TuS Holzkirchen - TSV Kastl 0:3

Wahnsinns-Kastl auch in Holzkirchen erfolgreich!

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Vier Spiele, vier Siege. Die Kastler reiten weiter mit größtem Vergnügen eine Welle, die bis dato nicht bricht. Ausgelassene Stimmung beim TSV.

Holzkirchen - Der sensationelle Lauf des Aufsteigers aus Kastl scheint kein Ende zu nehmen. Auch das vierte Landesligaspiel der Vereinsgeschichte schlossen die Jungs von Trainer Sven Vetter mit einem Sieg ab. Grundlage für den Dreier war ein Dreierpack eines Startelf-Debütanten!

von der Haid Road berichtet Christian Schulz

Die Ausgangslage vor dieser Partie war klar. Von der Tabelle her war es das absolute Spitzenspiel der Landesliga Südost. Mit dem TuS Holzkirchen und dem TSV Kastl trafen zwei Teams aufeinander, welche beide aus ihren bisherigen drei Matches die maximale Punkteausbeute von neun Zählern herausholen konnten. Nur Siege standen also zu Buche. Damit teilten sie sich die Tabellenführung.

Lediglich ein Fakt war dann doch ungleich – während die Holzkirchener schon seit Jahren in der Landesliga ihr Können unter Beweis stellen, sind die Kastler ein frisch gebackener Aufsteiger, der mit seinem Saisonstart alle überrascht hat. Die Frage war also: Macht Holzkirchen hier Schluss mit lustig – oder aber machen die Kastler unbekümmert einfach da weiter, wo sie aufgehört haben? Alle Zutaten für einen spannenden Kick waren also vorhanden.

Holzkirchen verschläft Beginn - Kastl voll da

Der Start in die Partie verlief unerwartet. Wer gedacht hätte die Holzkirchener würden mit ihrer bekannten Heimstärke gegen den Landesliga-Frischling sofort loslegen, sah sich getäuscht. Im Gegenteil – der TuS verschlief hier die Anfangsphase komplett. Fahrig, schläfrig, unkonzentriert – mit zu wenig Zug und jeder Menge eigenen Fehlern im Aufbau. Der TSV Kastl hingegen war sofort da – und hellwach.

Schon nach sechs Minuten die Führung für die Gäste aus dem Landkreis Altötting. Nach einem verunglückten Rückpass der Holzkirchener, spritzte Kastls Timo Pagler dazwischen und hob den Ball über den herauseilenden TuS-Keeper Benedikt Zeisel. Abwehrspieler Lars Doppler versuchte im Hinterherlaufen noch zu retten, was zu retten war – traf allerdings bei seiner Grätsche den Ball nicht mehr richtig und das Leder kullerte ins Tor (5.)! Was war nur mit diesen Kastlern los? Schon wieder lagen sie in Front.

Führung für Kastl - und eine ganz knappe Entscheidung

Und hätten ihre Führung im Anschluss fast ausgebaut: Bei einem der weiteren gefährlichen Vorstöße des TSV und einem erneuten Abwehrschnitzer des TuS hatte Philipp Grothe den Torhüter schon umkurvt und versuchte einzuschieben – diesmal allerdings konnten die Holzkirchener in höchster Not auf der Linie klären (13.). Nach übereinkommender Meinung vieler Anhänger beider Seiten hatte der Ball allerdings die Kreidemarke schon überschritten – abschließend klären ließ sich das nicht.

Service:

Die 325 Zuschauer an der Haidstraße, davon auch etliche aus Kastl (die u.a. mit einem eigenen Fanbus angereist waren) rieben sich jedenfalls verwundert die Augen. Sollten die frechen Kastler tatsächlich auch hier in Holzkirchen auftrumpfen und eines der etablierten Teams der Landesliga auf eigenem Platz zerlegen? Immerhin hätten sie nach der Anfangsviertelstunde gut und gerne mit zwei Toren führen können, die ein oder andere weitere gute Abschlussmöglichkeit kam dazu.

Gastgeber finden erst nach über zwanzig Minuten ins Spiel

Ganz so kam es dann aber doch nicht. Nach etwa zwanzig Minuten wachte die Heimelf nach und nach auf und fing sich. Die Holzkirchener versuchten jetzt endlich ihr gewohntes Spiel aufzuziehen, wurden aktiver und selbstbewusster. Die Kastler Kontergefahr blieb aber nach wie vor – ob real oder abstrakt – immer präsent.

TuS Holzkirchen - TSV Kastl

Die beste Gelegenheit hatten die Hausherren trotz ihrer gefälligen, mehr und mehr feldüberlegenen Spielweise und ihrer oft schnellen Kombinationen über mehrere Stationen mit einer Standardsituation: Benedict Gulielmo hämmerte einen Freistoß aus knapp zwanzig Metern zentraler Position flach an den linken Pfosten (30.)! TSV-Keeper Egon Weber war noch am Ball.

Holzkirchen bemüht sich - Kastl lässt es an sich abprallen

Danach passierte bis zur Pause toremäßig nichts mehr. Holzkirchen spielerisch sicherlich tonangebend - je mehr sie ins Spiel kamen, desto deutlicher. Aber ihr Druck erstreckte sich immer nur bis etwa zwanzig Meter vor das Tor der Gäste. Dann war Endstation und er verpufft meist wirkungslos. Das die Elf von Sven Vetter geschickt organisiert und erstaunlich unaufgeregt verteidigt, hat sich auch in der Landesliga schnell herumgesprochen – auch heute machten die Kastler ihre Sache defensiv wieder äußerst solide.

Holzkirchen also zwar optisch am Drücker – aber eben immer auch der Gefahr der gefährlichen Kastler Gegenstöße ausgesetzt. Das Problem des TuS war einfach, dass er selten für konkrete Torgefahr sorgen konnte – zu oft wurde nochmal und nochmal quer gelegt, anstatt aus eigentlich günstiger Position einmal den Abschluss zu suchen. Trotz einiger schöner Ballstafetten, welche die Kastler Hintermannschaft auch das ein oder andere Mal verwirrten – starben die Holzkirchener so regelmäßig in Schönheit. Die Kastler waren hier eindeutig zielstrebiger, geradliniger und effizienter - ihre Führung zur Pause also nicht unverdient.

Holzkirchener kommen mit Druckphase aus der Kabine

Zu Beginn der zweiten Hälfte kamen die Gastgeber ganz anders aufs Feld, als noch im ersten Durchgang. Sofort wurde der Vorwärtsgang eingelegt und wurden die Kastler bespielt und bearbeitet. Dies zahlte sich zunächst auch in puncto Torgefahr aus: Gleich in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff kamen die Holzkirchener zu guten Möglichkeiten, vergaben allerdings jeweils knapp.

Als Kastl allerdings diese Minuten unbeschadet überstanden und in einer weiteren brenzligen Szene Glück hatte, dass bei einer 50:50 Situation im eigenen Sechzehner – bei der Kontakt zwischen Abwehrspieler und Angreifer da, allerdings nicht klar erkennbar war, von wem dieser ausging – die Pfeife des Schiedsrichters stumm blieb, ergab sich wieder das Bild der halben Stunde zuvor.

Wieder hatte der TuS per Freistoß eine seiner besten Gelegenheiten. Wieder war Gulielmo der Schütze. Diesmal schlenzte Holzkirchens Spezialist aus fast derselben Position wie in Halbzeit Eins über die Mauer in die linke untere Ecke – aber Weber war zur Stelle, flog und verhinderte den Einschlag (68.). Tolle Parade – ein sicherer Rückhalt.

TuS zu wenig zwingend - Kastl souverän und abgeklärt

Holzkirchen spielte gefällig, tat, versuchte – fand aber den Weg zum Tor nicht. Die Kastler machten das aber auch einfach gut – eröffneten hinten kaum Räume, absolvierten fleißig ihre Laufwege und agierten mannschaftlich äußerst geschlossen konsequent. Der TSV blieb mit dem Wissen um die Führung hinten sicher stehen, blieb ruhig und wartete geduldig auf die Kontermöglichkeiten, die sich da ergeben würden.

Und sie ergaben sich. Nachdem die Kastler bereits zuvor einige Male nur noch durch taktische Fouls gestoppt werden konnten, welche gelbe Karten auf Seiten der Holzkirchner nach sich zogen, fuhren sie in der 76. Minute den entscheidenden Tempogegenstoß:

"Laser" Pagler schnürt den Dreierpack

Kastl jetzt mit mehr sich auftuenden Räumen, kam über rechts. Der erste Ball ins Zentrum wurde von der Holzkirchener Abwehr geblockt und per Befreiungsschlag halbhoch aus der Abwehr geschlagen. Kastl war allerdings sofort wieder am Ball. Marcell Arnold eilte dem Leder entgegen und spielte es direkt weiter auf Tobias Urban auf der linken Außenbahn. Der brachte eine wunderbare Flanke über die gesamte im Herausrücken begriffene Abwehr. Sein Ball fand Philipp Grothe rechts im Strafraum, der nicht im Abseits stand und flach und scharf quer in die Mitte legte. Dort schnellte Pagler durch alle Gegner hindurch in den Ball und erzielte per Direktabnahme ins rechte unter Eck das 0:2! Wahnsinn! Schon wieder Pagler – und das in seinem ersten Landesliga-Einsatz von Anfang an.

Keine drei Minuten später setzte Timo „Laser“ Pagler seinem Startelf-Debüt die Krone auf. Bei einem weiteren Konter kam er nach einem Holzkirchener Ballverlust im Mittelfeld an die Kugel, sah dass Torhüter Zeisel weit mit aufgerückt war – und hob das Ding, ohne lange zu fackeln aus 45 Metern über den chancenlos zurückeilenden Keeper zum 0:3 in die Maschen (78.). Sein dritter Treffer! Der Landesliga-Neuling beim Landesliga-Neuling war definitiv der Mann des Tages!

Toller Auswärtserfolg für Kastl - TSV jetzt alleiniger Tabellenführer

Danach passierte nichts mehr an der Haid Road. Das Spiel war durch. Und der Kastler Wahnsinn setzt sich scheinbar unbeirrt fort. 3:0 Sieg auswärts in Holzkirchen. Auch wenn es sich deutlicher liest, als es letztlich war – das ist eine Hausnummer! Vier Spiele, vier Siege – der sensationelle Aufsteiger grüß weiter von ganz oben! Wie die Kastler das machen? Vor allem mit ganz viel Disziplin und ungeheurem Teamgeist – jeder macht die notwendigen Meter für den anderen. Und dadurch, dass sie sich unbekümmert zeigen – und ganz einfach was zutrauen.

Wenn die Kastler so unbeirrt weiter machen, muss man sich fast Sorgen machen, wo dieser irrwitzige Saisonstart eigentlich hinführen soll. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage nach Spielschluss, ob man jetzt eventuell das Saisonziel verändern müsse, antwortete ein glücklicher TSV-Coach Sven Vetter nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Jetzt sind es nur noch 28 Punkte, die wir holen müssen!“. Gegen den Abstieg wohlgemerkt. Auszuschließen, dass es einige mehr werden, ist es bei diesen Kastlern jedenfalls nicht.

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