TSV 1860 Rosenheim - SV Viktoria Aschaffenburg 0:0

Sechzig rettet Unentschieden über die Zeit - weiter alles drin!

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Vor voll besetzten Rängen im Jahnstadion kamen die Sechziger gegen Viktoria Aschaffenburg nicht wie gewohnt ins Spiel.

Rosenheim - Im Hinspiel der zweiten Runde der Regionalliga-Relegation hat der TSV 1860 Rosenheim vor 1.400 Zuschauern an der heimischen Jahnstraße großes Glück und rettet ein torloses Unentschieden irgendwie über die Zeit. Nach vorne geht gar nichts - hinten profitieren die Sechziger von der Abschlussschwäche der Viktoria. Das Ergebnis ist jedoch vielversprechend. In Aschaffenburg reicht den Rosenheimern jedes Unentschieden mit einem oder mehr Toren zum Einzug in die Regionalliga.

aus dem Jahnstadion berichtet Christian Schulz

Im Vergleich zu den Augsburgern in der Vorwoche begannen die Aschaffenburger das Spiel an diesem Dienstagabend wesentlich vorsichtiger und reservierter. Ein geruhsamerer Start also in diese zweite Runde der Regionalliga-Relegation – ein derart krasser Tempounterschied zwischen Regionalligist und Bayernligist wie in der Anfangsphase der vergangenen Woche war nicht erkennbar. Die Viktoria wollte sich wohl erst einmal ganz genau anschauen, was sie nach der langen sechsstündigen Busfahrt hier in Rosenheim erwartete. Und so waren es in den ersten zehn Minuten sogar die Gastgeber, die etwas dominanter wirkten und mehr in Ballbesitz waren.

Gemächlicher Beginn – dann nimmt Viktoria das Heft in die Hand

Nach und nach wagten sich aber auch die Gäste an den ein oder anderen Konter – und da die Rosenheimer nach vorne nicht durchkamen und auch im Mittelfeld zu große Lücken aufwiesen, waren es nur die Aschaffenburger, welche gefährlich wurden.

Am gefährlichsten in der neunzehnten Minute: nach einem präzisen langen Pass aus dem Mittelfeld heraus auf ihren Zehner Daniele Toch, spielte dieser blitzschnell aus dem Zentrum weiter auf den noch besser positionierten Björn Schnitzer auf halblinks. Dieser drang in den Strafraum ein - doch statt bei eigentlich freier Schussbahn und bester Position sofort abzuschließen, zog er noch einmal auf, verzögerte und ging ins Dribbling gegen den letzten Rosenheimer Abwehrspieler. Seinen Schussversuch aus äußerst spitzem Winkel drei Meter vor der Torauslinie konnte der ihm entgegenstürzende Dominik Süßmaier im Tor der Rosenheimer per Grätsche sicher zur Ecke klären. Eine Mega-Chance für die Gäste – hätte Schnitzer das kaltschnäuziger und vor allem schneller zu Ende gebracht, hätten das gut und gerne die Führung und das wichtige Auswärtstor sein können!

Aschaffenburg vergibt dicke Möglichkeit zur Führung – Sechzig nicht im Spiel

Die Sechziger traten allerdings auch ganz anders auf, als im Hinspiel gegen Augsburg. Weniger griffig, weniger spritzig, weniger zwingend in den eigenen Offensivaktionen – und vor allem mit weniger Biss und Zugriff im Mittelfeld und weniger kompakt in der Abwehr. Vielleicht irritierte sie der gemächliche Beginn der Gäste, durch den man anfangs durchaus den Eindruck gewinnen konnte, Aschaffenburg sei vielleicht leichter zu bespielen als Aschaffenburg. Vielleicht war es doch der große Respekt vor einem Auswärtstor, der nach den Erfahrungen der ersten Runde etwas lähmte. Oder auch einfach der nicht von der Hand zu weisende Kräfteverschleiß in dieser knüppelharten Relegation nach einer langen Saison. Vielleicht auch der Kopf nach dem Drama im Rosenaustadion und Warum auch immer – die Rosenheimer waren jedenfalls nicht wie gewohnt im Spiel.

Ihre einzige wirkliche Torgelegenheit der ersten Hälfte hatten die Sechziger durch einen direkten Freistoß kurz vor der Pause: Josip Tomic schlenzte von links einen Ball aus etwa zwanzig Metern Torentfernung gefährlich über die Mauer – und sein Aufsetzer in die linke untere Ecke stellte Peter Neuberger im Kasten der Gäste gehörig vor Probleme. Dieser konnte das Leder zunächst nicht festhalten – letztlich die Situation aber doch bereinigen (40.).

Viktoria bekommt die Chance ein zweites Mal – und vergibt sie wieder

Auch die Aschaffenburger hatten allerdings noch vor der Pause eine weitere dicke Möglichkeit: Raphael Obermair vertändelte etwa dreißig Meter vor dem eigenen Gehäuse leichtfertig den Ball und sorgte durch seinen Ausrutscher für eine Doublette der ersten Aschaffenburger Großchance: Wieder bediente Toch den auf halbrechts in ähnlicher Position lauernden Schnitzer – und wieder entschied sich dieser zu langsam und kam so diesmal gar nicht erst zum Abschluss (43.).

Dann war die erste Halbzeit Geschichte. Mit einem torlosen Unentschieden ging es in die Kabinen. Die Viktoria hatte mehr vom Spiel – und vor allem die guten Tormöglichkeiten. Rosenheim tat zu wenig, war zu wenig präsent – allgemein und vor allem in der Offensive, wo man mit zunehmendem Spielverlauf immer weniger von ihnen sah.

Unverändertes Bild in Halbzeit Zwei – Aschaffenburg dominiert Mittelfeld und Spiel

Dies setzte ich in der zweiten Hälfte nahtlos fort – die gefährlichen Chancen der Gäste nahmen so gar noch zu. Und waren alle brandgefährlich! Vor allem dadurch, dass die Rosenheimer im Mittelfeld so übergroße Räume unbesetzt ließen, nicht nah genug am Mann und in den Zweikämpfen nicht wirklich präsent waren, ergaben sich reihenweise Möglichkeiten für die Aschaffenburger. Abassin Alikhil setzte sich am rechten Flügel einige Male fein durch und brachte gefährliche Bälle nach innen. Einmal war Süßmaier bereits geschlagen – doch Jonas Fritsch rauschte bei seinem Einköpfversuch im allerletzten Moment am Ball vorbei (50.)! Das war haarscharf.

Im Gegenzug jedoch plötzlich Rosenheim: Aschaffenburgs Simon Schmidt rutschte kurz vor dem eigenen Sechzehner aus, Daijel Majdancevic schnappte sich reaktionsschnell die Kugel und zog sofort ab. Doch Neuberger steht gut postiert und kann den strammen Schuss fangen (51). Eine der wenigen guten Szenen von Majdancevic an diesem Dienstag. Wenig später wurde der Goalgetter von Trainer Klaus Seidel ausgewechselt.

Aschaffenburg am Drücker – aber ohne Fortune im Abschluss

Doch umgehend machte die Viktoria wieder dort weiter wo sie aufgehört hatte. Mit Druck und Offensivwirbel aus einem richtig starken Mittelfeld heraus, welches an diesem Tag komplett den Aschaffenburgern gehörte. Rosenheim fand überhaupt keinen Zugriff. Pass durch die Schnittstelle vom bärenstarken Toch auf Fritsch, der handlungsschnell von der Strafraumgrenze abzog – und ganz knapp am Kasten der Sechziger vorbei schoss (53.)! Da war mehr drin für die Gäste – in dieser Szene und generell.

Es war aber schon auch ein wenig fahrlässig wie viele Chancen, Halbchancen und freie Räume die Gäste trotz aller Mittelfeldüberlegenheit hier liegen ließen. Bereits in den Duellen gegen Bayern Hof war ihnen dies passiert – mit fatalen Folgen. Dies ließ natürlich auch ihren Coach Jürgen Baier nicht kalt – der an der Außenlinie schier verzweifelte. So viele gute Torgelegenheiten – die Viktoria hätte hier gut und gerne auch mit zwei Toren führen können. Und das auswärts. Wenn sich das mal nicht rächt und die Aschaffenburger den ausgelassenen Möglichkeiten nach dem Rückspiel nicht noch hinterhertrauern.

Sechziger werden doch noch mal gefährlich – Shabani hat die Führung auf dem Kopf

Nach gut einer Stunde fingen sich die Gastgeber etwas und hatten - auch bedingt durch den ein oder anderen Fehler, den auch die Aschaffenburger machten – etwas stärkere zehn Minuten. Der kurz zuvor eingewechselte Korbinian Linner schlug eine weite Flanke aus dem Halbfeld in die Mitte. Dort sprang Linor Shabani am höchsten und traf den Ball eigentlich perfekt mit dem Kopf – doch der starke Viktoria-Keeper Neuberger reagierte hervorragend und parierte zur Ecke (68.)! Nur eine Minute später fasste sich Rosenheims Philipp Maier ein Herz und hielt aus fünfundzwanzig Metern einfach mal drauf – doch wieder konnte Neuberger den Schuss abwehren.

Dies weckte auch das Rosenheimer Publikum auf. 1.400 Zuschauer waren an die Jahnstraße gepilgert und machten sich nun auch einmal lautstark bemerkbar. Es blieb allerdings beim kurzen Aufflackern der Rosenheimer Spielkunst. Danach wieder das gewohnte Bild. Viktoria Aschaffenburg dominant – Sechzig so gut es geht am hinterherlaufen und Lücken schließen.

Trotzdem fanden die Gäste immer wieder Mittel und Wege vor das Tor der Einheimischen. Es blieb ein Ritt auf der Rasierklinge. Die beste Möglichkeit für die Viktoria in der Schlussphase hatte Alban Lekaj. Er wurde auf halbrechts prima freigespielt, sah die Schusschance und zog aus etwa sechzehn Metern ab – doch Süßmaier, der an diesem Tag richtig stark hielt, war blitzschnell unten und rettete seiner Mannschaft das Unentschieden! Mit den Fingerspitzen kam er noch an den Ball und lenkte ihn zur Ecke (82.)! Rosenheim war mit diesem 0:0 wirklich äußerst gut bedient. Aschaffenburg musste sich die Haare raufen.

Rosenheim mit Unentschieden mehr als gut bedient – im Rückspiel ist alles drin

Doch auch in den verbleibenden Minuten gelang den überlegenen Gästen kein Treffer mehr. Die Viktoria hat anscheinend das Toreschießen verlernt. Wären die Aschaffenburger am heutigen Tag nur ein wenig effizienter gewesen – hätte sie das Duell mit dem TSV 1860 Rosenheim vielleicht schon im ersten Spiel entscheiden können.

Rosenheim war überraschend schwach und wirkte auch irgendwie nicht ganz da – das beste an diesem Hinspiel der zweiten Relegationsrunde war mit Sicherheit das Ergebnis. Anders als gegen Augsburg mussten die Gastgeber diesmal kein Auswärtstor hinnehmen und gehen so – trotz der klaren Unterlegenheit – sogar mit einem leichten Vorteil ins Rückspiel am Freitag (18:30 Uhr) am Aschaffenburger Schönbusch. Es bleibt also spannend. Auch wenn das Spiel heute enttäuscht hat – das Ergebnis stimmt. Die Regionalliga ist weiterhin absolut drin! Wenn die Rosenheimer nicht zwei mal in Folge einen solchen Tag erwischen!

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