TSV Kastl - FC Erding 3:1

Kastl kommt spät - und schafft fast die Vorentscheidung!

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
TSV-Coach Sven Vetter herzt den Doppeltorschützen Martin Göppinger (7).

Kastl - In einer furiosen Schlussphase hätte der TSV Kastl die Gäste vom FC Erding beinahe regelrecht vom Platz gefegt und bereits im Hinspiel dieser zweiten Runde der Landesliga-Relegation alles klar gemacht. Sogar ein 4:0 und damit mehr als die Vorentscheidung über den Aufstieg war möglich. Am Ende aber traf Erding nach vielen ausgelassenen Chancen doch noch - und darf vor dem Rückspiel am Samstag zumindest weiter hoffen.

aus Kastl berichtet Christian Schulz

In der Anfangsviertelstunde bekamen die knapp über 500 Zuschauer auf der Sportanlage des TSV Kastl das für Relegationsspiele so oft charakteristische Abtasten beider Mannschaften zu sehen. Ein typisches Hinspiel eben. Die Kastler dabei wesentlich weniger drängend als in der Vorwoche gegen Ergolding – aber da war es ja auch das Rückspiel und der TSV hatte nach einem ersten Spiel mit vielen Versäumnissen einen Rückstand aufzuholen. Hier sahen sie sich das erst mal genau an – und taxierten den auf dem Papier favorisierten, weil für einen Bezirksligisten relativ hochkarätig besetzten FC Erding.

Abtasten in der Anfangsphase

Die Elf von TSV-Coach Sven Vetter agierte gegen die hinten gut organisierten Gäste hauptsächlich mit langen Bällen, die auch immer wieder diagonal geschlagen wurden – allerdings selten Durchschlagskraft im Angriff entwickelten. Die Erdinger versuchten eher über kurze Pässe ihre vermeintliche spielerische Überlegenheit auch aufs Feld zu bringen – was ihnen zunächst aber auch nicht recht gelang. Denn auch die Gastgeber waren ihrerseits in der Abwehr wachsam und gut sortiert. So spielte sich das Geschehen hauptsächlich im Mittelfeld ab, in dem unzählige Zweikampfduelle ausgetragen wurden. Viel Verschieben, enge Räume und wenig Gefährliches in Nähe der Strafräume. So ließ sich das Dargebotene wohl am Besten beschreiben.

Service:

So etwas wie konkrete Torgefahr gab es in der ersten halben Stunde der Partie nur einmal: Nach einer Ecke von Erdings Gianluca Simari konnte die Abwehr des TSV den hereingebrachten Ball nicht per Kopf klären, das Leder fiel zu Boden und hüpfte auf Höhe des Fünfers quer zur Torauslinie. Doch auch FCE-Stürmer Ömer Gebesci kam im Chaos des entstehenden Getümmels nicht richtig an den Ball – und dieser trudelte in die auffangbereiten Arme von Kastls Schlussmann Egon Weber (16.).

Wenn Torgefahr – dann nur durch die Gäste

In der 38. Minute dann wieder Ecke für die Gäste -diesmal von rechts: Schön mitten rein in den Strafraum, gefährlich. Der lange Fabian Aupperle gewann das Kopfballduell gegen die Kastler Abwehrspieler – das Leder fast links unten drin, doch Pascal Kaiser kratzte es in höchster Not gerade noch von der Linie, der Ball ging quer ans gegenüberliegende Fünfereck – und dort wurde der Nachschussversuch von Anto Bonic ebenfalls nur zwei Meter vor der Linie zur Ecke geblockt. Ganze dicke Möglichkeit für Erding! Glück für Kastl.

Die Gegner stark und gefährlich bei Standards, Kastl goldrichtig stehend und hellwach beim Klären auf und vor der Linie – da war doch was. Was diesen Fakt anging, fühlte man sich unweigerlich an das Hinspiel der ersten Relegationsrunde in Ergolding erinnert. Sonst aber Kastl wesentlich besser im Spiel. Allerdings nicht so gut wie im letzten Heimspiel.

FCE bringt die Kugel einfach nicht unter

Als es fast schon schiedlich friedlich in die Halbzeitpause gegangen wäre, noch ein Aufreger: Kastl bekam bei einer Offensivaktion der Erdinger mehrfach das Leder nicht aus der gefährlichen Zone vor dem Strafraum, beziehungsweise kam es jedes Mal postwendend zurück in eben jenen. Kastl kurzzeitig konfus, plötzlich lag der Ball vor den Füßen von Ibrahim Aydemir, der völlig frei stand – doch zu überrascht war und in Rücklage weit am rechten Torpfosten vorbeizog (45.)! Eine hundertprozentige Möglichkeit.

Auch wenn die Kastler an und für sich ganz gut im Spiel dabei waren, wurden sie doch vor allem im zweiten Teil der ersten Hälfte zu passiv. Im Angriff kamen sie kaum zur Geltung. Und auch wenn Torchancen absolute Mangelware waren, gehörten sie – wenn es welche gab – den Gästen. Und es waren richtig gute. In der Summe hätten sich die Mannen des TSV, obwohl sie den Offensivbemühungen der Erdinger oft einen Riegel vorschoben und das Spiel über weite Strecken eine ausgeglichene Angelegenheit war, über eine Führung des FCE inklusive Auswärtstor so nicht unbedingt beschweren können.

Weber rettet Kastl vor dem Rückstand

Auch in den ersten fünfzehn Minuten der zweiten Halbzeit ein unverändertes Bild. Kastl kam nach vorne überhaupt nicht durch und wirkte in der ein oder anderen Szene tatsächlich auch nicht kreativ genug um die Erdinger Abwehr wirklich in Bedrängnis zu bringen. Dafür der FCE jetzt mit der nächsten hundertprozentigen, ihrer besten Möglichkeit des Spiels: Schnelles Kombinationsspiel, zu schnell für den TSV – und blitzschnell war der Ball aus dem Mittelfeld durch eine Gasse auf Gebesci durchgesteckt. Der tauchte ganz alleine vor Weber auf und wollte den Ball überlegt an diesem vorbei in die linke untere Ecke legen – doch der sichere Weber blieb ganz cool und rettete mit der rechten Hand fast am Boden im letzten Moment zur Ecke (56.)! Eine ganz starke Parade! Kastls Keeper bewahrte sein Team vor dem sicheren Rückstand.

Die Gäste konnten nun durchaus anfangen etwas damit zu hadern, dass sie hier – in einer ja trotzdem äußerst engen Partie gegen einen nicht zu unterschätzenden kampf- und willensstarken Gegner – noch nicht führten. Und gerade als die Gastgeber es einmal nicht ausschließlich über lange Bälle oder Geradeausläufe des schnellen Dominik Grothe versuchten, sondern selber versuchten zu kombinieren, erwischte es die Erdinger.

Kastl kann es auch spielerisch – Doppelschlag durch Göppinger

Feine, schnelle Kombination der Kastler im offensiven Mittelfeld - nun rissen auch Lücken im bis dahin so sicher stehenden Erdinger Abwehrverbund auf. Dies sah Kastls Kapitän Martin Göppinger und initiierte zwanzig Meter vor dem Gästetor sofort einen gescheiten Doppelpass mit Kaiser und spielte sich so frei in den Strafraum. Und die tolle Aktion wurde sogleich belohnt: Göppinger blieb ruhig, suchte sich eine Ecke aus – und versenkte das Leder zum 1:0 für den TSV Kastl (70.)! Wie aus dem nichts – aber klasse herausgespielt und sehenswert.

Keine drei Minuten später – Erding hatte sich noch nicht geschüttelt - hatte Göppinger offensichtlich noch nicht genug. Und seine nächste grandiose Aktion: Knappe 25 Meter vor dem Erdinger Kasten bekam er den Ball, überlegte nicht lange und schlenzte das Ding wunderbar in den rechten Winkel. FCE-Torhüter Timo Dörhöfer hätte vielleicht noch herankommen können, wenn er geflogen wäre – doch er schaute dem Ball nur noch hinterher. 2:0 – für den TSV (73.)! Was war denn hier jetzt los?

Erding bricht zusammen – 3:0 für Kastl

Das fragten sich wohl auch die Gäste und passten nun ihrerseits bei einer Standardsituation, der plötzlich unheimlich selbstbewusst auftretenden Kastler nicht auf. Dominik Grothe brachte das Leder bei einem Eckball von links scharf und flach in den Fünfer, Erdings Abwehr indisponiert – Chaos am kurzen Pfosten, ein Kastler mit der Hacke am Ball, dann ein Erdinger – Eigentor (81.)! 3:0 für Kastl – ein Wahnsinn! Hätte das nur zwanzig Minuten vorher jemand vorhergesagt – er wäre für verrückt erklärt worden. Die Erdinger waren hier in den letzten Minuten vollkommen eingebrochen.

In der 85. Spielminute hätten die Gastgeber sogar auf 4:0 stellen können, ja fast müssen. Markus Pospischil hatte den Abwehrspielern des FC Erding den Ball abgeluchst, war alleine durch – aber scheiterte am diesmal blendend reagierenden Dörhöfer. Vielleicht wäre das aber auch zuviel des Guten gewesen.

Gelb-Rot für den Matchwinner

Jetzt hieß es für die Kastler nur noch, ihre haushohe Steilvorlage fürs Rückspiel über die Zeit zu bringen. Doch in der 86. Minute verabschiedete sich ihr Matchwinner vorzeitig. Nachdem er zuvor bereits Gelb wegen Meckerns gesehen hatte, beging Göppinger ein dummes Foulspiel an der Seitenlinie auf Höhe der Spielfeldmitte – und sah sein zweites Gelb. Gelb-rot also – und der Kapitän musste zum Duschen!

Die Erdinger steckten, vielleicht auch dadurch bedingt, nicht auf und versuchten alles noch einmal heranzukommen und vor allem ein so wichtiges Auswärtstor zu erzielen. Die Kastler jetzt vielleicht auch schon zu selbstsicher. Ganz spät im Spiel rächte sich dies schließlich doch noch. Erdings Torwart Dörhöfer machte das Spiel von hinten heraus schnell und mit drei, vier Pässen, mit denen der FCE das komplette Mittelfeld überbrückte, fand das Leder durch die Gasse zum eingewechselten Tobias Bartl. Weber im Tor der Hausherren kam bei seinem Rettungsversuch zu weit aus diesem heraus – und wurde von Bartl von halblinks überlupft (91.)! Ein weiteres mal hinten nicht aufgepasst, doch noch den Auswärtstreffer kassiert – so schnell kann es gehen.

Wenn auch spät - Erding trifft doch noch

Erst dann war endgültig Schluss in Kastl. Was für eine turbulente Schlussphase! Die Kastler hätten hier fast schon für eine Vorentscheidung im Hinspiel gesorgt. Aber ihre Ausgangsposition vor dem zweiten Aufeinandertreffen in Erding am Sonntag ist jetzt natürlich trotzdem glänzend. Die starke Phase zum Ende des Spiels dürfte gehörig Selbstvertrauen bringen. Auch wenn das späte Gegentor natürlich ein Wermutstropfen ist – und allen beteiligten klar sein muss, dass dieses Duell aufgrund der Europacup-Regel noch lange nicht gelaufen ist.

Zurück zur Übersicht: Bezirksliga Ost

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare