Direkt: "Mein größtes Vorbild ist mein Bruder!"

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Laura Staudigl mit Beinschuss-Reporter Christoph Herberth

Beinschuss-Direkt ist aus der Sommerpause zurück. Und passend zur Frauen-WM hat Christoph Herberth in dieser Woche mit Laura Staudigl vom TSV Grafing gesprochen.

Wenige Tage nach dem Triumph der USA bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada haben wir erstmals in der Rubrik Beinschuss-Direkt eine Frau interviewt. Beinschuss-Reporter Christoph Herberth hat sich mit Laura Staudigl, Schwester des Ex-Sportbund Torjägers Mario Staudigl, zu einem spannenden Interview getroffen. Ähnlich wie ihr Bruder, hat auch die 19-jährige trotz ihrer jungen Jahre schon einiges im Fußball erlebt.

beinschuss.de: Hallo Laura, die USA hat sich in der Nacht von Sonntag auf Montag den Weltmeistertitel im Frauenfußball gesichert. Hast du die Spiele verfolgt, ist das für Euch Fußballerinnen ein Muss?

Laura Staudigl: Ein Muss ist es nicht. Aber ich habe die WM mit Begeisterung verfolgt und bei allen Spielen unserer Mädels mitgefiebert! Schade nur, dass die Spiele so spät ausgetragen wurden.

Was sind die Gründe dafür, dass die Frauen im Fußball nicht die Anerkennung genießen wie es in anderen Sportarten der Fall ist?

Laura Staudigl: Da der Fußball früher eine reine Männer-Domäne war und die Frauen sich erst in der teilweise harten, körperbetonten Sportart beweisen müssen, werden Frauen im deutschen Fußball noch immer nicht wirklich ernst genommen. Durch die sportlichen Erfolge der letzten Jahre hat sich das allerdings schon deutlich verbessert. Nichtsdestotrotz sind uns diesbezüglich Länder, wie beispielsweise die USA, immer noch weit voraus. Es kommt nicht von ungefähr, dass sowohl Japan als auch die USA zum zweiten Mal in Folge im Finale der Weltmeisterschaft standen.

Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zum Männerfußball?

Laura Staudigl: Der größte Unterschied ist die Schnelligkeit des Spiels. Frauenfußball ist nach Expertenaussage im Schnitt ein Drittel langsamer als der Männerfußball.

Auch dein Bruder Mario ist in der Region kein Unbekannter. Er hat in der vergangenen Saison 18 Bayernliga-Tore für den Sportbund Rosenheim erzielt und sich nun dem VFR Garching angeschlossen. Was zeichnet ihn deiner Meinung nach aus?

Laura Staudigl: Wie ich auch lebt und liebt mein Bruder den Fußball. Er ist ehrgeizig und geht das Ganze, im Gegensatz zu vielen anderen Spielern im Amateurbereich, sehr professionell an. Ihn zeichnen vor allem seine Disziplin, Schnelligkeit und natürlich die Torgefahr aus.

Wer sind deine Vorbilder im Fußball? 

Laura Staudigl: Auch wenn das jetzt ein bisschen blöd klingt, mein größtes Vorbild ist mein Bruder. Wir spielen auf der gleichen Position, weshalb ich mir viel von ihm abschaue und ich mir sowohl als Trainer als auch als Spieler seine Meinung anhöre. Seit ich denken kann, bin ich am Fußballplatz mit dabei. Das war auch ausschlaggebend, dass ich vor 10 Jahren selbst begonnen habe in einem Verein zu spielen, zuvor wurde jeden Tag auf der Straße mit den Nachbarskinder gekickt. Meine Lieblingsspielerin ist die Anja Mittag, aber auch die torgefährliche Célia Šašić fasziniert mich. Beide haben ihre Qualitäten bei der WM unter Beweis gestellt.

Der Fußball wird im Hause Staudigl anscheinend sehr groß geschrieben, vom wem habt ihr euer Talent geerbt?

Laura Staudigl: Ich denke von unserem Vater, der seine Karriere jedoch frühzeitig nach einer schweren Knieverletzung beenden musste.

Du hast seit dem 19.10.2013 kein Punkspiel mehr verloren, bist mit dem TSV Grafing in die Bezirksoberliga aufgestiegen und hast mit 14 Treffern maßgeblichen Anteil an dem großartigen Erfolg deiner Mannschaft. Was zeichnet euch aus?

Laura Staudigl: Der Zusammenhalt und der Ehrgeiz in unserer Mannschaft! Den Großteil kenne ich schon aus der Jugend und wir verstehen uns auf und neben dem Fußballplatz einfach blind. Das unterscheidet uns von vielen anderen Mannschaften und zeichnet uns seit Jahren aus.

Wie kam es dazu, dass du dir die letzten Saisonspiele von der Tribüne aus anschauen musstest? 

Laura Staudigl: Ich habe mich lediglich zur nächsten Saison geäußert und dem Trainer mitgeteilt, dass ich mich persönlich verändern möchte und vorerst nur in der zweiten Damenmannschaft spielen möchte. Mein Trainer hat das nicht nachvollziehen können und mich deshalb am Tag vor dem Aufstiegsspiel von beiden Damenmannschaften „freigestellt“. Die letztem Saisonspiele habe ich mir deshalb vom Spielfeldrand ansehen dürfen.

Wie geht es bei dir in der kommenden Saison weiter? Könntest du dir ein Comeback beim TSV Grafing nach dieser Geschichte überhaupt noch einmal vorstellen? 

Laura Staudigl: Nach dieser Geschichte gab es einige Angebote von anderen Vereinen. Aktuell weiß ich noch nicht wie es in der kommenden Saison für mich weitergeht. Sicher ist jedoch, dass ich in dieser Konstellation nicht mehr für die 1. Damenmannschaft des TSV Grafing auflaufen werde, die Suspendierung war einfach ein Schlag ins Gesicht. Da ich seit zwei Jahren mit meinen beiden Kolleginnen Sarah Schindler und Steffi Altmann die weibliche E-Jugend trainiere, bleibe ich dem Verein zumindest als Trainerin erhalten. Die Mädls sind mir sehr ans Herz gewachsen und wir werden die Mannschaft deshalb in der kommenden Saison auch in die D-Jugend begleiten. Am kommenden Samstag wartet noch einmal ein richtiges Highlight auf uns. Wir haben uns am Sonntag für das Merkur Cup Finale in Schwabhausen qualifiziert. 

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg auf und neben dem Fußballplatz!

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