1860 Rosenheim: Beispiellose Achterbahnfahrt mit Happy-End?

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Die Hinrunde in der Bayernliga-Süd ist gelaufen. Beinschuss.de zieht Halbzeit-Bilanz und lässt eine bewegende und ereignisreiche Hinserie aus Sicht des TSV 1860 Rosenheim revuepassieren.

Die Ausgangslage für den TSV 1860 Rosenheim vor dem Saisonstart am 12. Juli gegen den SV Pullach hätte schwieriger kaum sein können. Nach dem bitteren Regionalliga-Abstieg blieben den Rosenheimern nur ganze elf Tage Sommerpause, ehe die Vorbereitung auf die Bayernliga-Saison schon wieder in vollem Gang war.

Elf Tage? Das ist keine wettbewerbsgerechte Periode, um ein schlagfertiges Team zusammenzustellen und zu körperlicher und mentaler Ruhe nach einem schier endlosen Abtsiegskampf zu finden.

Die Mannschaft war auf entscheidenden Positionen dezimiert. Leistungsträger wie Michael Kokocinski, Moustapha Salifou, Vincenzo Potanza, Robert Mayer oder Danijel Majdancevic standen den Rothosen nicht mehr zur Verfügung. Der finanzielle Spielraum war und ist überschaubar. So setzten die Verantwortlichen vermehrt auf Eigengewächse und junge Spieler, die den Neustart in der Bayernliga angehen sollten.

Beispiellose Talfahrt nach gutem Saisonstart

Entsprechend vorsichtig gab man sich auf Seiten der Sechziger im Hinblick auf den Saisonstart. "Vier Punkte" wolle man aus den ersten vier Spielen holen, so lautete das Ziel des damaligen Teamchefs Thomas Siegmund.

Nach der unnötigen Auftaktniederlage gegen den Aufstiegskandidaten aus Pullach siegten die Sechziger am zweiten Spieltag verdient im Stadtderby gegen den Sportbund und trotzten dem heutigen Tabellenführer vom FC Pipinsried ein Unentschieden ab.

Die junge und auf vielen Positionen neu zusammengestellte Mannschaft schien für die Herausforderung Bayernliga gerüstet. Wider Erwarten setzte ab dem vierten Spieltag eine Talfahrt ein, die selbst der größte Pessimist in dieser Form nicht erwartet hatte.

In Sonthofen bricht der Bann

1:4 in Rain am Lech, 0:3 gegen Wolfratshausen, 0:6 in Unterföhring, 0:4 in Landsberg. . . Die Mannschaft war von Woche zu Woche verunsicherter, satte 13 Spiele blieben die Rothosen ohne Sieg und brachten es zwischen dem elften und 16. Spieltag sogar fertig, fünf Spiele in Serie ohne eigenen Torerfolg zu bleiben.

Der neu zusammengesetzte Vorstand hatte bereits Anfang September die sportliche Reißleine gezogen und Teamchef Thomas Siegmund von seinen Aufgaben entbunden. Patrick Peltram, bis dahin Trainer des Teams gewesen, übernahm die alleinige Verantwortung für den TSV und sollte mit seinem neuen Co-Trainer Slobodan Jezildjic nach leichten Anlaufschwierigkeiten erste Erfolge einfahren.

Die Mannschaft stand defensiv stabiler, wirkte selbstbewusster und legte zudem eine gesunde Portion Lockerheit an den Tag. Nach zwei torlosen Remis brach am 17. Spieltag endlich der Siegesbann. Durch ein Last-Minute-Tor von Goalgetter Slaven Jokic, der kurz vor Ende der Sommertransferperiode verpflichtet worden war, siegten die Sechziger in Sonthofen und legten nur sieben Tage später mit dem 2:1 über Hankofen-Hailing den ersten Heimsieg nach.

Hachinger Aufrüstung könnte zum Problem werden

Im letzten Vorrundenspiel bei der SpVgg Unterhaching II schienen die Innstädter weiter auf der Erfolgswelle zu schiwmmen, gingen früh mit 2:0 in Führung, um letztlich zurück in alte Lethargie zu fallen und das Spiel mit 2:5 aus der Hand zu geben.

Hätten die Rosenheimer das Spiel gegen Haching gewonnen, hätte eine unter dem Strich enttäuschende Hinrunde gar ein positives Ende gefunden. So bleiben aber Skepsis und die Frage zurück, wie stabil die Mannschaft tatsächlich schon ist. Zudem hat es das Startprogramm zur Rückserie in sich.

Der Auftakt führt den TSV zum Tabellenzweiten aus Pullach, ehe der Sportbund zur Derby-Revanche ins Jahnstadion kommt. Anschließend gastiert man in Pipinsried und empfängt eine Woche später den Tabellendritten aus Rain am Lech.

Die Bayernliga ist sehr ausgeglichen, kein Gegner ist im Vorbeigehen zu besiegen. Der Tabellenletzte aus Unterhaching rüstet sein Team von Woche zu Woche mit zahlreichen Profis aus dem Drittligateam auf und ist damit noch lange nicht abgestiegen.

Aber: Der Relegationsplatz, der den zu Saisonbeginn anvisierten "gesicherten Mittelfeldplatz" längst als Saisonziel abgelöst hat, liegt nur einen Punkt entfernt. Auch die Tendenz spricht für die Sechziger, bis auf die zweite Halbzeit gegen Unterhaching waren die Leistungen der Peltram-Elf in den vergangenen Wochen absolut konkurrenzfähig. Zudem kristallisiert sich mit dem 1. FC Bad Kötzting eine Mannschaft heraus, die nicht bayernligatauglich erscheint.

Fazit: Die Mission Klassenerhalt wird ein immenser Kraftakt für den TSV 1860. Die Rot-Weißen werden bis zum letzten Spieltag und wahrscheinlich darüber hinaus um den Ligaverbleib zittern müssen. Dieser ist aber nicht unrealistisch. In Team und Umfeld stecken viel Potenzial, der Verein ist nach den schwierigen Monaten eng zusammengerückt und weiß, was es heißt, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.

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