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Den rechten Hetzern eine Grenze ziehen 

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Rosenheim - Für den Samstag hat die Partei „Die Rechte“ in Rosenheim zu einer Demo unter dem Motto „Asylflut stoppen“ aufgerufen. Ausgerechnet zum Herbstfest-Auftakt. Ein Kommentar:

Wie viele kommen denn nun? Lediglich 20, oder doch 50 Rechte? Wie viele Rechtsextreme müssen es sein, damit es sich lohnt, gegen sie auf die Straße zu gehen? Denn das sind sie: Rechtsextreme - keine sogenannten „Asylkritiker“. 

NEUE INFO ZUR DEMO:

Am Donnerstagnachmittag wurde bekannt, dass "Die Rechte" beantragt hat vom Bahnhof bis zum Salingarten zu marschieren. Auch die Gegendemonstranten haben entsprechend reagiert und am Samstagmittag dieser Demoroute folgen.

Die Partei „Die Rechte“ wird von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Der bayerische Verfassungsschutz urteilte im Jahr 2014: "Ein Großteil der Mitglieder – auch in Führungspositionen – stammt aus der Neonazi-Szene." Wer sich mit diesen Personen auf die Straße stellt, lässt sich instrumentalisieren. Den rechten Aktivisten geht es nicht um Sorgen oder Fehlentwicklungen in der Asylpolitik, sondern um eine ganz andere Gesellschaftsordnung. 

Viele User machen sich auf Facebook über das geringe Mobilisierungspotential der Partei „Die Rechte“ lustig. Andere sind davon überzeugt, dass weitaus mehr gegen die „Asylflut“ protestieren werden – einige hoffen das sogar.

Rosenheim ist eine Kleinstadt und 20 oder 50 Rechtsextreme sind doch keine Bedrohung? Wem kümmert's also, was da auf dem Bahnhofsvorplatz passiert? Das kann ich so nicht unterschreiben. 

Rosenheimer Bahnhof deutschlandweit in den Medien

Online-Redakteur Marcel Görmann ruft zur Gegendemo gegen die Neonazis auf.

Deutschlandweit, in Online- sowie Zeitungsartikeln und TV-Beiträgen, wird aus und über Rosenheim berichtet, über die Situation am Bahnhof, über die Asylbewerber, die mit Zügen aus Italien bei uns ankommen und von der Bundespolizei in Empfang genommen werden. Über die emotionale und physische Belastung für die Beamten, von logistischen Problemen bei der Registrierung der Neuankömmlinge und von den Torturen der Flucht. 

Ausgerechnet hier am Rosenheimer Bahnhof also wollen die Rechtsextremen demonstrieren und damit eine überregionale Aufmerksamkeit erreichen. Dazu passt auch das besondere Datum – der Wiesn-Auftakt. Die Botschaft dahinter: Wir haben jetzt andere Probleme als zu feiern. 

Und tatsächlich, in diesem einen Punkt gebe ich den Neonazis recht. Wir haben drängende Probleme im Land, wir haben viel zu lange geschwiegen und weggeschaut, wie Hetzer zuerst im Netz und nun auf der Straße, und längst nicht mehr nur in Ostdeutschland, pöbeln, lügen, einschüchtern und in Wort und Tat Brände stiften. 

Deswegen ist vielleicht dieses Datum gar nicht so schlecht, wenn Rosenheim jetzt das richtige Zeichen setzt. Ausgerechnet und gerade zum Auftakt des Herbstfestes. Nach dem Motto: Zuerst ein friedliches Zeichen setzen gegen Hass, dann erst schmeckt die Mass.  

Sehenswert: 

Joko und Klaas: Videobotschaft an Flüchtlingsgegner

Es gibt unleugbare Probleme in der Asylpolitik: Die mangelnde innereuropäische Solidarität bei der Verteilung der Flüchtlinge etwa, oder die Masseneinwanderung von Menschen aus den Balkanländern, die kein Anrecht auf Asyl haben. Hier muss die Politik in Berlin und Brüssel handeln. Fremdenfeindlichkeit und radikale Forderungen wie „alle Grenzen dichtmachen“, können aber nicht die Antwort auf diese Herausforderungen sein. 

Hoffentlich deutlich mehr als 500 Gegendemonstranten

Rund 500 Gegendemonstranten erwartet die Stadt am Samstag. Die Aufrufe zu den Gegenkundgebungen kommen aus der Mitte der Gesellschaft, werden unterstützt von Diakonie und Caritas, den DGB-Gewerkschaften, dem Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner (CSU), der SPD, den Grünen, den Julis, dem Stadtjugendring und vielen mehr. 

Ich wünsche mir, dass am Samstag weitaus mehr als 500 Menschen zur Gegendemo kommen und diesem Häufchen von Rechtsextremen, egal ob es 20 oder 50 werden, aber auch den heimlichen Befürwortern, die sich nicht auf die Straße trauen, eine Grenze ziehen. Eine andere Grenze, als sie sich diese Hetzer wünschen.

verfasst von Marcel Görmann (marcel.goermann@ovb24.de)

Rubriklistenbild: © pa

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