FC Bayern München II - SV Wacker Burghausen 2:2

Couragierter SV Wacker holt Punkt in München

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Mit höchster Konzentration in der Defensive und der nötigen Durchschlagskraft holten sich die Kicker des SV Wacker Burghausen einen verdienten Punkt bei Bayern München II.

München - Der SV Wacker kann es noch. Mit einer über neunzig Minuten überzeugenden und konzentrierten Leistung gehen die Schwarz-Weißen zweimal in Führung und erkämpfen sich schließlich ein verdientes Unentschieden bei den "kleinen Bayern". Ein Traumtor für die Burghauser erzielt dabei Benjamin Kindsvater.

aus dem Grünwalder Stadion berichtet Christian Schulz

Acht Punkte aus acht Spielen hatte der SV Wacker vor dem Aufeinandertreffen mit der Zweitvertretung des Deutschen Rekordmeisters auf dem Punktekonto. Viel zu wenig für die hohen Ansprüche von allen - Verein, Spieler, Trainer und nicht zuletzt auch Fans - in Burghausen. „Meine Mannschaft hat das Potenzial, auch in dieser Saison wieder im oberen Tabellendrittel mitzuspielen“, war Wacker-Coach Uwe Wolf vor der Partie weiterhin überzeugt. Zeigen müsse sie es nur, und zwar über 90 Minuten.

Konzentration und Konsequenz - gesagt, getan

„Es ist gut, dass wir am Dienstag schon wieder spielen. Die Jungs sind heiß, die Niederlage in Seligenporten wieder gut zu machen“, betonte Wolf. „Uns hat die Durchschlagskraft in der Endzone gefehlt. Und wir bekommen zu einfache Gegentore. Wir müssen uns besser absichern und konsequenter in die Zweikämpfe gehen!“, forderte der Trainer von seinen Spielern höchste Konzentration ein - von der ersten bis zur letzten Minute.

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Und konzentriert gingen die Burghauser das Geschehen auch an, vor den 900 Zuschauern auf Giesings Höhen. Von Beginn an gut im Spiel setzten die Kicker von der Salzach vor allem die Vorgaben ihres Trainers um, hinten konzentriert zu stehen und keine Geschenke zu verteilen. Auch die Zweikämpfe wurden allesamt angenommen und zumindest defensiv größtenteils erfolgreich absolviert. Übermäßig nervös wirkte der SVW jedenfalls – den jüngsten Negativerlebnissen zum Trotz – nicht. Anscheinend sind waren den Wolf-Schützlingen die eigenen Stärken noch durchaus bewusst. Nach vorne lauerte man und schaute, was der Abend so bieten würde.

Fast die Blitzführung durch Duhnke

Und das wäre beinahe die äußerst frühe Führung für das Gästeteam gewesen: Nachdem sie einen Vorstoß der Bayern abgefangen hatten, spielten die Burghauser den Ball schnell in die Spitze auf Juvhel Tsoumou. Bayerns Torwart Andreas Rößl kam heraus und versuchte das Anspiel, das für Tsoumou zu steil gewesen war, zu klären. Allerdings viel zu kurz! Und genau in die Füße von Ex-Münchner Marius Duhnke im rechten Mittelfeld. Dieser zögerte nicht lange und schlug den Ball sofort aus fast 35 Metern über den herausgeeilten Keeper hinweg auf das Bayern-Gehäuse. Alle konnten nur noch hinterherschauen – doch das Leder klatschte auf die Oberkante der Latte (4.)! Was für ein Glück für die Bayern! Und was für eine Möglichkeit für Wacker!

Auf der Gegenseite bekamen die Bayern nach etwa zehn Minuten ihre erste Torgelegenheit. Sie resultierte aus einem der ganz wenigen Fehler der Gäste im ersten Durchgang: Nach einem Abspielfehler im Aufbau in der rechten Defensive kam der Ball nicht zu einem Wacker-Akteur, sonder fataler Weise zu Ex-Rosenheimer Raphael Obermair im Zentrum. Der Neu-Münchner ahm das dankend an, ging sofort dynamisch in Richtung Strafraum und bediente mustergültig Milos Pantovic auf halbrechts. Der kam aus elf Metern zum Abschluss – sein Schuss auf die kurze Ecke ging allerdings ans Außennetz (9.).

Ausgeglichenes Spiel - wenig Torraumszenen

Es war eine ordentliche Regionalligapartie in dieser Anfangsphase, wenn auch keine spektakuläre. Der FC Bayern hat etwas mehr Ballbesitz, aber die Burghauser waren im Spiel und konnten das Geschehen ausgeglichen gestalten. Und dies sollte sich auch in der Folge so fortsetzen. Sicherlich kontrollierten die Bayern hier das Geschehen – aber eben nicht zielstrebig genug. Den letzten Pass verhinderten die Gäste immer wieder durch die geschickte Staffelung ihrer Abwehrreihen. Nach vorne wurde der SV Wacker allerdings nach und nach etwas harmloser.

FC Bayern II - Wacker Burghausen

So gehörten die wenigen Torchancen, die sich überhaupt ergaben, zunächst den Hausherren: Nach einer Ecke der Bayern stieg Leon Fesser am höchsten, aber der sichere Wacker-Rückhalt Alexander Eiban konnte den Ball parieren (22.). Ebenfalls nach einer Ecke verlängerte Münchens Nicolas Feldhahn auf den zweiten Pfosten zu seinem Kapitän Karl-Heinz Lappe. Dessen Direktschuss ging knapp am linken Pfosten vorbei (35.).

Elfer für Wacker - Tsoumou eiskalt

Das die Burghauser aber dennoch selbstbewusst blieben und wussten, wo das Tor der Bayern stand, bewiesen sie bei einem ihrer wenigen Vorstöße gegen Ende dieser ersten Halbzeit: Nach einem langen Ball drang Wackers Benjamin Kindsvater von links in den Strafraum ein und wurde dort in den Augen von Schiedsrichter Christian Dietz regelwidrig zu Fall gebracht. Elfmeter für Wacker! Tsoumou nahm sich das Leder und verwandelte den Strafstoß sicher und humorlos rechts unten (39.).

Der SV Wacker lag also erst einmal in Führung. Recht viel besser hätte es nicht laufen können für die Truppe von Uwe Wolf. Ein couragierter Auftritt der Burghauser. Für den sie sich noch vor dem Pausenpfiff fast sogar mit einem Zwei-Tore-Vorsprung belohnt hätten: Diesmal setzte sich Duhnke links im Bayern-Strafraum durch und zog ab - seinen platzierten Schuss ins lange Eck konnte Rößl nur mit viel Mühe noch abwehren (42.).

Bayern nach dem Wechsel forscher

Dann war Halbzeit. Nach der Pause kamen die Bayern natürlich mit Wut im Bauch aus der Kabine – klar sie wollten hier das Ergebnis schnellstmöglich drehen. Die erste Großchance nach Wiederbeginn bekamen allerdings wieder die Gäste: Nach einem Abspielfehler der Bayern-Abwehr steuert Kindsvater von links in den Strafraum, ließ einen Gegenspieler aussteigen und schloss ab – doch wieder war Torwart Rößl zur Stelle (54.).

Kurz darauf hatte der Nachwuchscoach der Münchner Heiko Vogel genug, beziehungsweise wieder einmal seine Nerven nicht im Griff und wurde vom Referee auf die Tribüne geschickt (58.). Kaum dort angekommen, sah er eine gute Gelegenheit der Bayern zum Ausgleich: An der Strafraumgrenze nahm Lappe den Ball wunderschön mit der Brust mit und zog aus vollem Lauf sofort ab - eine Glanzparade von Tausendsassa Eiban verhinderte den Einschlag (60.).

Münchner Druckphase führt zum Ausgleich

Dies sollte der Startschuss für eine Druckperiode der Bayern werden, die jetzt mit Vehemenz auf einen eigenen Torerfolg drängten. Die Burghauser weiterhin konzentriert – allerdings gerieten sie jetzt aufgrund des erhöhten Tempos der Münchner und deren viel größeren Zielstrebigkeit häufiger in Bedrängnis. Auch Wackers Konterversuche und daraus resultierende Möglichkeiten wurden zusehends rarer.

Das hatte schließlich den Ausgleich zur Folge: Hatte Schiedsrichter Dietz zunächst noch eine Schwalbe von Bayerns Sebastian Bösel im Sechzehner der Burghauser mit Gelb geahndet (61.), wollte er nur kurze Zeit später ein Foul von Wackers Christoph Schulz an Felix Pohl erkannt haben und entschied erneut auf Strafstoß. Auch dieser wurde sicher verwandelt – Pantovic traf zum 1:1 für die „kleinen Bayern“ (69).

Kindsvater packt einen aus - und knallt Wacker erneut in Führung!

Doch wär gedacht hatte, der SV Wacker wäre davon geschockt und würde angesichts des von einem Tor gekrönten Münchner Angriffswirbels nun einbrechen, sah sich getäuscht – und zwar gewaltig. Von wegen. Denn die Burghauser ließen sich keine Zeit groß zu grübeln – sondern gingen umgehend wieder in Front. Und zwar durch ein Traumtor! Nach einer Ecke wurde der Ball von den Bayern zu kurz abgewehrt und landete knapp außerhalb des Strafraums bei Kindsvater. Der fackelte nicht lange – und hämmerte das Spielgerät mit einem kolossalen Schuss unhaltbar oben rechts in den Kasten (72.)! Was für ein Ding – was für eine Moral! Der Jubel der Gäste kannte kaum Grenzen – die schwarz-weiße Spielertraube stürmte geschlossen zum mitgereisten Anhang.

Doch auch die Gastgeber gaben nicht auf. Sie wollten hier nach ihrem engagierten Auftreten in Hälfte Zwei auf keinen Fall als Verlierer vom Platz gehen. Die Bayern drückten weiter gewaltig aufs Gaspedal. Von den vier Halbzeiten gegen Rosenheim und Burghausen war dies mit Sicherheit ihre stärkste. Ein ums andere Mal tauchten sie mit Elan im letzten Drittel der Gäste auf und beschworen Gefahr für das von Eiban gehütete Gehäuse. Burghausen versuchte sich mit Händen und Füßen diesem Druck zu erwehren und fuhr, so gut es ging, gelegentliche Konter. Es war jetzt ein richtig gut anzusehendes Fußballspiel.

Bayern drängt weiter und erarbeitet sich Elfmeter

Die Bayern mit zwei großen Chancen: Zuerst kam der eingewechselte Ilias Becker nach Hereingabe von Feldhahn knapp nicht an den Ball, dann probierte es Lappe im Nachschuss - aber Eiban parierte bravourös mit einem Reflex auf der Linie zur Ecke (83.)!

Letzten Endes konnten die Burghauser dem Anrennen der Bayern nicht vollends standhalten. Denn auch die Münchner belohnten sich für den ihrerseits betriebenen Aufwand mit einem weiteren Treffer: Nach dem folgenden Eckball war es Lappe, der im Kopfballduell Sieger blieb und den Ball unhaltbar für Eiban zum 2:2 ins lange Eck köpfte (84.)!

Ansehnliches Spiel endet mit gerechtem Unentschieden

An diesem unentschiedenen Spielstand änderte sich auch bis zum Schlusspfiff nichts mehr. Zwar zeigten die Bayern gerade gegen Ende dieser Partie gehörigen Siegeswillen – aber die Burghauser hielten auch toll dagegen und hatten in der ein oder anderen Situation einfach auch einmal das nötige Spielglück, welches ihnen in den vorangegangenen Spielen verwehrt geblieben war. Letzten Endes stand unter dem Strich ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ein Ergebnis, das dem SV Wacker und seinen Anhängern sicher moralisch äußerst gut tun wird – und damit sicher mehr nützt, als den Gastgebern, die weiter Boden auf die SpVgg Unterhaching verloren haben.

Die Burghauser hingegen konnten in dem Bewusstsein den Nachhauseweg antreten, ein gutes Spiel abgeliefert zu haben. Leidenschaft, Konzentration, Wille, Zweikampfstärke – all das hatte an diesem Abend gestimmt. Trainer Uwe Wolf dürfte gesehen haben, was er von seiner Elf sehen wollte. Und auch über die „Durchschlagskraft“ in der Offensive dürfte sich keiner beschweren.

Wacker-Coach Wolf voll des Lobes

„Ich muss meiner Mannschaft ein großes Lob aussprechen! Wir waren sicher in keiner einfachen Situation vor diesem Spiel. Auch psychologisch nicht. Dann diese Art und Weise des Auftretens gegen einen Gegner mit dementsprechender Qualität – das hat mir sehr gut gefallen!“, sagte Wolf im Anschluss an das Spiel und fügte hinzu: „Wir haben in den letzten Wochen oft auch Pech gehabt. Da waren wir überlegen aber zu leichtfertig. Und der erste Schuss des Gegners meist ein Treffer. Heute war es in der ein oder anderen Szene auch einmal umgekehrt. Aber dieses Spielglück muss man eben auch zwingen! Es war ein gerechtes Unentschieden. Hätte uns jemand vor dem Spiel gesagt, wir nehmen hier einen Punkt mit, hätten wir angenommen. Jetzt müssen wir im Heimspiel nachlegen!“.

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