Nur ein One-Night-Stand mit Fortuna?

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Über das Buchbacher Glück beim 2:1 am Freitag gegen Wacker Burghausen. Ein Nachdreh zum Derby und die besten Bilder zum Spiel.

Von Michael Buchholz

„In ein paar Wochen fragt keiner mehr danach, ob das glücklich war“, Buchbachs manchmal ein wenig knorrig wirkender Co-Trainer Walter Werner erfreute sich nach dem 2:1 am Freitagabend sichtlich gut gelaunt der drei Punkte in der Fußball-Regionalliga Bayern und genoss die von ihm zur Halbzeit postulierte Geschichtsschreibung: Den ersten Sieg der Buchbacher in einem Punktspiel gegen den SV Wacker Burghausen. Sein erster großer Sieg mit Buchbach.

Beides bleibt: Die Punkte und der Eintrag in die Vereinschronik - den einen der nüchterne Sachwert und das so kurz vor Schluss eruptierte Hochgefühl, den anderen der schnöde Verlust und die bittere Prestige-Depression? Moment, Momentaufnahme! „Das haben meine Jungs nicht verdient“, so der erste Kommentar von Burghausens Trainer Mario Demmelbauer, der ja noch in der vergangenen Saison den Platz von Werner einnahm. Der Buchbacher Ex-Co war enttäuscht, bitter enttäuscht. Zurecht: Sein Team war in den ersten 45 Minuten souveräner, taktisch überlegen und gefährlicher. Führte verdient mit 1:0.

Rote Karte sorgt für Wirbel

„Nach der Buchbacher Systemumstellung hatten wir Schwierigkeiten und sind auch nicht mehr gerecht behandelt worden“, bilanzierte Demmelbauer. „Wir mussten etwas verändern“, bekannte Anton Bobenstetter, der mit Stefan Alschinger nicht nur mehr Vorwärtsqualität einwechselte, sondern auch die Grundaggressivität, die Buchbach in den ersten 45 Minuten fehlte. „Wir haben doch in der ersten Halbzeit  gelinde gesagt geschlafen“, ärgerte sich Buchbachs Abteilungsleiter Günther Grübl und sein Stellvertreter Georg Hanslmaier bestätigte: „Ab der 20. Minute sind wir nur hinterher gelaufen.“ Allein der Tausch der Aggressiv-Leader Alschinger gegen den diesmal vielleicht zu zahmen Hannes Hain brachte die Wende freilich nicht.

Mit den viel zitierten und noch öfter beschworenen Qualitäten von Einsatz und Willensstärke, war es letztlich auch nicht getan. „Es war schon ein wenig Glück dabei, dass Aleks Petrovic nach der Ecke von Mijo Stijepic mit dem Kopf so zum 1:1 ran gekommen ist“, erklärte Werner. Einsatz ja, Glück auch aus Buchbacher Sicht, dass Kevin Hingerl kurz danach den Patzer von Dominik Süßmaier gegen Thomas Leberfinger auf der Linie ausbügeln konnte. Dass Patrick Walleth im Gegenzug gegen Christian Brucia von hinten zu spät kam, steht außer Frage, dass das Regelwerk eine rote Karte hergibt ebenso, dennoch schieden sich die Geister. „Er hat mich getroffen, die Situation kann ich aber nicht beurteilen“, gab sich der Gefoulte neutral, während Harry Bonimeier meinte: „In meinen Augen hätte es Gelb auch getan“. Der Ex-Burghauser, vor der Saison von Buchbach nach Erlbach gewechselt, bestätigte übrigens auch die Meinung von Demmelbauer: „Nach der Pause kannte der Schiedsrichter überwiegend nur eine Richtung.“

Breu wird kein Kopfball-Monster mehr

„Nicht entscheidend, Burghausen hatte es selbst in der Hand den zweiten Treffer zu setzen, danach wären wir mausetod gewesen“, deklarierte Hanslmaier die Schiedsrichterleistung insgesamt als „gut geleitet“, während Bobenstetter gestand: „In Burghausen wäre das nicht Rot gewesen. Es gibt immer einen gewissen Heimvorteil. Das haben wir auch schon so oft bitter bei Auswärtsspielen erfahren müssen.“ Dass Thomas Breu nach Flanke von Brucia mit einem Kopfball Marke Traumtor den Siegtreffer für Buchbach erzielt hat, stand dann auch nicht im ursächlichen Zusammenhang mit der Burghauser Dezimierung, auch wenn Demmelbauer zu Recht feststellte: „In Buchbach ist es in Unterzahl für jeden Gegner in dieser Liga unmöglich, Chancen für diese Heimmannschaft komplett zu unterbinden.“

Mag Brucia noch halbwegs als Flankengott durchgehen, Breu wird nie als Kopfball-Monster Berühmtheit erlangen. Insofern könnte der Buchbacher Sieg bei allen Qualitäten, die das Derby zeigte, auch als One Night Stand mit Glücksgöttin Fortuna zu verstehen sein, ohne zwingend dabei die Worte von Bobenstetter im Vorfeld zu bemühen: „Wir haben am Freitag die einmalige Chance Burghausen zu schlagen. Danach ist Burghausen wieder weit vor uns.“ Durchaus möglich, aber: Von dieser Einmaligkeit will der Buchbacher Trainer spätestens kurz vor dem Rückspiel am 20. März nächsten Jahres sicher nichts mehr wissen.

TSV Buchbach: Süßmaier - Grübl, Hingerl, Maxi Hain, Motz - Hannes Hain (46. Alschinger), Petrovic - Brucia, Denk (86. Hellinger) - Hamberger (74. Breu), Stijepic. Trainer: Bobenstetter/Werner.

SV Wacker Burghausen: Eiban - Burkard, Leberfinger, Kirschner, Taffertshofer - Knochner - Schröck, Walleth - Bauer (78. Duvnjak), Karayün (68. Giglberger) - Jais (87. Altenstrasser). Trainer: Demmelbauer.

Tore: 0:1 Leberfinger (24.), 1:1 Petrovic (63.), 2:1 Breu (88.)

Schiedsrichter: Pflaums (SV Dörfleins)

Zuschauer: 1 603

Gelb: - / Karayün, Knochner

Rot: Walleth (73.) wegen groben Foulspiels

Besonderheiten: keine

MB.

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