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Kinostart Zettl - Kir Royal Satire von Helmut Dietl

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    • 01.02.12
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"Zettl": Nichts für "Kir Royal" Fans

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Vogelwild, grotesk und böse: Warum Helmut Dietls Berlin-Satire „Zettl“ dennoch nichts für die Fans der Kultserie „Kir Royal“ ist, erfahren Sie in unserer Kino-Kritik.

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Jetzt werden sie aufstöhnen, die Werktreue-Fetischisten. Jene, die um Nostalgie winseln, die im Kino wiedersehen wollen, was sie lieben. Sie werden keine Freude an „Zettl“ haben, der neuen, so lange erwarteten Komödie von Helmut Dietl. Sie werden fluchen, weil der 67-jährige Regisseur ihnen nicht geben konnte, wonach sie lechzten: die Fortsetzung des Fernsehkults um den Münchner Klatschreporter Baby Schimmerlos. Doch 1986, als „Kir Royal“ erstmals lief, liegt lang zurück.

"Zettl"-Weltpremiere in München: Bilder vom roten Teppich

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Das heutige Berlin, wo Dietls Film spielt, hat nicht Münchens Charme der Achtziger (falls es den abseits von Film und Fernsehen je gab). Ja, man merkt an „Zettl“, dass Dietl, der in Bad Wiessee zur Welt kam, Berlin verachtet. Auch heißt sein Co-Autor nicht mehr Patrick Süskind, sondern Benjamin von Stuckrad-Barre. Und, zuletzt, ist Max Zettl nicht Baby Schimmerlos, ist Michael Herbig nicht Franz Xaver Kroetz, der nicht mitspielt – vielleicht, weil er ahnte, dass „Zettl“ nichts mit „Kir Royal“ zu tun haben wird.

Wer also diesen Film anschaut, weil er seit mehr als 25 Jahren auf die Fortsetzung jenes TV-Kults wartet, sollte es bleiben lassen. Die einzig berechtigte Frage ist: Funktioniert „Zettl“ als Komödie? Dietls Film vereinigt tatsächlich einiges von dem, was seine Arbeiten ausmachen: boshaften Witz, genaue Beobachtung, gute Schauspieler. Die Geschichte ist vogelwild und grotesk überzeichnet. „Zettl“ erzählt, wie der Ex-Chauffeur des verstorbenen Schimmerlos in Berlin als Chef eines Online-Magazins, die Polit- und Medienszene aufmischt. Vor diesem Hintergrund zeichnet Dietl böse das öffentliche Treiben in der Hauptstadt als Sumpf, in dem sich Bluffer und Blender tummeln, die für Macht, Einfluss, Sex – kurz: fürs Ego – lächelnd über Leichen gehen.

Um Berlins Provinzialität zu karikieren, lässt Dietl seine Schauspieler Dialekt sprechen. So bindet er auch einen Harald Schmidt ein, dessen darstellerische Fähigkeiten zwar limitiert sind, der als schwäbischer Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern aber kaum mehr machen muss als zu schwäbeln. Eine herrliche Idee ist zudem, dass Dietl allen Politikerfiguren einen Doktortitel verpasst: Es grüßt Guttenberg. Der größte Trumpf des Regisseurs sind aber seine Darsteller. Schade nur, dass er deren Auftritte oft zur Nummernrevue verkommen lässt. Die fabelhafte Dagmar Manzl spielt bei aller Komik berührend und facettenreich die herbe Regierende Bürgermeisterin von Berlin, einen Mann in Frauenkleidern. Ulrich Tukur ist ihr/sein Geliebter, ein Schweizer Milliardär, der bei aller Arroganz und Geldgeilheit, doch nur ein bisschen Liebe sucht. Sunnyi Melles zeigt als alkoholbefeuerte Talkshow-Gastgeberin, wie herrlich schrill sie ist. Götz George als todkranker Kanzler ist nur mehr Spielball der politischen Kräfte und fühlt sich einzig in den Armen seiner Geliebten geborgen: Ist diese Verena herzensgut oder berechnend? Karoline Herfurth hält das in der Schwebe.

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Senta Berger und Dieter Hildebrandt, die als Mona und Fotograf Herbie schon bei „Kir Royal“ dabei waren, schenkt Dietl einige ruhige, zarte Momente. Vor all diesen stark gezeichneten, stark gespielten Figuren bleibt einzig Hauptdarsteller Michael Herbig recht blass. Er stattet Max Zettl zwar mit bekanntem Bully-Klamauk und Wortspielereien aus. Zettls Hinterfotzigkeit aber wirkt beim netten Herbig oft aufgesetzt.

Michael Schleicher

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