TSV 1860 Rosenheim - SpVgg Bayreuth 1:1

1860 Rosenheim vergibt Sieg - aber holt ersten Punkt

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Keinen Millimeter Raum ließen vor allem zu Beginn die Sechziger ihren Gegnern - hier bedrängen Maximilian Mayerl (l.) und Georg Lenz (r.) den Bayreuther Dominik Schmitt.

Rosenheim - Die Sechziger waren gegen die SpVgg Bayreuth nahe dran am ersten Dreier dieser Regionalliga-Saison. Verdammt nahe. Am Ende hatten sie ihn, obwohl sie ihn in der Hand hatten, wieder hergegeben. Nach dem Spiel überwog bei den Rosenheimern dennoch die Zufriedenheit einen ersten Punkt geholt zu haben. Mit einer Leistung auf der sich aufbauen lässt.

aus dem Jahnstadion berichtet Christian Schulz

Im Lager der Rosenheimer hatte man genau eine Woche Zeit die 0:3-Niederlage aus dem Spiel bei Ingolstadt II zu verdauen und verarbeiten. Und die Mannschaft von Trainer Klaus Seidel war gewillt im Heimspiel gegen die Oberfranken den ersten Dreier einzufahren. Nach der durchaus ansprechenden Leistung aus der Auftaktpartie gegen den Topfavoriten aus Unterhaching brannten die Rothemden auf die ersten Heimpunkte der Saison.

„Wir werden alles versuchen, einen Dreier einzufahren. Meine Spieler haben die Woche über sehr konzentriert gearbeitet und jede Einheit topmotiviert absolviert. Ein Heimsieg gegen das ambitionierte Team aus Bayreuth ist nicht unmöglich!“, so Seidel vor der Partie. Allerdings fügte der Rosenheimer Übungsleiter auch hinzu: „Dafür müssen wir jedoch an die Leistungsgrenze gehen, alles abrufen was in uns steckt und als geschlossene Einheit auftreten!“.

Sechziger setzen Vorhaben in die Tat um - energische Anfangsphase

Und genauso, wie sie es vorhatten, traten die Rosenheimer an diesem Sommerabend von der ersten Minute an auf. Kaum war angepfiffen, machten sich die Sechziger daran, die Gäste zu bearbeiten und zu bespielen – mit jede Menge Emotion und Biss. Die richtige Marschroute, denn die Bayreuther hatten eine strapaziöse viereinhalbstündige Busanreise bei Wochenend- und Urlauberverkehr in den Knochen. Und das merkte man ihnen auch an. Während die Oberfranken von Anfang an zu tief hinten standen, behäbig wirkten, nur äußerst schleppend in die Partie kamen und sich schwer taten - waren die Rosenheimer handlungsschnell, mutig, immer in Überzahl am Ort des Geschehens und vor allem äußerst aggressiv.

Service:

Die erste Viertelstunde des Spiels war die beste Phase des TSV 1860 Rosenheim in dieser ersten Halbzeit. Durch frühes und konsequentes Stören immer wieder schnell im Ballbesitz, versuchten sie ihre Feldüberlegenheit zu nutzen, nachzuschieben und sofort Druck zu machen. Die Bayreuther davon sichtlich beeindruckt, versuchten sich der Rosenheimer Offensivbemühungen so gut es ging zu erwehren um ohne eine Gegentreffer zu kassieren, erst einmal in das Match hinein zu finden.

Rosenheim mit ersten Möglichkeiten

Möglichkeiten hatten indes zunächst ausschließlich die Rosenheimer – wenig verwunderlich bei dem Dampf, mit dem sie hier gestartet waren. Und auch in der Defensive zeigten sie sich ruhig und abgeklärt, initiierten immer wieder einen cleveren Spielaufbau. Auch die Verschiebebewegungen stimmten. Das sah viel besser aus, als noch in Ingolstadt – vor allem weil die Hausherren viel konzentrierter zu Werke gingen. Hundertprozentige Chancen sprangen dabei zwar nicht heraus – aber immer wieder Halbchancen und Abschlüsse. Die Sechziger also jederzeit gefährlich – und nicht weit davon entfernt, ihre Dominanz auch in Zählbares umzuwandeln.

Die besten Gelegenheiten hatte der Torjäger der Roten Danijel Majdancevic. Sein erster Schussversuch von halbrechts knapp innerhalb des Strafraums ging allerdings deutlich neben den Kasten (7.). Wenige Minute später bekam Majdancevic erneut im Sechzehner den Ball. Aus acht Metern visierte er die lange Ecke an – allerdings zu schwach, so dass ein Bayreuther Verteidiger klären konnte (13.).

1860 Rosenheim - SpVgg Bayreuth

Erst nach der Trinkpause, welche Schiedsrichter Andreas Hummel beiden Mannschaften gönnte, beruhigte sich das Geschehen nach und nach. Resultat dessen, dass die Gäste langsam in der Partie angekommen waren und die Rosenheimer etwas den Fuß vom Gas nahmen oder nehmen mussten. Sechzig zwar weiterhin im Vorteil, aber die Darbietung begann sich ausgeglichener darzustellen.

In der 33. Minute versuchte sich Sascha Marinkovic nach einem langen Ball von Kapitän Matthias Heiß zentral aus sechzehn Metern mit einem Fallrückzieher. Sein Ball konnte allerdings von Gäste-Keeper Jonas Hempfling mühelos entschärft werden.

Schockmoment für Sechzig - Elfmeter für Bayreuth!

Zwei Minuten später allerdings die kalte Dusche für die Hausherren. Mit ihrem einzigen wirklich vielversprechenden Angriff wären die Gäste fast zum Torerfolg gelangt. Nach einem schlimmen Fehlpass der Rothemden im Mittelfeld bekam Tobias Ulbricht den Ball durch die Schnittstelle gelegt und wurde vom ihm entgegen eilenden Torhüter der Sechziger Dominik Süßmaier rustikal von den Beinen geholt. Klarer Elfmeter. Doch Süßmaier zeigte sich beim Strafstoß von Kristian Böhnlein von seiner besten Seite – nämlich als Elferkiller! Der Bayreuther hatte die linke untere Ecke anvisiert – doch Süßmaier hatte sich richtig entschieden, war zur Stelle und hielt das Ding! Wahnsinnige Minuten im Jahnstadion!

Beflügelt von dieser Riesenmöglichkeit kamen die Gäste gegen noch immer leicht geschockte Rosenheimer gleich zu einer nächsten Tormöglichkeit: Wieder spielten die Oberfranken einen klasse Konter. Sie steckten den Ball auf Patrick Weimar durch, der zwei Gegenspieler aussteigen ließ und das Leder aus zwanzig Metern knapp über die Latte zirkelte (39.). Bayreuth also erst gegen Ende des ersten Durchgangs offensiv aktiv. Dann war Pause.

Marinkovic fast mit dem Traumtor nach dem Seitenwechsel

Die zweite Hälfte begannen die Rosenheimer nicht weniger forsch als die erste. Die Sechziger hatten ihren Gegner einfach im Griff. Sofort wurde der Weg nach vorne eingeschlagen und sofort ergab sich daraus die erste Chance. Und was für eine: Weiter Ball auf Robert Köhler. Dieser gab mustergültig von rechts außen herein in den Strafraum. Und dort setzte Sascha Marinkovic in den Ball springend mit einem Kabinettstückchen par excellence mit der Hacke den Ball haarscharf am langen Eck vorbei (48.)! Was für eine Szene! Das wäre garantiert der Bayern-Treffer gewesen.

Danach jedoch wurde das Spiel merklich ruhiger. Die Gastgeber mussten sicherlich etwas ihrem hohen Tempo in Halbzeit Eins Tribut zollen. Ihr kraftraubendes Pressing und die hohe Laufarbeit waren intensiv gewesen – und ließen sich so nicht über die komplette Spieldauer durchziehen. Die Gäste aus der Wagnerstadt hingegen ließen es weiter gemächlich angehen. Ihr Auftreten hier ließ nur einen Schluss zu: Sie hatten gehörig Respekt vor den Rosenheimern – und in der Anfangsphase sicher noch weiteren hinzu gewonnen. Ihnen schien hier ein Punkt definitiv zu genügen. Sollte sich mehr ergeben, würde man es mitnehmen – mehr aber auch nicht. Die Bayreuther standen weiter tief, machten so gut wie nichts nach vorne, fuhren keinerlei erfolgversprechende Konter und hatten offensichtlich auch nicht die Absicht, daran etwas zu ändern.

Die Neuen im Zusammenspiel - Rosenheim geht verdient in Führung

Und gerade in der Phase, in welcher der Schwung der Rosenheimer etwas erlahmte, belohnten sie sich für den zuvor betriebenen Aufwand: Mit einer Leistung des Willens – und der Neuen. Freistoß für die Sechziger von der rechten Außenlinie aus etwa 40 Metern. Der aus der A-Jugend des FC Deisenhofen gekommene Alexander Zetterer brachte den Ball herein und wie im Spiel gegen Haching war es Neu-Kapitän Heiß der traf. Diesmal per Kopf. Unnachahmlich schraubte er sich nach oben und wuchtete das Leder unhaltbar in die Bayreuther Maschen (72.)!

Die Führung für die Rothemden war hoch verdient. Im Spiel der Gastgeber verursachte sie aber danach einen kleinen Bruch. Vielleicht etwas dadurch bedingt, dass den Sechzigern erstmals in dieser Saison bewusst wurde, dass sie in Front lagen – und gegen einen Gegner, der an diesem Tag definitiv schlagbar war, nun etwas zu verlieren hatten. Das ließ sie vorsichtiger werden – das Augenmerk lag jetzt eher darauf, das Ergebnis sicher nach Hause zu fahren. Und natürlich war es auch dadurch bedingt, dass die Bayreuther jetzt ja gar nicht anders konnten, als ihrerseits ihre Bemühungen zu intensivieren, wollten sie hier nicht ohne Punkte die Heimreise antreten.

Bitter für die Sechziger - Bayreuth schlägt zurück

Die Oberfranken versuchten es also – und sie schafften es Minuten vor Schluss tatsächlich noch. Die Rosenheimer hingegen gaben den Sieg noch aus der Hand. Nachdem sich die Hausherren sich zwar weiter zurück fallen ließen, aber nicht in jeder Situation die Kontrolle behielten, ließen sie einmal im Halbfeld den Gästen zuviel Platz:

Prompt kam das Anspiel in den Strafraum auf Patrick Weimar. Dieser drehte sich mit einer technischen Meisterleistung noch während der Ballannahme blitzschnell um seinen Gegenspieler Zetterer und kam zu Fall. Obwohl Zetterer in dieser Situation eigentlich wenig mehr machen konnte, als stehen zu bleiben, entschied Schiedsrichter Hummel erneut auf Elfmeter. Der eingewechselte Sebastian Glasner verwandelte den fälligen Strafstoß und die einzig wirklich gefährliche Torchance der Bayreuther in der gesamten zweiten Halbzeit humorlos links unten zum schmeichelhaften Ausgleich (84.).

Danach passierte nichts mehr. Das Spiel endete mit einer Punkteteilung. Den leidenschaftlich kämpfenden Rosenheimern gelang es nicht, sich nicht für ihren enormen Aufwand über das gesamte Spiel final zu belohnen. Die Enttäuschung darüber sah man den Sechzigern zwar deutlich an, als sie den Rasen verließen – aber nach und nach setzte sich bei Ihnen der Gedanke durch, dass man eben ein Aufsteiger ist, der noch dazulernen muss, und man endlich einen ersten Punkt einfahren konnte.

Heimsieg wäre möglich gewesen - Rosenheimer zufrieden

„Auch wenn ein Sieg möglich gewesen wäre: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“, bemerkte ein schmunzelnder 1860-Coach Klaus Seidel nach dem Spiel treffend. Er hatte ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen. Und auch der Sportliche Leiter der Sechziger Hans Kroneck zeigte sich mit einigem Abstand zum Schlusspfiff zufrieden: „Ich freue mich, dass wir jetzt auch einmal gepunktet haben. Man muss eben sehen, dass uns in einigen Situationen noch die letzte Cleverness fehlt. Aber wir haben vor allem gesehen, dass wir dran sind – und in der Liga absolut mithalten können. Das ist das, was wir aus diesem Spiel mitnehmen können!“.

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