Direkt: "500 Euro-Scheine lassen die Loyalität schwinden"

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Willi Bonke war sieben Jahre lang Abteilungsleiter der Fußballer beim Sportbund DJK Rosenheim

Aufstieg in die Bayernliga, Beinahe-Aufstieg in die Regionalliga Bayern und der Abstieg in die Landesliga: Willi Bonke war sieben Jahre lang an der Spitze der Sportbund-Fußballer. Nun hat er sein Amt abgegeben und blickt im Interview zurück.

Aufstieg in die Bayernliga, Beinahe-Aufstieg in die Regionalliga Bayern und der Abstieg in die Landesliga: Willi Bonke war sieben Jahre lang an der Spitze der Sportbund-Fußballer. Nun hat er sein Amt abgegeben und blickt im Interview zurück.

beinschuss.de: Servus Willi! Nach sieben Jahren hast du jetzt dein Amt als Fußball-Abteilungsleiter beim Sportbund DJK Rosenheim abgegeben. Wolltest du eigentlich nicht nur kommissarisch dieses Amt übernehmen?

Willi Bonke: Das war zumindest der ursprüngliche Plan (lacht). Aber ich war in den 1990-er Jahren ja schon sechs Jahre lang Abteilungsleiter der Fußballer und daher war es mir eine Herzensangelegenheit. Außerdem war die damalige Situation bei meinem zweiten Amtsantritt, sagen wir mal, eher chaotisch. Es hat schon seine Zeit gedauert, bis wir beim SBR alles wieder in geregelten Bahnen gebracht haben.

Warum hast du dich letztendlich dazu entschlossen, den Abteilungsleiter-Job abzugeben?

Bonke: Es war in letzter Zeit einfach nicht mehr mit meinem Beruf vereinbar. Außerdem bin ich der Meinung, dass Veränderungen einem Verein oftmals gut tut. Das ist jetzt der Fall. Aber ich bin ja noch als Vorstandsmitglied des Gesamtvereins tätig.

Werden wir dich trotzdem noch ab und zu am Sportbund-Campus sehen?

Bonke: Klar! Wie bereits erwähnt, war und bleibt der SBR für mich immer mein Verein. Es bereitet mir große Freude zu sehen, wie sich die Jungs Jahr für Jahr weiterentwickeln. Auch wenn wir in den vergangenen Monaten nicht immer gute Spiele gesehen haben…

Du sprichst den Abstieg aus der Bayernliga an.

Bonke: Ich bin heute noch davon überzeugt, dass dieser Abstieg vermeidbar gewesen wäre. Darum ist es umso ärgerlicher. Aber in der Abstiegskampf-Schlussphase kam schon einiges zusammen. Oft fehlte uns die letzte Entschlossenheit, um ein Tor zu erzielen und bei ein paar Spielern hat dann auch der Kopf nicht mehr so mitgemacht, wie es wünschenswert gewesen wäre…

Es gab in deiner Amtszeit aber auch viele Erfolge zu feiern.

Bonke: Der Aufstieg von der Landesliga in die Bayernliga war natürlich überragend. Dann haben wir in unserem ersten Bayernligajahr nur ganz knapp den Aufstieg in die Regionalliga Bayern verpasst. Das war damals ja auch unglücklich: In Augsburg haben wir 1:1-Remis gespielt. Beim Rückspiel stand es in der Nachspielzeit noch 0:0. In der letzten Minute haben wir dann noch einen Elfmeter gegen uns bekommen, der meiner Meinung nach unberechtigt war. Am Ende haben wir 0:1 verloren und unsere Aufstiegsträume begraben müssen. Trotzdem befanden wir uns sportlich zu diesem Zeitpunkt auf unserem Höhepunkt.

Damals war Walter Werner noch Chefcoach beim SBR.

Bonke: Woitsche hat unsere erste Mannschaft geprägt wie kein anderer. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Aber nach sieben Jahren in der Coaching-Zone war es auch hier Zeit für eine Veränderung.

Nach ihm war die Trainerbank nicht unbedingt konstant

Bonke: Manfred Burghartswieser war der ideale Nachfolger. Leider war es bei ihm nach seinem ersten Jahr beruflich nicht mehr möglich, eine Bayernliga-Mannschaft zu trainieren. Danach kam Günter Güttler, der menschlich ein toller Typ ist. Leider sprach der sportliche Erfolg irgendwann gegen ihn und wir mussten handeln. Nun hat Matthias Pongratz das Kommando und ich bin überzeugt, dass auch er mit der Mannschaft bald wieder sportlich erfolgreich sein wird. Das hat sich ja schon in den letzten Spielen angekündigt.

Es gab also nie Probleme zwischen Abteilungsleitung und Trainern?

Bonke: Von meiner Seite her absolut nicht! Ich bin immer zu 100 Prozent hinter unseren Trainern gestanden und habe mit allen noch freundschaftlichen Kontakt. Das finde ich persönlich sehr schön. Die Trainer der ersten Mannschaft haben es beim Sportbund aber nicht immer so leicht, weil es ein paar wenige im Hintergrund gibt, die ihnen immer ganz genau auf die Finger schauen.

Mit künftigen Trainerfragen dürfen sich jetzt sowieso deine Nachfolger beschäftigen.

Bonke: Mit Rainer Pastetter hat nun ein erfahrener Mann das Kommando, der bereits lange Zeit als stellvertretender Abteilungsleiter tätig war. Thomas Leppert als frühere Jugendleiter kennt den Verein in- und auswendig und hat gute Kontakte zur Vorstandschaft. Nicht zu vergessen Stefan Kurz, der als sportlicher Leiter ein unglaubliches Fachwissen hat, selbst höherklassig gespielt hat und sich immer für den Verein aufopfert. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die immer für den SBR zur Stelle sind und deren Herzen grün-weiß schlagen. Werner Wirkner, Peter Holzapfel und die Familie Niesner sind nur drei von vielen Namen.

Du hast gute Kontakte zur Vorstandschaft angesprochen. Die sind wichtig, wenn man zum Beispiel einen Kunstrasenplatz haben möchte, oder?

Bonke: Das ist ein gutes Beispiel (lacht). Der Kunstrasenplatz ist für den SBR ein absoluter Glücksfall und es haben viele Leute an seiner Realisierung gearbeitet. Andere Vereine in Rosenheim wären froh um so eine Trainingsmöglichkeit.

Beispielsweise der TSV 1860 Rosenheim, der dich während der Zeit auch immer wieder wegen einer Fusion begleitet hat?

Bonke:Nur so viel zum Thema: Ich bin der Meinung, man sollte die Erfahrung der Sechziger aus Jahrzehnte langem höherklassigen Spielbetrieb mit der Infrastruktur vom SBR in eine Einheit umwandeln.

Was hat sich in den vergangenen sieben Jahren im Amateurfußball gravierend verändert?

Bonke: Eine Entwicklung stößt mir negativ auf. Wir sind ja immer noch im Amateur-Fußball und darum ist es schade, dass die Loyalität zum Verein schwindet, wenn jemand mit einem 500 Euro-Schein wedelt. Viele Spieler gehen lieber den leichten Weg und lassen sich als „Dorfkönig“ feiern, als sich in höherklassigeren Mannschaften durchzubeißen.

Zum Abschluss: Was ist dir aus deiner Zeit als Abteilungsleiter besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Bonke: Da gibt es so einiges. Mich persönlich hat es immer gefreut, wenn ich jungen Spielern neben einer sportlichen auch eine berufliche Perspektive bieten und dabei helfen konnte, Lehrstellen und Arbeitsplätze zu finden. Ein tolles Erlebnis waren natürlich auch die vielen Profispieler die in den vergangenen sieben Jahren im Josef-März-Stadion aufgelaufen sind. Wir hatten Schalke 04, 1860 München und den Karlsruher SC und beim Wiesn-Charity sogar einige Weltmeister bei uns, mit denen wird das Rosenheimer Herbstfest unsicher gemacht haben. Spannend wurde es auch, wenn Stefan Effenberg Trainingseinheiten bei uns leitete. Ich bin froh, durch den SBR solche Leute kennengelernt haben zu dürfen.

Willi, vielen Dank für das Gespräch.

 

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