VfB Hallbergmoos - ESV Freilassing 0:0

Freilassing bringt Hallbergmoos an Rand einer Niederlage

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Immer besser durchsetzen konnten sich in der zweiten Halbzeit Robert Schiller (blau) und seine Eisenbahner in Hallbergmoos. Nur treffsicher genug waren sie nicht.

Hallbergmoos - Nach einer äußerst druckvollen ersten halben Stunde der Gastgeber vom VfB Hallbergmoos können sich die Kicker des ESV Freilassing vor allem in der zweiten Halbzeit immer mehr emanzipieren und freischwimmen. Am Ende eines starken zweiten Durchgangs haben die Eisenbahner die besseren Chancen - und es wäre vielleicht sogar ein Sieg drin gewesen.

aus Hallbergmoos berichtet Christian Schulz

Für die Freilassinger war es eine beschwerliche Auswärtsaufgabe – nicht nur weil sie am Freitagabend 170 Kilometer zurückzulegen hatten. Auch weil sie verletzungsgeplagt mit dezimiertem Kader und zusätzlich mit der Erinnerung an vier sieglose Spiele in Folge die Reise in die Nähe des Münchner Flughafens antreten mussten. Das letzte Spiel gewinnen konnten die Eisenbahner Anfang September beim 3:1 in Töging. Dementsprechend abgerutscht waren sie in den letzten Wochen auch in der Tabelle.

Doch auch die Gastgeber vom VfB Hallbergmoos schleppten ihr Päckchen mit sich rum. Nach dem Aufstieg der Ismaninger und den personellen Verlusten der in der vergangenen Spielzeit so starken Deisenhofener rechneten viele in dieser Saison mit dem VfB als einem der absoluten Aufstiegsfavoriten in die Bayernliga. Und wohl auch die Hallbergmooser selbst sahen sich, angesichts der ein oder anderen Verstärkung, in dieser Rolle. Gerecht werden konnten sie ihr allerdings auch in dieser Hinrunde nicht. Nie so richtig in Fahrt gekommen, sprach ein - für die Ambitionen der Hausherren - enttäuschender achter Tabellenplatz Bände.

Der VfB spielt auf - Freilassing verteidigt mit Mann und Maus

Im Verlaufe der ersten Halbzeit deuteten sie ihre vorhandene spielerische Klasse immer wieder an, entscheidend durchsetzen konnten sie sich allerdings nicht. Das Geschehen im heimischen Stadion dominierten sie allerdings deutlich. Ein ums andere Mal versuchten sie das Spiel zu verlagern und so den Abwehrriegel der Grenzstädter zu knacken. Mehrmals sorgten sie so zwar für gehörig Verwirrung in der Hintermannschaft der Gäste, die aufgrund des Wissens um ihre Negativbilanz auch des öfteren nervös agierten – oft genug bissen sie sich aber auch an den bemüht verteidigenden Freilassingern die Zähne aus.

Service:

Der ESV selber suchte sein Heil naturgemäß in einer verstärkten Defensive. Aus einer kompakten Abwehr heraus sollte zunächst Sicherheit gesammelt werden, um anschließend zu schauen ob nach vorne vielleicht Nadelstiche möglich sein sollten. Diese blieben allerdings spärlich gesetzt. Zu zaghaft wagten sich die Eisenbahner einerseits selber offensiv aktiv zu werden und damit eventuell ihrem Kontrahenten die Räume anzubieten, auf die dieser wartete. Zu sehr wurden sie andererseits allerdings auch von den Hausherren in der eigenen Abwehr beschäftigt und gebunden.

Die Rollenverteilung war also klar. Der VfB Hallbergmoos machte das Spiel und versuchte über seine spielerische Überlegenheit die Lücke in der vielbeinigen Gästeabwehr zu finden. Die Freilassinger hingegen versuchten hinten so wenig wie irgend möglich zuzulassen und lauerten, so es ihnen möglich war – auf den einen entscheidenden Konter.

Früher Elfmeter für Hallbergmoos - vorbei!

Nach nur elf Minuten wären die Gastgeber fast schon in Führung gegangen: Nach einem vermeintlichen Foul an Gerrit Arzberger durch Freilassings Andreas Högler zeigte Schiedsrichter Tobias Beyrle auf den Punkt. Arzberger war über halblinks mit Tempo in den Strafraum eingedrungen, Högler grätschte, berührte seinen Gegenspieler, der auch erst wesentlich später – und eher durch selbst verschuldetes Stolpern – zu Fall kam, allerdings nicht oder kaum. Eine mehr als zweifelhafte Entscheidung. Den Strafstoß übernahm VfB-Top-Stürmer Benjamin Held – seinflach getretener Elfmeter ging jedoch links unten am Tor vorbei.

Hallbergmoos - ESV Freilassing

Danach Hallbergmoos weiter am Drücker: Maximilian Hellinger zog aus etwa zwanzig Metern halbrechter Position einfach mal ab – sein strammes Geschoss parierte ESV-Goalie Stefan Schönberger klasse per Fußabwehr zur Ecke (18.).

Keine zehn Minuten später die Riesenchance für die Hausherren: Einen Freistoß zwanzig Meter vor dem Gehäuse der Grenzstädter brachte Halbergmoos' Andreas Kostorz mit raffiniertem Schnitt in die Mitte, am Fünfer kam Stefan Huber, einer der auffälligsten VfB-Akteure, zentral frei zum Flugkopfball – verfehlte aber die lange Ecke (26.)! Das hätte die 1:0 Führung für Hallbergmoos sein müssen!

Nachdem der VfB die Führung liegen lässt, trifft der ESV - Abseits!

Ihren einen Konter in Halbzeit Eins bekamen die Eisenbahner, welche zuvor lediglich durch einen wenig gefährlichen Freistoßversuch aufallen konnten, allerdings. Und zwar kurz vor der Pause: Glänzend gespielter Tempogegenstoß, es ging zu schnell für die VfB-Abwehr, ESV-Nachwuchskraft Muhammed Ergüden spielte mustergültig aus dem Zentrum durch die Schnittstelle hinaus auf den linken Flügel zu seinem Kapitän Albert Deiter – und dessen präzise Hereingabe setzte Michael Mayer eiskalt in die Maschen (40.)! Doch das Schiedsrichtergespann meinte bei diesem letzten Abspiel eine hauchdünne Abseitsstellung erkannt zu haben und verweigerte dem Treffer die Anerkennung.

Vielleicht wäre das des Guten zuviel gewesen, aber das hätte es auch gut und gerne sein können für die Gäste. Und es wäre für die in der Tabelle in Not geratenen Freilassinger, die hier mit allem was sie hatten versuchten sich zu behaupten, so wichtig gewesen. So ging es nach einer einseitigen ersten Hälfte mit einem torlosen Unentschieden in die Kabinen.

Die zweite Hälfte gestaltet sich anders

In der zweiten Halbzeit gestaltete sich die Dramaturgie des Spiels nicht mehr so eindeutig. Sie verschob sich sogar mehr und mehr in Richtung der kämpferisch starken Gäste. Zumindest, was die torgefährlichen Aktionen anging. Zwar waren die Hallbergmooser noch immer mehr im Ballbesitz und hätten auch weiter liebend gerne eine Lücke im Abwehrverbund des ESV gefunden – allerdings wussten sie auch zunehmend weniger damit anzufangen.

Hier zeigte sich, warum der VfB nicht weiter vorne im Landesliga-Tableau zu finden ist. Und genau darüber verloren die Gastgeber die Geduld, wurden in ihren Aktionen ungestümer und ungenauer – kurz überhastet. Dies wussten die cleveren Eisenbahner jetzt durch brandgefährliche Konter und genau gespielte Bälle in schöner Regelmäßigkeit zu nutzen.

Die guten Chancen haben jetzt die Eisenbahner

Erst erreichte ein punktgenau geschlagener langer Ball der Freilassinger den jungen Ergüden. Der hätte eigentlich alleine aufs Tor zugehen können, entschied sich aber noch vor dem Sechzehner abzuschließen – eine Fehlentscheidung. Sein harmloser Schuss stellte Osman Qeku im Kasten des VfB vor keinerlei Probleme (56.).

Dann bekam bei einem der Freilassinger Vorstöße Deiter halblinks im Strafraum den Ball serviert. Der in dieser Saison noch nicht gewohnt treffsichere Stürmer der Eisenbahner visierte aus etwa dreizehn Metern das lange Ecke an – aber Qeku war zur Stelle und lenkte das Leder gerade noch zur Ecke (63.).

Keine fünf Minuten später fast eine Wiederholung dieser Szene: Deiter wurde fein per hohem Ball aus dem rechten Halbfeld in Szene gesetzt und kam in ähnlicher guter Position wie zuvor frei zum Abschluss – diesmal allerdings war sein Schussversuch zu lasch. Der gut aufgelegte Qeku hatte keine Mühe das Leder abzufangen (68.).

Freilassing erarbeitet sich immer mehr Vorteile

Gegen Ende der Partie verlor der VfB Hallbergmoos dann völlig die Linie. Von der Spielkunst der ersten Halbzeit war nun nichts mehr zu sehen. Pässe über wenige Meter kamen nicht mehr an oder sprangen ins Aus, die Laufwege stimmten nicht mehr – und der ESV Freilassing übernahm das Ruder.

Mit jeder gelungenen Aktion holten sich die Grenzstädter mehr Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und begannen ihrerseits die Gastgeber immer öfter in deren Spielfeldhälfte zu beschäftigen und unter Druck zu setzen. Mittlerweile war es, angesichts ihrer Möglichkeiten, eine wirklich starke Vorstellung, welche die Gäste hier zeigten – und sich etwas zutrauten.

Schockmoment und Riesenchance zum Sieg für den ESV!

Einen Zittermoment mussten sie allerdings noch überstehen: Angriff der Hallbergmooser, die sich endlich einmal wieder durchsetzen konnten, über halbrechts. Das Leder wird schnell durchgesteckt auf den quirligen Huber, der vom rechten Fünfereck überlegt zurücklegt – aber sein eingewechselter Teamkollege Michael Kopp schoss aus bester Position flach am linken unteren Eck vorbei, an dem auch noch ein Mitspieler völlig blank gestanden wäre (84.)! Glück für den ESV! Das Glück der Tüchtigen.

Doch auch die Eisenbahner ihrerseits, die in dieser zweiten Hälfte unter dem Strich überlegen gewesen waren, bekamen noch die Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Und was für eine. Eine hundertprozentige Chance! Hoher Ball der Freilassinger in die zentrale Spitze, Halbergmoos' Defensive unsortiert und auf dem falschen Fuß erwischt, Daniel Leitz legte wunderschön per Kopf ab auf Ergüden – der kam im Strafraum in bester Position frei zum Schuss, aber schoss ganz knapp links am Kasten vorbei (87.)! Das hätte es sein können für den ESV!

Rot für Freilassings Weishäupl

Auch danach noch einmal kurzzeitig erhöhte Aufregung: Allerdings nicht vor den Toren, sondern auf Höhe der Mittelinie. Nachdem Schiedsrichter Beyrle zunächst ein Foulspiel an einem Freilassinger übersehen hatte, rutschten je ein Spieler jedes Teams mit hohem Tempo in den Ball. Freilassings Marco Weishäupl kam minimal zu spät, erwischte seinen Kontrahenten im Dress des VfB jedoch krachend. Beyrle zeigte nach kurzem Zögern und einigen Zurufen glatt Rot (89.)! Sicher es war ein hartes Einsteigen, allerdings von beiden - Rot somit überzogen. Für die Eisenbahner, denen derzeit reihenweise die Spieler ausfallen, natürlich bitter.

Kurz darauf war dann Schluss. Der ESV Freilassing hatte sich den einen Punkt hier aufgrund der engagierten zweiten Halbzeit redlich verdient. Aufgrund des klaren Chancenplus in Durchgang Zwei hätte man vielleicht sogar als Sieger vom Platz gehen können – dazu hätte man sich allerdings im Abschluss treffsicherer erweisen müssen. Nichts desto trotz – gerade angesichts der doch klaren Überlegenheit der Gastgeber in den ersten 30 Minuten – ein Auswärtspunkt, mit dem die Eisenbahner gut leben können.

Eisenbahner mit dem Punkt zufrieden

Ähnlich sah es auch ESV-Coach Uli Habl nach der Partie: „Ich bin zunächst einmal froh, dass wir hinten zu Null gespielt haben. Das war einfach wichtig. Gerade nach den letzten Spielen. So holt man sich wieder Selbstvertrauen – gerade bei einem starken Team wie Hallbergmoos. Das ist das, was wir aus diesem Spiel mitnehmen können. Klar, wenn man die Chancen in der zweiten Halbzeit sieht, hätten wir auch gerne gewonnen. Und bei unserer Tabellenlage hätte uns das natürlich noch mehr weitergeholfen. Aber wir sind mit einem Punkt hier auswärts - und noch dazu ohne Gegentor - sehr zufrieden!“.

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