bestätigte gestern, dass gegen den 53-Jährigen eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Beleidigung und Körperverletzung vorliegt. Der Mann seinerseits habe drei Polizeibeamte wegen Körperverletzung und Beleidigung angezeigt. "Wir haben die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Zentralen Ermittlungsstelle für interne Ermittlungen in Südbayern aufgenommen", so Miller.
Offene Fragen bleiben
Es bleiben offene Fragen: Stimmt die Darstellung der Polizei, ist rätselhaft, was den Aggressionsschub ausgelöst haben soll. Der 53-Jährige, der vor einem Lokal eine Zigarette rauchte, war nicht betrunken. Ein Alkoholtest der Polizei erbrachte 0,34 Promille. Seine Kontakte mit den Strafbehörden beschränkten sich bislang auf Geschwindigkeitsübertretungen. Träfe andererseits die Schilderung des 53-Jährigen zu, wäre ebensowenig ein Auslöser für einen Gewaltexzess seitens der Polizisten erkennbar.
Den von der Polizei erhobenen Vorwurf, er habe einen Beamten an den Genitalien gepackt, weist der 53-Jährige im Übrigen zurück. Auch die Behauptung, er habe eine Behandlung seiner Verletzungen abgelehnt, sei falsch. "Über so etwas wurde nie gesprochen. Statt dessen wurde ich massiv beleidigt."
Über eine Kleinanzeige in unserer Zeitung hat der Mann mittlerweile drei Zeugen gefunden, die seine Version des Hergangs in der Wasserburger Hofstatt bestätigen. "Das sind weder Freunde noch Bekannte von mir", betont er. Einer der Zeugen habe versucht, mit seinem Handy Fotos von dem Vorfall zu machen. Die Beamten hätten dem Mann aber das Mobiltelefon abgenommen.
Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd hielt man sich gestern bedeckt. "Es gibt zwei Parteien mit unterschiedlichen Aussagen. Wir müssen abwarten, was die Ermittlungen der zentralen Dienststelle in München ergeben", so ein Sprecher.
kk/Oberbayerisches Volksblatt


























