Direkt: "Mir hat der unbedingte Wille gefehlt!"

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Rosenheim, Unterhaching, Rosenheim - Valentin Hauswirth kehrt nach fast zwei Jahren zum TSV zurück

Bayern, Sechzig, Rosenheim, Australien, Innsbruck - Valentin Hauswirth hat in seinem jungen Alter schon viel erlebt. Wir haben den Rückkehrer zu einem spannenden Interview getroffen!

Valentin Hauswirth durchlief fast alle Jugendmannschaften des FC Bayern, wechselte dann in die A-Jugend der Münchener Löwen und anschließend zu seinem Heimatverein TSV 1860 Rosenheim in die Regionalliga, wo er seine ersten Erfahrungen im Herrenbereich sammeln durfte. In dieser Zeit wurde der Drittligist SpVgg Unterhaching auf den talentierten Mittelfeldspieler aufmerksam. Hauswirth wollte es noch einmal wissen und wechselte nach Unterhaching, wo er jedoch sehr schnell merkte, dass der professionelle Fußball nichts mehr für ihn ist. Mit Anfang 20 entschloss er sich gegen den Fußball und für das Reisen und ein Studium in Innsbruck. Nach einer fast zweijährigen Auszeit, spielt er nun wieder für den TSV 1860 Rosenheim in der Bayernliga. Beinschuss.de traf den mittlerweile 23-jährigen zu einem spannenden Interview.

beinschuss.de: Hallo Vale, nach über einem Jahr Pause trägst du nun wieder das Trikot des TSV 1860 Rosenheim. Wie kam es dazu?

Hauswirth: Servus Chris! Ja, ich habe nach meiner jetzt doch recht langen Fußballpause wieder mit dem Kicken angefangen. Ich habe zwei Jungs der 60er, Chris Wallner und Markus Wallner, am Anfang der Semesterferien am Simssee beim Baden getroffen und da haben wir ein bisschen über meine und die aktuelle Situation der Mannschaft gesprochen. Kurz darauf hat mich Hans Kroneck, der Teammanager, angerufen und gefragt, ob ich nicht mal ins Training kommen will. Das habe ich dann gemacht und nach einiger Zeit mit der Mannschaft habe ich mich dazu entschlossen einen Vertrag für das nächste Jahr zu unterschreiben.

Wieso hast du dich mit Anfang 20 gegen den Fußball entschieden und zuletzt über ein Jahr komplett darauf verzichtet?

Hauswirth: Da ich im Alter zwischen 12 und 20 die meiste meiner Zeit auf dem Fußballplatz verbracht habe, hatte ich mich nach dem Jahr in Unterhaching dazu entschlossen, etwas Abstand vom Fußball zu gewinnen und ein paar Sachen auszuprobieren, die ich in der Zeit davor nicht so ausgiebig machen konnte. Ich war unter anderem ein halbes Jahr in Australien und habe jetzt vor zwei Jahren ein Campusstudium in Innsbruck angefangen, was auch einer meiner Kindheitsträume war.

Verlernt hast du auf jeden Fall nichts, das hast du in den letzten Wochen in der Bayernliga bewiesen. Wie fühlt es sich an nach einer freiwilligen Pause wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen? Was hast du am meisten vermisst?

Hauswirth: Es fühlt sich sehr gut an! Fußball ist meine Leidenschaft und ich mache es nach wie vor sehr gerne. Das Beste daran ist wohl, wieder Teil einer Mannschaft zu sein und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Das hat mir schon sehr gefehlt.

Hast du dich nun endgültig wieder für den Fußball entschieden?

Hauswirth: Ich habe gemerkt, dass ich Fußball spielen will. Ob das jetzt auf Dauer auf einem Niveau wie dem bei 60 Rosenheim der Fall sein wird, hängt vor allem damit zusammen, wie gut sich der Fußball mit meinem Studium vereinbaren lässt. In einer Woche geht das Semester wieder los und dann werde ich bald merken, ob sich das auch so gut kombinieren lässt, wie ich mir das vorgestellt habe.

Was hat dir trotz deines großen Talents zum großen Sprung gefehlt?

Hauswirth: Ich denke, dass mir zum Sprung in den Profifußball in erster Linie der unbedingte Wille gefehlt hat. Neben dem Traum vom Fußballprofi hatte ich, wie vorhin schon erwähnt, auch den Traum zu studieren, in einer schönen Stadt, mit Studentenleben und allem was dazugehört. Im Endeffekt habe ich mich dann dafür entschieden und im Nachhinein war es auch die richtige Entscheidung!

Rückblickend auf diese Zeit, was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

Hauswirth: Rückblickend auf meine intensive Zeit im Fußball, würde ich mir schon früher die Frage stellen, ob ich Fußball wirklich als Beruf ausüben will, oder eben nur als Hobby. Bereuen tue ich meine damalige Entscheidung aber nicht. Ich habe sehr viel gelernt und Erfahrungen gesammelt, die nur wenige Jungs in diesem Alter sammeln durften. 

Nach den finanziellen Schwierigkeiten, dem Abstieg aus der Regionalliga und zahlreichen Abgängen, scheint es, als habe sich der TSV 1860 Rosenheim nun endlich wieder gefangen. Wie beurteilst du die aktuelle Entwicklung? Was ist damals schief gelaufen?

Hauswirth: Ehrlich gesagt, habe ich die letzten zwei Jahre im Verein nicht im Detail verfolgt. Was ich weiß ist, dass sich der Verein nach dem Regionalligaabstieg nur mit dem Verkauf des Stadions retten konnte und dadurch wieder eine solide finanzielle Basis geschaffen hat. Ich denke, man hätte schon etwas früher den Umbruch, der derzeit stattfindet, wagen können und müssen. Ob sich das dann damals auch sofort positiv auf den sportlichen Erfolg ausgewirkt hätte und man den Abstieg verhindert hätte können, kann ich nicht beurteilen.

Mit 20 Zählern aus 13 Spielen seid ihr aktuell im gesicherten Tabellenmittelfeld positioniert und damit voll im Soll. Was ist für den TSV 1860 Rosenheim in dieser Saison noch möglich?

Hauswirth: Wir haben eine junge, hungrige und sehr talentierte Mannschaft, in der jeder spielen und gewinnen will. Ich sehe uns am Ende der Saison in der oberen Tabellenhälfte.

Du studierst und wohnst unter der Woche in Innsbruck. Wie genau lässt sich das Ganze mit dem Fußball vereinbaren? 

Hauswirth: Da ich meine Ferien zu Hause in Rosenheim verbracht habe, kann ich leider noch nicht genau sagen, wie es wird, wenn ich 3-4 mal pro Woche von Innsbruck nach Rosenheim pendeln muss. Aber ich fahre gerne Zug und habe dadurch die Möglichkeit zu lesen oder etwas für die Uni zu erledigen, was natürlich auch nicht schlecht ist.

Zum Schluss, was war der bis dato schönste und was der schwärzeste Tag in deiner bisherigen sportlichen Laufbahn?

Hauswirth: Mein schwärzester Tag war, als mir der FC Bayern nach meinem ersten Jahr A-Jugend mitgeteilt hat, dass ich im nächsten Jahr nicht für den Verein spielen darf. Das war damals sehr hart für mich, immerhin habe ich fast jeden Tag mit den Jungs verbracht und dadurch auch viele neue Freunde dazugewonnen. Der schönste Moment war das Spiel mit dem FC Bayern gegen die U19 von Inter Mailand auf dem Trainingsgelände von Real Madrid. Da es die Partie beider Jugendmannschaft war, die damals einen Tag später das Champions-League-Finale in Madrid gespielt haben und es auch live im Fernsehen übertragen wurde, waren sehr viele Zuschauer da und die Stimmung war fantastisch. Das werde ich nie vergessen!

Vielen Dank Vale für das spannende Gespräch!

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