Kommentar von Bettina Pohl

"Migrationsmob": Was soll all der Hass?

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Rosenheim - Die Flüchtlingsbewegung reißt nicht ab, ebenso die Sorgen der Bevölkerung. Ist die Folge, dass Gleichberechtigung für viele unserer Leser nicht mehr zu den wichtigen Werten gehört?

Viele Bürger wollen nicht mehr, haben genug von dem nicht enden wollenden Asylthema und vor allem von den Ausländern, die sich in unserem Land "breitmachen". Selbst beschreiben sie sich nicht als Nazis, auch als Rassisten sehen sie sich nicht - denn sie haben in ihren Augen nur eins: große Sorge. Davor, dass ihnen etwas weggenommen wird, sollte der Flüchtlings-Zustrom nicht abreißen und Sorgen darüber, dass es zu Ausschreitungen, Krawallen oder ähnlichem mit den Neuankömmlingen kommen könnte.

Dass diese Bedenken und Vorurteile innerhalb der Bevölkerung immer lauter werden, zeigte unser Artikel vom Mittwoch: "So hetzt die sächsische Polizei gegen Ausländer". Um die Meinung unserer User zu diesem brisanten Thema herauszufinden, hatten wir die Geschichte mit einem Voting zu der Frage versehen: Finden Sie es in Ordnung, dass die Exekutive Ausländer und Deutsche ungleich behandelt?

Das Ergebnis der Umfrage schockte unsere 27-jährige Online-Volontärin Bettina Pohl. Sie findet weiterhin, dass Gleichberechtigung unbedingt zum Rechtsverständnis gehören sollte.

Eine berechtigte Frage, war der Fall aus Sachsen nicht der erste, in dem einzelne Beamte keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen Ausländer machten. Bereits im Juni veröffentlichte der NDR schockierende Postings von Polizisten. Ein Beamter aus Aachen schrieb beispielsweise: "(...) Armes Deutschland! Ich hoffe das man sich irgendwann mal besinnt und die Gesellschaft diesem kriminellen Migrationsmob zeigt wo es langgeht!!"

Ein Großteil unserer Leser würde dem "Mob" anscheinend gerne zeigen, wo es lang geht: 1906 Stimmen wurden bei der Umfrage abgegeben. Das Ergebnis: 65 Prozent waren der Ansicht, dass die ungleiche Behandlung zwischen Deutschen und Ausländern vollkommen in Ordnung sei - dies entspricht über 1200 Einreichungen.

Doch wer gilt überhaupt als Ausländer? Laut der Bundeszentrale für politische Bildung werden Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) als Ausländer gewertet: die nichtdeutsche Staatsbürgerschaft. Seit wann oder aus welchem Grund sich jemand in Deutschland aufhält, ist für die Erhebung nicht interessant. In dieser Kategorie werden alle Personen zusammengefasst, die sich nur temporär in Deutschland aufhalten - wie zum Beispiel Touristen und Geschäftsreisende.

Die Statistik in der Polizeilichen Kriminalstatistik Bayerns zeigt die Entwicklung der Tatverdächtigen insgesamt.

Im Jahr 2014 wurden laut der PKS insgesamt 194.099 Diebstähle in Bayern erfasst, 68.598 konnten aufgeklärt werden. 19.998 davon wurden von nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen. Das macht dann 48.600 Diebstähle, die den eigenen Landsleuten angekreidet werden können. Deren Langfinger-Vergehen scheint laut der Mehrheit unserer User aber nicht annähernd so schlimm zu sein: Klaut ein Deutscher, soll er die Möglichkeit auf eine Einstellung des Verfahrens bekommen - klaut ein Ausländer, sollte ihm diese Chance verwehrt bleiben. Das würde für das Jahr 2014 bedeuten, dass 48.600 deutsche Straftäter keine schlimmeren rechtlichen Konsequenzen zu spüren bekommen hätten, die knapp 20.000 Diebe aus dem Ausland jedoch schon.

Mir stellt sich hier die Frage nach der Begründung unserer Leser, die mit "Ja" abgestimmt haben. Welchen Unterschied macht es, ob der eigene Geldbeutel von einem Russen oder einen Landsmann gestohlen wird? Der bürokratische Aufwand, das Beantragen jeder einzelnen Karte und der Verlust von Erinnerungsfotos bleibt derselbe. Dieb ist gleich Dieb. Egal ob er Deutscher oder Türke, Christ oder Moslem ist, eine helle oder dunkle Hautfarbe hat. Das ist mein Verständnis von Gleichberechtigung, welches nicht verhandelbar ist.

Unsere Exekutive sollte mit gutem Beispiel vorangehen und den Bürgern ihre Sorgen und Ängste nehmen: Denn wenn schon einige Staatsdiener Gewalt schönschreiben und sich nicht an gesellschaftliche Werte halten, wieso sollten es die Bürger dann tun?

Rubriklistenbild: © pa

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