Beinschuss-Direkt: Bald mit dem Adler auf der Brust?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Turniersieger! Philipp Abdullahi von den Futsal Panthers freut sich lässig über den ersten Platz bei einem Turnier in Lengerich.

"Futsal" erlangt in Deutschland immer größere Bekanntheit. Zwar verfügt der DFB derzeit über keine Nationalmannschaft, doch das könnte sich bald ändern: Philipp Abdullahi, der am ersten Futsal-Lehrgang des DFB teilgenommen hat, stellt sich im Interview der Woche unseren Fragen.

Ein kleinerer schwerer Ball, statt Banden an der Seiten gibt es Auslinien und Fouls werden besonders bestraft: Futsal und Hallenfußball sind streng genommen zwei unterschiedliche Paar Stiefel. Über die noch relativ unbekannte Sportart hat sich Beinschuss-Reporter Max Böning mit Philipp Abdullahi (23) unterhalten. Der Student kickt für die Futsal Panthers Köln in der höchsten Futsal-Liga Nordrhein-Westfalens, spielt bereits für die Mittelrhein-Auswahl und wurde für die engere DFB-Auswahl nominiert, aus der sich im kommenden Jahr die neue Futsal-Nationalmannschaft zusammen setzten soll.

Beinschuss.de: Philipp, Futsal ist ja ein noch relativ junger Sport. Wann hast Du das erste Mal davon gehört?

Philipp Abdullahi: Das erste Mal davon gehört habe ich 2011, als ich mit meinem Heimat-Fußballverein bei einem Turnier, das zum Teil nach Futsalregeln ausgetragen wurde, mitgespielt habe. Danach hab ich erstmal nichts weiter davon mitbekommen.

Seit einiger Zeit spielst Du regelmäßig Futsal. Wie ist es dazu gekommen?

Abdullahi: Als ich 2013 für mein Sportstudium nach Köln gezogen bin, habe ich an der Hochschule (DSHS) einen Aushang von der Futsal-AG gesehen. Dort habe ich dann ab und zu mitgekickt und wurde vom AG-Leiter gefragt, ob ich nicht Lust habe, zum Probetraining der Panthers zu kommen.

Ihr spielt in der Regionalliga gegen Mannschaften wie Holzpfosten Schwerte oder die Futsal-Abteilung von Bayer 05 Uerdingen. Wie schätzt Du das Niveau dieser Liga ein?

Abdullahi: Ich schätze die Liga sehr stark ein. Sie geht mittlerweile in die elfte Saison und einige Vereine wie zum Beispiel der UFC Münster, Holzpfosten Schwerte und die Futsal Panthers Köln konnten sich schon gut etablieren und sind deutschlandweit bekannt. Dieses Jahr sind neue Mannschaften aufgestiegen, die großes Potenzial mitbringen und die Liga noch ein Stück interessanter machen. Durch die regelmäßigen Spieltage (die es leider noch nicht deutschlandweit gibt) kann man den Niveau-Unterschied in der Breite auch erklären.

Aber eine Bundesliga gibt es nicht.

Abdullahi: Nein, aber es gibt den DFB-Futsal-Cup. Dafür qualifizieren sich nur die besten Vereine Deutschlands aus den jeweiligen Ligen, die dann einen Meister ausspielen.

Wie hoch ist der Aufwand, den Ihr betreibt?

Abdullahi: Da wir an der DSHS trainieren, haben wir Glück und können zwei bis drei Mal pro Woche ins Mannschaftstraining gehen. Das ist für die Maßstäbe in Nordrhein-Westfalen gut, aber mit Teams in "Futsalnationen" (Brasilien, Spanien, Russland, Portugal) nicht annähernd vergleichbar.

Vor kurzem hat die Saison begonnen? Wie zufrieden seid Ihr mit dem Start?

Abdullahi: Wir haben aus den ersten drei Spielen sechs Punkte geholt. Das ist schonmal ein Anfang. Wir konnten aus den ersten Partien schon ein paar Schlüsse ziehen und versuchen dahingehend weiter an uns zu arbeiten und die Punkte weiter nach oben zu schrauben.

Eigentlich eine ganz gute Bilanz.

Abdullahi: Klar, trotzdem können wir nicht ganz zufrieden sein. Wir haben das zweite Spiel gegen einen Aufsteiger verloren, lagen schnell 3:0 hinten. Zwar sind wir nochmal rangekommen, doch am Ende hat es nicht gereicht.

Wie würdest Du jemanden "Futsal" erklären, der noch nie davon gehört hat?

Abdullahi: Futsal ist Hallenfußball nach den internationalen FIFA-Regeln. Man spielt vier gegen vier plus jeweils einem Torwart, der aber durch einen Feldspieler ersetzt werden kann. Es wird mit einem sprungreduzierten und etwas schwereren Ball auf Tore, die von der Größe her einem Handballtor entsprechen, gespielt. Es gibt keine Banden, sondern richtige Aus-Linien. Teamfouls werden mitgezählt. Ab dem sechsten Vergehen in einer Halbzeit gibt es einen Strafstoß – Zehnmeter heißt das bei uns. Die zweimal 20 Minuten Nettospielzeit, sowie die Tatsache, dass der eigene Torwart den Ball pro Angriff in der eigenen Hälfte(!) nur einmal und für maximal 4 Sekunden halten darf, verhindern Zeitspiel.

Also Mitdenken ist hier beim Kicken angesagt.

Abdullahi: Auf jeden Fall. In der Praxis ist es ein sehr schneller Sport, der taktisch und körperlich viel fordert und dem Zuschauer von einstudierten Varianten über rasante Kontersituationen bis hin zur Verteidigung in Unterzahl alles bietet.

Ist ein guter Hallenfußballer auch gleich ein guter "Futsaler"?

Abdullahi: Das würde ich nicht unbedingt sagen, auch wenn es natürlich von Vorteil ist, sich auf dem Hallenboden wohlzufühlen. Ich würde eher sagen, dass ein guter Fußballer ein guter Futsaler sein kann und umgekehrt. Man benötigt beim Futsal taktisches Verständnis, welches man auch beim Fußball braucht. Sei es in der Defensive das Zentrum kompakt zu halten und den Gegenspieler nach außen zu drängen, oder sich in der Offensive den nötigen Raum zu verschaffen.

Hast Du im Futsal auch ein besonderes Vorbild?

Abdullahi: Falcão und Ricardinho, um mal die Herausragendsten zu nennen. Aber auch Wilde finde ich sehr stark.

Philipp, im März warst du beim 1. DFB-Lehrgang dabei. Wie ist es für dich dort gelaufen?

Im Januar habe ich für die Mittelrhein-Auswahl beim DFB Futsal-Länderpokal in Duisburg gespielt und wurde daraufhin nominiert. Wir konnten dort unter den bestmöglichen Bedingungen trainieren und hatten gute zwei Tage lang ein straffes Programm. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den besten Futsalern aus Deutschland zu trainieren und hat mir persönlich einige positive Erfahrungen beschert und mich als Futsaler weitergebracht.

Wie geht es jetzt dort weiter?

Abdullahi: Die Verantwortlichen sehen sich natürlich auch in Zukunft Spiele in den Ligen an. Im Januar findet der Futsal-Länderpokal statt, dort sind die Scouts auch vor Ort. Zur Zeit gibt es noch keine Nationalmannschaft, im nächsten Jahr könnte es dann aber soweit sein.

Zu deinem Heimatverein, dem ASV Grassau: Im Juni haben die Grassauer knapp die Kreisliga verpasst - hast du das mitbekommen?

Abdullahi: Dass es in der Relegation nicht ganz gereicht hat, habe ich mitbekommen, ja! Leider bin ich aber nur noch selten in der Heimat und kann deswegen auch kaum Spiele vom ASV sehen.

Kannst du dir irgendwann vorstellen zurückzukehren und wieder auf dem Rasen zu spielen?

Abdullahi: Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, aber Futsal wird trotzdem erste Priorität haben.

Ist Futsal für dich ein Hobby oder vielleicht doch ein bisschen mehr?

Abdullahi: Definitiv mehr!

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch! Wir drücken Dir weiterhin die Daumen und hoffen, dass es mit der Nationalmannschaft klappt.

 

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare