TSV Kastl - FC Ergolding 2:0 n.V.

Kastl wie ausgewechselt: Cole köpft TSV in Runde Zwei!

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Matchwinner Amara Cole und sein TSV Kastl haben in Runde Eins der Landesliga-Relegation gut lachen.

Kastl - Vor 400 Zuschauern auf der heimischen Sportanlage gelingt dem TSV Kastl das Comeback in der ersten Runde der Relegation zur Landesliga und die Rehabilitation für das verpatzte Hinspiel in Ergolding. TSV-Trainer Vetter sagt es voraus - seine Mannschaft liefert. Der eingewechselte Amara Cole entscheidet das Spiel. Der zu passive FC Ergolding hat seine Chancen im Hinspiel - und lässt sie liegen.

aus Kastl berichtet Christian Schulz

Dass es in Kastl ein anderes Spiel werden würde, hatte Sven Vetter schon unmittelbar nach dem Hinspiel angekündigt. Und der Coach der TSV Kastl hielt Wort. Andreas Lahner war nach seinem urlaubsbedingten Fehlen wieder zurück im Team und auch nicht nur personell zeigte die Mannschaft der Kastler ein anderes Gesicht. Ein ganz anderes Auftreten, andere Zweikampfintensität, anderes Tempo und auch ein völlig verändertes Selbstvertrauen. Vielleicht war man im Hinspiel auch einfach zu nervös gewesen. Vetter hatte nicht zuviel versprochen, als er sagte: „Wir sind ein brutal starkes Heimteam! In Kastl muss erst mal jemand bestehen!“.

Kastl zuhause wie verwandelt

Ganz im Gegensatz zum ersten Aufeinandertreffen in Ergolding rollte der TSV-Express diesmal von Anfang an. In den ersten zehn Minuten taxierten beide Mannschaften sich noch, hatten wohl vor sich nicht zu früh in die Karten schauen zu lassen – dann ging es los. Die Hausherren an diesem Tag viel griffiger und galliger, regelmäßig mit ein, zwei Kombinationen im Mittelfeld und dann dem schnellen langen Ball in die Spitze. Und dieser war – ob steil oder diagonal - regelmäßig präzise und fand die schnellen Offensivspieler auf den Außen, welche die Abwehr der Niederbayern ständig vor Probleme stellten.

Weiter Ball von Lahner, Michael Hanglberger im Tor des FCE unterläuft diesen – doch Dominik Grothe kann diesen Fauxpas nicht ausnutzen (10.). Doch dies sollte der Auftakt für eine zwanzigminütige Drangperiode der Einheimischen sein.

Ergolding erstaunlich zurückhaltend

Die Ergoldinger überraschend passiv auftretend. Das hatte man sich angesichts des Verlaufs des Hinspiels doch anders vorgestellt. Und vor allem erwartet, dass die Gäste hier mit wesentlich breiterer Brust auftreten würden. Zu überlegen waren sie im ersten Spiel, in dem die Kastler ein Heidenglück hatten, mit einem 0:1 davon gekommen zu sein.

Service:

Offensiv fanden diesmal die Ergoldinger überhaupt nicht statt. Zu selten kamen sie in des Gegners Hälfte – und wenn dann kam nie ein konstruktiver Spielzug dabei herum. Auch sie operierten – wie im Hinspiel – mit vielen langen Bällen. Allerdings vollkommen erfolglos. Hatten in Ergolding die Offensivkräfte des FCE noch regelmäßig den Ball vorne festmachen oder zum eigenen Mitspieler abtropfen lassen können, wurde das Leder im Rückspiel meist planlos nach vorne geschlagen oder es handelte sich gleich um einen Befreiungsschlag.

Kastls Führung Startschuss zu Chancen im Minutentakt

Nach etwa zwanzig gespielten Minuten zeigten die Angriffsbemühungen der Hausherren, die ja das Ergebnis des Hinspiels aufholen mussten, erstmals Erfolg: Leonhard Thiel ging nach einem passgenauen langen Ball aus dem Zentrum in den Rücken der Ergoldinger Verteidigung am rechten Flügel mutig und beherzt ins Dribbling, spielte seinen Gegner schwindlig, setzte sich durch und gab von der Torauslinie diagonal zurück in die Strafraummitte. Dort kam Michael Aigner ans Leder und versenkte es unter Zuhilfenahme des linken Innenpfostens im Tor von Hanglberger (19.). 1:0 für Kastl! Das Hinspielergebnis war vorerst egalisiert.

Knappe fünf Minuten später hätten die Kastler fast den Doppelschlag gelandet. Wieder präziser langer Ball in die Spitze. Die Ergoldinger Verteidiger hatten gehörig Probleme mit diesem Stilmittel und seiner technisch gelungenen Umsetzung. Teilweise wirkten sie gar überfordert. Diesmal lief der Angriff über links und es war Philipp Grothe, der sich im Dribbling durchsetzte. Von ihm kam der Ball zu Pascal Kaiser. Der gab quer herein in Richtung Dominik Grothe – der noch abgefälschte Ball fand den Mitspieler, doch dieser schoss freistehend aus etwa zwölf Metern weit über das Tor (24.).

Und der TSV Kastl ließ nicht nach. Die Abwehr der Niederbayern in dieser Phase unter Dauerdruck. Und es wurde im Minutentakt gefährlich. Plötzlich war nach einem durchgesteckten Ball Thiel halbrechts im Strafraum durch. Er hätte selbst schießen können, die Position war aussichtsreich – legte jedoch quer und suchte den äußerst agilen Kaiser. Der allerdings kam mit seiner Grätsche nicht mehr vor Torwart und Verteidiger an die Kugel und spielte Foul. Auch diese gute Chance also vertan (26.).

Kastl dominiert die erste halbe Stunde – dann gelingt den Gästen zaghafte Entlastung

Das erste Spieldrittel gehörte ganz klar den Kastlern. Erst nach über einer halben Stunde gelang es den Gästen ab und an sich zu befreien. Mehr als ein paar Halb- oder Viertelchancen sprangen dabei jedoch nicht heraus. Wirklich gefährlich wurden sie nur selten. Wie beispielsweise als Armin Schnur nach einem Konterangriff über halbrechts aus sehr spitzem Winkel abschloss. Doch der umsichtige Egon Weber im Tor des TSV war unten im Eck und konnte parieren (35.). So ein Ball kann auch mal durchrutschen, wenn man den Keeper auf dem falschen Fuß erwischt. Sich allerdings darauf und vielleicht auf eine Standardsituation zu verlassen war zu wenig – und ein Vabanquespiel. Auch mit einem 1:0 aus dem Hinspiel im Rücken. Um aus eigener Kraft zum vielleicht so wichtigen und entscheidenden Auswärtstor zu kommen hätte man viel mehr tun müssen.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild, welches die 400 Zuschauer geboten bekamen etwas. Kastl jetzt nicht mehr mit ganz soviel Schwung und Offensivdrang. Einerseits kann man ein solches Tempo wohl nicht über neunzig Minuten gehen, andererseits wurde man auch vorsichtiger. Ein mögliches Gegentor hätte schließlich das eventuelle Aus bedeuten können. Ergolding hingegen nicht mehr ganz so passiv wie in Hälfte Eins, griff nun mehr auch selbst ins Spiel ein – vielleicht erinnerten sich die Gäste ja auch an ihre eigenen durchaus vorhandenen Fähigkeiten. Kastl also mit ein bisschen weniger Vorwärtsdrang, Ergolding mit ein wenig mehr und jetzt auch konstruktiver – man traf sich irgendwo in der Mitte.

Keine Großchancen – aber das Spiel wird hitziger

Vor den Toren tat sich zwar ab und an etwas – und zwar jetzt auf beiden Seiten. Aber Großchancen waren das nicht. Ein Kopfball hier, ein Freistoß da, eine verpasste Hereingabe dort. Die besten Möglichkeiten vergaben der eingewechselte Michael Roider auf Seiten der Ergoldinger per Kopf und Freistoß, sowie Kastls Kaiser und Dominik Grothe, der für die Heimelf eine Hereingabe nicht im Kasten unterbringen konnte.

Mit zunehmender Spieldauer kamen die Gäste besser ins Spiel. Nun war das Geschehen ausgeglichener. Aber auch die Situation wurde immer brisanter. Setzt Kastl den finalen Punch? Oder legt der FCE dem TSV doch noch ein Auswärtsei ins Nest und beendet alle Kastler Landesliga-Träume? Das waren die Fragen, die es nun zu klären galt. Beide Teams und auch die Zuschauer wurden emotionaler. Teilweise wurde es hitzig auf dem Spielfeld und Schiedsrichter Thomas Wagner aus Bad Aibling hatte alle Hände voll zu tun, die Kontrahenten auseinander zu halten.

Schiedsrichter übersieht Notbremse

Dies erledigte er über weite Strecken ordentlich, jedoch unterlief ihm auch ein grober Lapsus, der hätte spielentscheidend sein können: In der 76. Minute wurde Kastls Dominik Grothe nach einem Konter aus dem Mittelfeld heraus wunderbar direkt freigespielt, war durch und hatte nur noch Ergoldings mittlerweile eingewechselten Ersatzkeeper Moritz Riedl vor sich und einen Abwehrspieler im Nacken. Dieser senste Grothe rüde um doch die Pfeife des Referees blieb stumm. Er hatte die Szene schlichtweg nicht gesehen, wie sein unmittelbarer Blick in Richtung seines Assistenten an der Linie verriet. Ein klares Foulspiel des letzten Ergoldinger Feldspielers – hier hätt es eigentlich Rot geben müssen! Gab es aber nicht und auch am Spielstand änderte sich in der Schlussphase, in der beiden Teams die Nervenanspannung immer deutlich anzumerken war, nichts mehr. Verlängerung in Kastl.

Beide Mannschaften beharkten sich nun mit den allerletzten Kräften. Diese Auseinandersetzung über zwei Spiele war kräftezehrend und das merkte man nun auch. Nur mehr einzelne Spieler stachen heraus und konnten auf sich aufmerksam machen. Zu ihnen gehörte der eine Viertelstunde vor Schluss von Vetter eingewechselte Amara Cole.

Joker Cole mit der Entscheidung – Grothe glänzt als Flankengeber

Chancen nun hauptsächlich nach Fehlern des Gegners oder aufgrund von Räumen, die wegen der schwindenden Kräfte nicht mehr geschlossen werden konnten. Auf beiden Seiten. Das war jetzt hopp oder top hier in Kastl. Eine Prognose hinsichtlich des Ausgangs dürften sich wohl die Wenigsten zugetraut haben. Sollte es etwa ins Elfmeterschießen gehen?

Sollte es nicht! Denn noch einmal konnte sich der TSV Kastl entscheidend durchsetzen: Nach einer mustergültigen Flanke von Laufwunder Dominik Grothe von rechts stand Cole am langen Fünfereck goldrichtig, blieb eiskalt - und nickte perfekt zum 2:0 ein (98.)! Der TSV hatte das Ding tatsächlich gedreht! Grothe und Cole avancierten zu den Matchwinnern.

Platzverweis für Hirschmüller bedeutet endgültiges Aus für Ergolding

Nachdem in der 114. Minute auch noch Ergoldings Patrick Hirschmüller nach einem verweifelten Foul an Cole, der mit legalen Mitteln kaum zu bremsen war, mit Gelb-Rot vom Feld musste war die erste Runde der Relegation entschieden. Kastl spielte die restliche Zeit routiniert von der Uhr – dann brachen die Jubelstürme los! Der TSV darf weiter von der Landesliga träumen. Was für eine Erfolgsstory.

Aufgrund der klaren Leistungssteigerung und der perfekten Antwort auf das verpatzte Hinspiel, sowie des unter dem Strich größeren Willens, zieht der TSV Kastl völlig verdient in die zweite Relegationsrunde ein. Weiter geht es bereits am Donnerstag (18:30 Uhr) und Sonntag (16:00 Uhr) gegen den FC Erding, welcher dem 1.FC Passau die direkte Rückkehr in die Landesliga vermiesen konnte. Allerdings in nur 180 Minuten. Wie entscheidend der Kräfteverschleiß der Kastler in diesem erst in der Verlängerung entschiedenen Rückspiel gegen Ergolding sein wird, wird sich herausstellen.

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