Verantwortliche beziehen Stellung zu Skandalspiel

"Würger" bereits vom eigenen Verein suspendiert!

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Nach dem skandalösen Vorfall am Sonntagnachmittag, bei dem im Spiel zwischen dem FC Bosna i Hercegovina Rosenheim und dem SV DJK Kolbermoor II der Schiedsrichter tätlich angegriffen wurde, haben sich nun beide Vereine gegenüber rosenheim24.de zu den Ereignissen geäußert.

Bereits die Ausgangssituation ließ ein hart umkämpftes Spiel in der Innflutmulde erahnen: beide Mannschaften kämpfen gegen den Abstieg und versuchen sich den rettenden Relegationsplatz in der A-Klasse 2 zu sichern. Der Gewinner dieser (abgebrochenen) Partie hätte sich vor dem Saisonabschluss am kommenden Wochenende ein kleines Polster gegenüber der Konkurrenz verschaffen können und somit gute Aussichten auf den Klassenerhalt, oder zumindest eine Chance per Relegation in der Liga zu bleiben.

Spiel wird nach der Pause hitzig

Die Verantwortlichen beider Vereine lobten im Gespräch mit rosenheim24.de die Leistung des jungen Referees in der ersten Halbzeit, der trotz seiner 16 Jahre das hitzige Spiel gut im Griff hatte. Doch mit Beginn der zweiten Halbzeit und dem vorausgegangenen Führungstreffer der Kolbermoorer nahm das Spielgeschehen an Aggressivität zu. In den 13 Minuten nach Wiederanpfiff wurden fünf Spieler mit Gelb verwarnt, darunter alleine vier vom FC Bosna i Hercegovina.

In dieser Spielphase sollen auch einige böswilligen Fouls begangen worden sein, doch der Schiedsrichter wollte den Spielverlauf nicht hemmen und hätte daraufhin noch keinen Spieler vom Platz gestellt, schildert der Kolbermoorer Verantwortliche die Situation. Jedoch wäre der Grad der Fouls für ein derartig wichtiges Spiel nicht ungewöhnlich gewesen.

Zuschauer und Verantwortliche stiften Unruhe

Daraufhin wurde es noch brisanter. Laut der Aussage des Kolbermoorers hätten nun auch die Zuschauer und Verantwortliche vom FC Bosna i Hercegovina zunehmend Einfluss auf das Spielgeschehen genommen und für Unruhe gesorgt: Laute Pfiffe, Beschimpfungen in Landessprache und auch frustrierte Äußerungen gegenüber Schiedsrichterentscheidungen wären gefallen.

Dies wurde jedoch von einem Vorstandsmitglied des gegnerischen Vereins relativiert: "Klar haben einige Zuschauer auch einmal gepfiffen, wenn sie mit der Entscheidung des Schiedsrichters unzufrieden gewesen waren. Das war alles aber in einem normalen Maß für ein so entscheidendes Abstiegsspiel."

Auch bei der letztendlich eskalierenden Spielsituation gehen die Beschreibungen der beiden Verantwortlichen deutlich auseinander. Faktisch vorausgegangen ist dem Ganzen jedoch folgende Spielsituation: Ein Kolbermoorer Verteidiger schlug einen langen Ball. Zwei Spieler lieferten sich nun ein Laufduell an der Auslinie, wobei der Spieler vom FC Bosna den Ball etwas früher erreichte und diesen nun vom Gegenspieler abschirmen wollte, bis der Ball über die Auslinie geht.

Situation eskaliert

Dann ging es zur Sache: laut dem Verantwortlichen vom FC Bosna i Hercegovina sei der Kolbermoorer seinem Gegenspieler "voll von hinten in die Füße gesprungen", ohne Erfolgsaussicht auf den Ball. Der Kolbermoorer Verantwortliche stufte das Foul deutlich harmloser ein: Der Kolbermoorer habe lediglich versucht den Ball zwischen den Füßen seines Gegenspielers "herauszustochern", ein Foul wie man es in einem Bundesligaspiel zu Genüge sehen würde.

Beide Spieler gingen zu Boden. Der FC Bosna-Spieler, frustriert durch das harte Einsteigen seines Gegners, sei nun direkt wieder aufgesprungen und habe den Kolbermoorer Spieler geschubst. Daraufhin sei dieser theatralisch zu Boden gegangen, "wie als hätte er einen Boxschlag kassiert", so der bosnische Verantwortliche.

Schiedsrichter wird attackiert

Der Schiedsrichter schritt nun ein und zeigte beiden Spielern die Gelbe Karte, jedoch mit Folgen für den FC Bosna-Spieler, der zuvor bereits Gelb gesehen hatte. Dem vom Platz verwiesenen Spieler brannten nun alle Sicherungen durch: Er packte den Schiedsrichter und brachte diesen zu Boden. Auch dies wurde von den verschiedenen Parteien unterschiedlich dargestellt. Der Schiedsrichter sah sich durch die Attacke jedenfalls dazu gezwungen, das Spiel abzubrechen.

Laut Augenzeugen wäre es tatsächlich zu einer Würge-Attacke gekommen, woraufhin der Schiedsrichter zusätzlich noch auf den Boden geschleudert wurde. Der Verantwortliche vom FC Bosna i Hercegovina sah dies anders: Sein Spieler hätte den Schiedsrichter an den Oberarmen und nicht am Hals gepackt, und ihn daraufhin auf den Boden geschubst. Er wolle die Aktion jedoch auf keinen Fall verharmlosen. Augenzeugen zu Folge musste der Täter daraufhin zurückgehalten werden, damit er den Schiedsrichter nicht noch weiter attackierte.

Aber auch dem Bosna-Vorstand fehlte jegliches Verständnis für die Aktion: Ein Spieler dürfe nie den Schiedsrichter angehen. Dies habe nun auch neben den Verletzungen und dem Schock des Schiedsrichters einen verheerenden Image-Schaden seines Vereins zur Folge. Er habe den Spieler nach Spielabbruch umgehend suspendiert.

"Null-Toleranz" gegenüber solchen Vorfällen

Spielleiter Marcus Fischer sowie Schiedsrichter-Obmann Josef Kurzmeier konnten sich im Gespräch mit rosenheim24.de jedoch noch nicht zu weiteren Konsequenzen oder Maßnahmen äußern. Zunächst müsse der Sachverhalt geklärt werden und der Fall bis ins Detail aufgeklärt sein. Fest stünde jedoch, dass ein Übergriff auf einen Schiedsrichter definitiv ein Verfahren durch das Sportgericht zur Folge hätte. Hier gelte eine "Null-Toleranz-Politik."  Bis dahin würde der Spieler aber bereits vorläufig gesperrt werden.

Bei dem Vorfall handelte es sich nicht um den ersten Übergriff auf Schiedsrichter in der Region. Ein Pressesprecher des BFV gab jedoch Entwarnung. Es sei ihm keine besorgniserregende Regelmäßigkeit in der Rosenheimer Region aufgefallen. Bei 15.000 bayernweiten Fußballspielen pro Wochenende seien einzelne Ausfälle leider normal und ließen sich nur schwer vermeiden, so der Sprecher.

Martin Wiegand

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: A-Klasse 2

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare