FC Bayern München II - TSV 1860 Rosenheim 2:1

Rosenheimer unterliegen Bayern denkbar knapp

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Gab in einer umkämpften Partie auf Augenhöhe die Flanke zum zwischenzeitlichen Ausgleich: Rosenheims Abwehrspieler Markus Wallner (m).

München - In einer Partie, in der die Rosenheimer ein weiteres Mal ihre Regionalligatauglichkeit unter Beweis stellten, blieben sie am Ende dennoch nur zweiter Sieger. Aufgrund einiger weniger Unachtsamkeiten der Gäste konnten die favorisierten Bayern am Ende ein Spiel, das bis zuletzt völlig offen war, für sich entscheiden.

aus dem Grünwalder Stadion berichtet Christian Schulz

Die ambitionierten "kleinen Bayern" von Trainer Heiko Vogel belegten vor dem neunten Spieltag der Regionalliga Bayern mit vierzehn Zählern und noch ungeschlagen den vierten Tabellenplatz der Regionalliga. Jedoch hatten sie bedingt durch Spielverlegungen aufgrund der USA-Reise der Profis, bei der einige Amateure mitfahren durften, erst sechs Partien absolviert. Nach dem Start mit lediglich einem Punkt aus den ersten vier Spielen, sammelte Aufsteiger 1860 Rosenheim in den vergangenen vier Partien gleich neun Zähler und rangierte damit vor der Partie auf einem tollen neunten Tabellenplatz.

„Rosenheim ist nach den letzten Ergebnissen im Aufwind. Uns erwartet ein kampfstarker und defensiv agierender Gegner.“, meinte Vogel im Vorfeld des Spiels. „Für uns gilt es, geduldig und präzise zu sein. Wir wollen das Bollwerk knacken und die Kontergefahr im Keim ersticken.“, so der FCB-Coach.

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Genau diese Geduld und Präzision auf die Probe stellen, wollte hingegen sein Kontrahent, der Trainer der Rosenheimer Roten, Klaus Seidel: „Unser Gegner ist spielerisch und technisch stark und eine der Spitzenmannschaften der Liga. Wir werden versuchen mit viel Kampf, Laufbereitschaft und Leidenschaft so lange es geht dagegenzuhalten und das Spiel dadurch möglichst lange offen halten zu können. Vielleicht gelingt uns dies bis zum Schluss.“.

Bayern will geduldig bleiben - Rosenheim dagegen halten

Dementsprechend gingen beide Teams das Match an. Und die Seidel-Truppe setzte ihre Marschroute eigentlich auch relativ ordentlich um. Die Rosenheimer begannen das Spiel geordnet, völlig ohne Spuren von Nervosität und auch durchaus mutig. Bei eigenem Ballbesitz wurde sich was zugetraut, die Pässe kamen größtenteils an und wenn sich die Möglichkeit ergab, wurde auch der Weg nach vorne gesucht. In der Anfangs- und Abtastphase der Partie waren es sogar die Sechziger, welche sich leichte Feldvorteile erspielen konnten und öfter in der Hälfte der Bayern zugegen waren, als umgekehrt.

Auch Kampf und Leidenschaft der Gäste stimmten wie vorgegeben. Ja, die Rosenheimer scheinen mittlerweile wirklich in dieser Regionalliga angekommen zu sein. Spielerische Versatzstücke sehen immer wieder gut aus, das Defensivverhalten ist so diszipliniert und aufeinander abgestimmt, dass man es jedem Gegner schwer macht. Auch wenn das in diesem Spiel nicht in jeder Situation galt – manchmal trauten die Sechziger sich vielleicht ein wenig zu viel zu und der fünfte Direktpass beim Versuch couragiert nach vorne zu spielen und keineswegs nur hinten drin zu stehen, ging daneben und eröffnete Räume für die Heimelf - ein Klassenunterschied, wie noch in der Vorbereitungspartie beider Mannschaften, war keinesfalls auszumachen.

FC Bayern II - 1860 Rosenheim

Und so entwickelte sich ein unterhaltsames Regionalligaspiel, wenn auch zunächst ohne aufreibende Torraumszenen – dazu blieben die Bayern zu Verhalten und die Rosenheimer unter dem Strich zu wenig durchschlagkräftig. Es war ein ausgeglichenes Aufeinandertreffen, welches die 600 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße geboten bekamen.

Rosenheim gut im Spiel - doch Abwehrschnitzer bringt Bayern die Führung

Die Rosenheimer hielten das Spiel in der Tat jederzeit offen. Einzig die Vorgabe, möglichst lange die Null zu halten konnten sie nicht erfüllen: Nach einer Unstimmigkeit in der Rosenheimer Abwehr, die in dieser Situation zu offen und nicht tief genug stand, kam Bayerns Edeltalent Milos Pantovic etwa zwanzig Meter vor dem Tor an den Ball, drang von halblinks in den Strafraum ein, zog aus elf Metern ab und setzte das Leder mit einem satten Schuss unhaltbar für Sechzigs Torhüter Dominik Süßmaier ins lange Eck (13.).

Anschließend entwickelte sich die Partie dahingehend, dass die Bayern zwar etwas mehr Ballbesitz erlangten und das Spiel weitestgehend kontrollierten, die Rosenheimer sich allerdings auch immer wieder an gelegentlichen Entlastungsversuchen probierten – und dadurch jederzeit gefährlich und in Schlagdistanz blieben.

Außer dem ein oder anderen Distanzschuss und einigen wenigen Halbchancen brachte der Ballbesitz den Münchnern nämlich nichts ein. Die meisten Angriffsbemühungen prallten wirkungslos an den gut sortierten Abwehrreihen der Sechziger ab. Die Überlegenheit der Hausherren blieb – wenn überhaupt – eine optische.

Mehrfachchance zum Ausgleich

Nach 28 gespielten Minuten hatte der Underdog die ganz große Gelegenheit zum Ausgleich. Und das gleich mehrfach: Nach einem feinen Freistoß von Rosenheims Neuzugang Ludwig Räuber aus dem rechten Halbfeld kam Danijel Majdancevic, der sich freigestohlen hatte, aus kurzer Distanz zum Kopfball. Bayern-Keeper Andreas Rößl konnte gerade noch parieren. Majdancevic brachte das Leder fast von der Torauslinie erneut nach innen. Der erste Schußversuch der Rosenheimer wurde geblockt, der zweite Nachschuss von Philipp Maier erst auf der Linie geklärt. Glück für die Bayern!

Da sich auch in den folgenden gut zwanzig Minuten nichts an dem beschriebenen Spielgeschehen änderte und weitere größere Tormöglichkeiten ebenso ausblieben, ging es mit einer knappen Führung der Münchner in die Kabinen. Ein durchaus ansprechender Auftritt, den die Rosenheimer bis hierhin hinlegten – von den fatalen Unachtsamkeiten nach einer Viertelstunde einmal abgesehen.

Knappe Halbzeitführung für die Hausherren

In der zweiten Halbzeit sollten es die Gäste noch besser machen und in der Defensive über weite Strecken so gut wie gar nichts mehr zulassen. Nach 50 Minuten brachte Seidel dann Linor Shabani für Räuber. Der Rosenheimer Mittelfeldmotor sollte dem Spiel der Sechziger noch einmal zusätzlichen frischen Wind einhauchen. Direkt im Anschluss hätten die „kleinen Bayern“ allerdings beinahe ihre Führung erhöht und das Zwischenergebnis auf 2:0 gestellt:

Nach einer schönen Kombination über die rechte Seite wurde der Ball Felix Pohl, der die rechte Außenbahn der Bayern beackerte, in den Strafraum geflankt. Fünf Meter vor dem Kasten kam Bayerns Kapitän Karl-Heinz Lappe völlig frei zum Kopfball – doch sein Aufsetzer ging über die Latte. Süßmaier wäre wohl machtlos gewesen. Diesmal die Rosenheimer mit großem Glück, dass Lappe nicht besser zielte (51.).

Wallner auf "Goldkopf" Marinkovic - Ausgleich!

Nur fünf Minuten später klingelte es dann – allerdings auf der gegenüberliegenden Seite: Ein Abwehrrecke packte die feine Klinge aus. Markus Wallner schlug einen wunderbaren und maßgenauen Flankenball aus dem linken Halbfeld über die gesamte Bayern-Abwehr hinweg. Am langen Fünfereck stand Sascha Marinkovic goldrichtig, ließ Rößl im Tor der Bayern keine Chance - und köpfte zum Ausgleich ein (56.)!

Unerwartet und aufgrund der riesigen Möglichkeit der Bayern auf der Gegenseite nur kurz zuvor sicherlich etwas glücklich – aber unverdient war das hier sicher nicht. Die Rosenheimer ackerten, zeigten was sie drauf haben und glaubten an sich. Die Bayern hingegen taten Alles in Allem zu wenig und brachten daher zu selten ihr überlegenes spielerisches Potential auf den Rasen.

Rosenheim selbstbewusst und mutig - und wieder unachtsam

In der Folgezeit begann dann wieder eine Phase, in der es wieder die Sechziger waren, die leichtes Oberwasser bekamen. Schon bemerkenswert anzusehen, welch stete Entwicklung die Seidel-Elf seit dem Aufstieg aus der Bayernliga genommen hat. Mittlerweile deutete Vieles darauf hin, dass Die Rosenheimer sich hier würden ein gerechtes Unentschieden erarbeiten können.

Mitten hinein in diese Periode fiel allerdings die erneute Führung für die Gastgeber. Und wieder verursachten sie die Sechziger auf äußerst unachtsame Weise selber: Bayerns Fabian Benko bekam links im Strafraum zu viel Platz zugestanden. Diesen nutzte er sofort aus und legte, nachdem er präzise angespielt worden war, umgehend quer auf Pantovic. Dieser wurde dann von Sechzigs Kapitän Matze Heiß unglücklich über den Haufen gerannt – und Schiedsrichter Florian Kornblum blieb keine andere Möglichkeit, als auf Elfmeter zu entscheiden. Den fälligen Strafstoß verwandelte der gefoulte Pantovic selbst cool und abgeklärt ins linke Eck (69.).

Bayern spielbestimmend - Rosenheim gibt nicht auf

Im Anschluss an diesen Nackenschlag waren wieder die Bayern spielbestimmend. Allerdings weiterhin so ineffektiv, wie zuvor. Die Rosenheimer gaben sich genauso weiterhin nicht geschlagen, kämpften weiter und schafften es auch immer wieder, sich ihrerseits dem Gehäuse von Rößl gefährlich zu nähern.

Die hundertprozentige Chance zum neuerlichen Ausgleich oder der krönende Abschluss blieben allerdings aus – und da auch die Bayern es in den Schlussminuten versäumten, gegen Sechziger, die nun ihre Reihen völlig geöffnet hatten, um doch noch das Remis zu erreichen, ihre teilweise eklatanten Konterchancen vernünftig auszuspielen, blieb es beim äußerst knappen Heimsieg für die Münchner. Aufgrund der geringeren Anzahl an entscheidenden Fehlern und der Spielanteile vielleicht nicht unverdient – allerdings hatten auch die Rosenheimer ihr Versprechen und die Partie bis ganz zum Ende offen gehalten.

Offenes Spiel endet mit Sieg der Gastgeber

Die Saisonbilanz der Rosenheimer im Grünwalder Stadion: zweimal gut gespielt, zweimal keine Punkte mitgenommen. Ein Beinbruch ist das sicher nicht – auf dem Zettel gehabt haben wird die Zähler im Lager der Sechziger sicher niemand. Die Leistung hat erneut gestimmt – und das ist mit Sicherheit das, was die Rosenheimer aus diesem Spiel mitnehmen werden. Das Abenteuer Regionalliga aus dem Hause Jahnstraße bleibt weiterhin ansehnlich – und spannend.

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