Beinschuss-Direkt mit Kastl-Trainer Sven Vetter

"Wir genießen im Moment wirklich jeden Augenblick!"

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So kennen die Fans Trainer Sven Vetter vom TSV Kastl: Fußballverrückt und immer zu 100 Prozent voll bei der Sache!

Kastl - Sie sind das absolute Überraschungsteam der noch jungen Landesliga-Spielzeit: Der TSV Kastl ist dank eines kometenhaften Saisonstarts derzeit in aller Munde und winkt nach fünf Spieltagen allen Verfolgern vom Platz der Sonne zu. Wir haben Coach Sven Vetter gefragt, woher der unglaubliche Erfolg kommt und wie die Zukunftspläne für den Verein aussehen!

Beinschuss-Direkt: Servus Sven! Fünf Siege in fünf Spielen, Tordifferenz 12:3, souveräner Tabellenführer: So kann man als Aufsteiger schon mal die Landesliga aufmischen! Hättest du vor der Saison geglaubt, dass ihr so einen Traumstart hinlegt?

Sven Vetter: Nein, dass hätte ich natürlich nicht geglaubt. Unser Wunsch war es eigentlich, nach fünf Spielen so sieben bis acht Punkte zu haben und sicher im Mittelfeld mitzuschwimmen. Dass wir stattdessen an der Spitze stehen, damit hätte wohl niemand gerechnet. Aber das ist eine absolut sensationelle Sache, die gerade passiert, und wir genießen wirklich im Moment jeden Augenblick davon!

Liegt es daran, dass sich das Niveau zwischen Bezirksliga und Landesliga gar nicht so sehr unterscheidet?

Nein, das würde ich nicht sagen. In der Landesliga ist das alles schon noch einmal einen Zacken heftiger. Hier kicken gestandene Spieler, die teilweise auch schon aus der Bayernliga kommen. Die haben natürlich schon umfangreiche fußballerische Erfahrungen, aber wir sind froh, dass wir uns mit diesen Teams messen können und uns somit Stück für Stück weiterentwickeln.

Was macht euch so stark? Woher kommt euer unglaubliches Selbstvertrauen, dass ihr zum Beispiel auch Holzkirchen auswärts 3:0 auf die Mütze geben könnt? Was hebt euch aktuell so von den anderen Teams aus der Liga ab?

Das ist alles sehr schwer zu sagen. Wir haben ja erst gegen ein paar Mannschaften gespielt. Was ich aber gesehen habe ist, dass wir einfach kämpferisch und konditionell auf einem hohen Level sind. Meine Jungs rennen 90 Minuten an! Das sieht man auch daran, dass wir viele Tore in der Schlussphase schießen. Das Team ist einfach fit und kann jederzeit gefährlich werden, das wissen auch unsere Gegner.

Es heißt wer zum TSV Kastl kommt, den erwartet eine gute Fußballschule, eine komplette Sportausrüstung und ein kompaktes Team - aber kein Geld. Würde sich das bei einem erneuten Aufstieg oder auch so irgendwann ändern? Und falls nicht: Hast du Angst ein paar deiner Spieler zu verlieren, die vielleicht von anderen Vereinen mit anderen Möglichkeiten gelockt werden?

Schon vor der Saison kamen einige Anfragen von Vereinen, die natürlich gewisse finanzielle Mittel bieten konnten. Einige Spieler haben sich das angehört - sind dann aber doch bei Kastl geblieben. Ich glaube alle Beteiligten wissen einfach, dass wir ein überragendes Team sind. Auch die Neuzugänge haben perfekt ins Schema gepasst, sich super integriert. Das sieht man auch im Training. Ich habe dort 18-20 Jungs auf dem Platz, die alle richtig Bock auf Fußball haben. Da kommen einige sogar mehrmals in der Woche aus München runter, nur weil wir eine geschlossene Gemeinschaft sind, die Spaß an diesem Sport hat. An so etwas wie einen Aufstieg oder wie die Rahmenbedingungen dann aussehen würden, denken wir gar nicht. Wir wollen einfach jede Woche mit einem guten Gefühl auf den Rasen gehen. Und wenn es dann am Ende sogar wieder eine Etage tiefer gehen würde, dann wäre das auch kein Weltuntergang. Für uns war die Teilnahme an der Bezirksliga schon eine Sensation.

Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass nach diesem Start nicht nur die Spieler sehr begehrt sind, sondern auch der Trainer. Egal wie die Saison ausgeht, siehst du deine Zukunft beim TSV Kastl?

Bei Zukunftsplänen bin ich immer sehr weit weg. Fußball ist ein sehr schnelllebiges Geschäft, man weiß nie so recht, was urplötzlich auf einen zukommen kann. Ich genieße gerade einfach alles so wie es ist und mach mir absolut keine Gedanken, wo ich vielleicht irgendwann mal trainiere. Im Winter werden trotzdem Gespräche mit dem Verein stattfinden, da mein Vertrag 2017 ausläuft.

Mal abgesehen von den Ergebnissen und der Tabellensituation: Gibt es Dinge bei den Spielen oder in der bisherigen Saison, die dir besonders gefallen haben oder auch Dinge, die du tatsächlich kritisieren kannst?

Sehr gefallen hat mir auf jeden Fall, dass alle in der kompletten Vorbereitung super mitgezogen haben! In den Spielen wird auch vorbildlich das umgesetzt, was wir vorher taktisch besprechen. Aber alles ist natürlich trotz der Situation noch nicht perfekt. Einige Spieler müssen noch etwas in die Saison reinkommen, es gibt auch auf dem Platz die ein oder anderen Abstimmungsprobleme. Man hat es gegen Rosenheim letztes Wochenende gesehen: Da kamen wir in den ersten 20 Minuten gar nicht in die Gänge und hätten uns nicht wundern dürfen, wenn wir in Rückstand geraten wären. Da sag ich natürlich auch bei einem Sieg, dass einige Sachen noch besser funktionieren müssen. Aber sonst bin ich bis jetzt sehr zufrieden.

Euch erwarten in den nächsten Wochen einige heiße Duelle! Am Freitag geht es zum Derby-Kracher nach Erlbach, die Woche darauf kommt der SBC Traunstein ins Dorf. Erwartest du, dass die Spiele jetzt als Tabellenführer etwas leichter werden oder sind sie pro Woche gar härter, weil man natürlich so lange wie möglich an der Spitze bleiben möchte?

Uns stellt sich natürlich schon langsam die Frage: "Wann sind wir mal dran?" Ich als Trainer und ich denke auch viele der Jungs machen sich schon einige Gedanken. Unser Ziel ist es aber, so schnell wie möglich 40 Punkte zu haben. Ansonsten ist unabhängig von der Tabelle die Situation immer gleich. Wir denken von Spiel zu Spiel, nehmen jeden Gegner gleich ernst und machen uns absolut keinen Druck. Es ist immer noch Fußball: Vor dem Spiel gegen Freising hatte wahrscheinlich keiner geglaubt, dass der TSV Kastl als Sieger vom Platz geht. Und dennoch war es so. Wir müssen einfach schauen, dass wir über die Saison hinweg konstant gute Leistungen bringen.

Ein Team, ein Verein, ein Dorf: Wie groß ist der Beitrag der Fans auf die bisherige Erfolgssträhne? 

Da kann ich als Trainer nur sagen: Die Fans sind phänomenal! Da werden stetig Trainerbusse organisiert, Jung und Alt ist immer vor Ort: Wahnsinn! Daher würde ich sagen, dass sie alle einen großen Anteil daran haben, dass wir dort stehen wo wir stehen. Die Fans wissen ja auch, wo wir herkommen, nämlich aus der A-Klasse. Und so viele Erfolge wie wir seit damals schon gefeiert haben - da sind einfach alle im Fußballfieber, das ist doch klar!

Eine abschließende Frage Sven: Was ist das offizielle Saisonziel? Was ist dein persönliches Saisonziel?

Offizielles Ziel ist natürlich der Klassenerhalt! Mein persönliches Ziel ist es, dass sich die komplette Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt, wir in jedem Spiel einfach Spaß haben und dass wir die Landesliga einfach so lange wie möglich genießen können!

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