Beinschuss-Direkt: "We’ll push you to the next level!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Beinschuss Reporter Christoph Herberth (li.) und Sebastian Jocham (re.)

Wir haben uns mit dem Sportwissenschaftler Sebastian Jocham über die große Bedeutung von Athletiktraining im Fußball, insbesondere im Amateurbereich, unterhalten.

Mit dem eigens entwickelten Trainingskonzept FITBALLNESS bieten der Sportwissenschaftler Sebastian Jocham und der lizenzierte Fußballtrainer Mathias Schiele Mannschaften, aber auch Einzelsportlern ein sportartpezifisches Athletiktraining an. Im Spitzensport ist ein derartiges Training bereits gang und gäbe, mittlerweile hat sich das funktionelle Athletiktraining aber auch schon im Amateurbereich etabliert. Warum das Ganze so wichtig ist, erfahrt ihr von Sebastian Jocham, der bereits zahlreiche Ausbildungen in diesem Bereich durchlaufen hat, am DFI in Bad Aibling als Athletiktrainer tätig war und nun zusammen mit seinem Kollegen ein eigens entwickeltes, auch auf den Fußball konzipiertes, Trainingskonzept anbietet (hier gehts zur Homepage von Fitballness).

Hallo Sebastian, was genau ist eigentlich Fitballness und warum ist dieses Training besonders für Fußballer wichtig?

Jocham: Fitballness setzt sich aus Athletiktraining, funktionellem Gehirntrainining, leistungsspezifischem Fußballtraining, klassischem Mentaltraining und Speedcoachtraining zusammen. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf die Verletzungsprophylaxe gelegt, da sich die verletzungsbedingten Ausfälle, vor allem im Fußball, aufgrund von muskulären Dysbalancen und koordinativen Problemen häufen. Mit dem funktionellen Gehirntraining und Athletiktraining sollen insbesondere die kognitiven- und konditionellen Fähigkeiten der Sportler geschult und verbessert werden. 

Du hast Realschullehramt Sport und Wirtschaft in Bayreuth studiert, am Deutschen Fußballinternat in Bad Aibling gearbeitet und bist nun mit Fitballness selbständig. Wie ist die bisherige Resonanz und welche Referenzen gibt es bisher?

Jocham: Unser Projekt läuft seit mittlerweile vier Jahren. Der Anfang war sehr schwer, da es nicht leicht war die Trainer und Spieler von diesen neuen Trainingsmethoden zu überzeugen. Ich habe jedoch festgestellt, dass in letzter Zeit ein gewisser Umdenkprozess auf allen Ebenen stattfindet und die Verantwortlichen sich immer mehr auf das ergänzende Athletiktraining einlassen. Neben zahlreichen Fußballmannschaften trainieren wir unter anderem Tennismannschaften und ein Turnteam. Hinzu kommt ein Bundesliga Triathlet, eine Tennis Regionalligaspielerin und ein Fußballer aus der B-Jugend Bundesliga. Jedes Jahr veranstalten wir zudem ein Fitballness Trainingscamp in der Nähe von Ingolstadt. Bei diesem viertägigen Trainingscamp versuchen wir die jungen Teilnehmer im Alter von 12-18 Jahren fußballerisch und athletisch weiterzuentwickeln.

Was sind eure nächsten Schritte?

Jocham: Wir sind gerade dabei unser Netzwerk zu erweitern und neue Kooperationsvereine für Fitballness zu gewinnen. Mit diesen wollen wir dann gezielt zusammenarbeiten und Fortbildungen, wie beispielsweise Trainerworkshops, anbieten. Wer Interesse hat, kann sich sehr gerne bei uns melden.

Im Profibereich ist das funktionelle Training bereits seit Jahren etabliert, nun werden auch immer mehr Amateurmannschaften auf das spezielle Athletiktraining aufmerksam. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Jocham: Das funktionelle Training ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Begonnen hat diese Entwicklung jedoch bereits in der Vorbereitung auf die Fußball WM 2006. Jürgen Klinsmann engagierte damals Mark Verstegen als Athletiktrainer. Dieser gilt als führender Experte auf dem Gebiet des funktionellen Atlethiktrainings. 

Du bist aktuell auch für den Landesligisten TuS Geretsried als Athletiktrainer aktiv. Wie genau bringst du dich in den Trainingsalltag mit ein, was sind deine Aufgaben?

Jocham:Die 1. Mannschaft des TuS Geretsried trainiere ich nun seit fast einem Jahr und es sind deutliche Fortschritte in der Leistungsfähigkeit der einzelnen Spieler zu erkennen. Seit Beginn der Saison leite ich auch das Athletiktraining der U19 Landesliga-Mannschaft. Das Ganze findet einmal in der Woche ungfähr 45 Minuten statt. Das hängt natürlich ganz davon ab in welcher Phase der Saison wir uns befinden. Während der Saison steht die Verbesserung der konditionellen und motorischen Fähigkeiten im Vordergrund.

Die meisten Amateurteams trainieren nur zweimal, maximal dreimal die Woche. Wann und wie lange sollte das Training deiner Meinung nach stattfinden?

Jocham: Bei drei wöchentlichen Einheiten ist es meiner Meinung nach kein Probelm das Atlethiktraining einmal pro Woche in den Trainingsalltag zu integrieren. Bei zwei Einheiten ist das natürlich deutlich schwieriger. Hier muss das Athletiktraining gezielt eingebaut werden, damit die fußballspezifischen Inhalte nicht zu kurz kommen. Generell ist es wichtig, dass das Training regelmäßig und zielgerichtet stattfinden. Um schnelle Fortschritte zu erzielen, ist eine regelmäßige Belastungsdauer von 45-60 Minuten notwendig. Wenn es nur alle zwei Wochen stattfindet, ist das auf Amateurebene auch völlig in Ordnung.

Können die Trainer das Ganze selber leiten?

Jocham: Was bei Mannschaftssportlern entscheidend ist, ist die Effektivität des Trainings. Wenn man sich einen Mannschaftssportler anschaut, hat dieser sehr viele verschiedene Möglichkeiten innerhalb einer Woche zu trainieren. Betrachtet man eine Trainingswoche, dann müssen in dieser Zeit viele Eigenschaften trainiert werden, die viel mit den technisch-taktischen Fähigkeiten zu tun haben. Also beispielsweise Flanken, Torschüsse, taktische Übungen. Weiter geht es im athletischen Bereich mit den verschiedenen Ausprägungen der Kondition. Wenn man jetzt die zur Verfügung stehende Zeit in Betracht zieht, also die Zeit, die man für Training verwenden kann, dann muss man sich ganz genau überlegen, welchen Reiz man in dieser Zeit setzt. Da kommen die Experten ins Spiel. Natürlich gibt es den ein oder anderen Trainer, der sich in diesem Bereich auskennt, dem Großteil, was natürlich auch normal ist, fehlt jedoch das nötige Knowhow. 

Immer mehr Fußballer gehen regelmäßig ins Fitnessstudio. Was sollte hierbei beachtet werden?

Jocham: Gegen das Training im Fitnessstudio spricht im Normalfall nichts. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden und insbesondere der Rumpf, also der Körpermittelpunkt, gestärkt wird.

Inwiefern unterscheidet sich Fitballness von dem klassischen Fitnesstraining?

Jocham: Der Schwerpunkt meiner Arbeit im Fitballness Training liegt auf der koordinativen- und konditionellen Verbesserung jedes einzelnen Spielers. Der Begriff Kondition wird häufig irrtümlicher Weise mit Ausdauer gleichgesetzt, was jedoch nur ein Bestandteil ist. Die weiteren Komponenten sind die Beweglichkeit, Schnelligkeit und Kraft in all seinen Ausprägungsformen. Das klassische Fitnesstraining ist sehr oft gerätelastig und findet vornehmlich an geführten Maschinen statt. Das ist jedoch für einen Spielsportler, wie einem Fußballer, oft nicht zielführend, da das Training auf der dreidimensionalen Ebene stattfindet und sehr viele unterschiedliche Reize auf den Körper einwirken, die Maschinen nur bedingt erfüllen können. Es spricht jedoch nichts gegen ein geführtes Training an Fitnessmaschinen in der Vorbereitungs- und Rehaphase zum gezielten Muskelaufbau.

Du trainierst hauptsächlich mit professionellen Athleten. Sind Amateursportler überhaupt in der Lage, dein Fitnessprogramm zu bewältigen?

Jocham: Das ist auf jeden Fall zu bewältigen. Sehr wichtig ist, dass die Übungen dem jeweiligen Leistungslevel angepasst werden und progressiv neue Reize gesetzt werden. Hier kommt auch unser Slogan ins Spiel: We’ll push you to the next level!

Wie sehen die Übungen konkret aus? 

Jocham: Ich arbeite sehr oft mit dem eigenen Körpergewicht, da das auch Belastung ist, die jeder Spieler im Spiel mit sich „herumtragen“ muss. Des Weiteren setze ich funktionelle Trainingstools, wie Mini-/Superbands, Kettlebells, Agilityleitern und Schlingentrainer ein. Die Übungen passe ich dem Anforderungsprofil der jeweiligen Sportart an.

Vielen Dank für das spannende Interview!

 

Anbei ein Auszug aus dem Fitballness-Training mit dem Landesligisten TuS Geretsried:

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare