FC Ingolstadt II - TSV 1860 Rosenheim 3:0

Sechziger enttäuschen und zahlen Lehrgeld in Ingolstadt

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Ein enttäuschter Georg Lenz (vorne), im Hintergrund die jubelnden Ingolstädter.

Ingolstadt - Mit einem in allen Belangen enttäuschenden Auftreten gab es für die Sechziger bei der Bundesliga-Reserve des FC Ingolstadt nichts zu holen. Vieles was gegen Unterhaching noch gut gemacht wurde, funktionierte an der Donau gar nicht. Vor allem die eklatanten Mängel in der ersten Hälfte raubten den Rosenheimern jede Chance auf einen Punktgewinn. Für die Roten geht es jetzt vor allem darum aus dieser Niederlage die richtigen Lehren zu ziehen.

aus dem ESV-Stadion berichtet Christian Schulz

Nach der wirklich beachtlichen Leistung in der Auftaktpartie gegen den Topfavoriten aus Unterhaching, bei der man zwar mit 1:2 Toren den Kürzen zog, aber durchaus schon eine erste Duftmarke setzen konnte, gingen der TSV 1860 Rosenheim voller Zuversicht an die Herausforderung des ersten Auswärtsspiels in Ingolstadt.

Die Ungewissheit, ob man auch in der höheren Spielklasse - vor allem gegen solche Kaliber wie Haching - dagegenhalten kann, war verflogen. Die Jungs von Trainer Klaus Seidel konnten die Erfahrung machen, dass sie als kompakt auftretende und eingeschworene Einheit aus einer gut organisierten Defensive heraus auf alle Fälle standhalten, ja sogar ein gewichtiges Wörtchen mitreden können.

Nach zufriedenstellendem Auftakt wollen die Sechziger Punkte

Auch der Sportliche Leiter der Roten Hansjörg Kroneck war mit dem Saisonauftakt gegen Unterhaching äußerst zufrieden: „Hätten bei Sascha Marinkovic nicht ein paar wenige Zentimeter gefehlt oder das eigentlich reguläre Tor von Max Mayerl gezählt, wäre mit einer Führung im Rücken sogar ein Punkt oder vielleicht ja sogar noch mehr drin gewesen. Aber das ist abgehakt. Nun wollen wir in Ingolstadt da weitermachen, wo wir aufgehört haben! Ein Punkt ist das realistische Ziel!“.

Und um dieses Ziel zu erreichen, hatte Rosenheims Trainer Klaus Seidel sein Team im Vergleich zur Begegnung gegen Unterhaching umgestellt. Überraschender Weise spielte entgegen der allgemeinen Erwartungen Danijel Majdancevic trotz eines immer noch bestehenden Trainingsrückstandes aufgrund seines längeren Urlaubs von Anfang an.

Um dies zu ermöglichen, baute Seidel seine im Heimspiel gegen Haching gut funktionierende Defensive um und verzichtete auf Alexander Zetterer, obwohl dieser durchaus überzeugt hatte. Als weitere Konsequenz daraus und um schneller herauszuschieben und sich nicht zu weit hinten hineindrängen zu lassen und somit vielleicht auch unter dem Strich offensiv gefährlicher zu werden, spielte Linor Shabani nicht auf seiner angestammten Position, sondern defensiver zurückgezogen.

Taktische Umstellung zeigt keinen Erfolg

Als erfolgreich stellte sich das nicht gerade heraus. Standen die Rosenheimer in der Anfangsviertelstunde noch relativ kompakt, wurden von Minute zu Minute die Defizite sichtbarer. Es gibt ja die Floskel von Mannschaften die nach und nach ins Spiel finden – bei den Sechzigern war es in der ersten Halbzeit umgekehrt: Sie fanden mehr und mehr aus dem Spiel.

Service:

Die Gastgeber aus Ingolstadt registrierten dies natürlich und nahmen sich nach der anfänglichen Abtastphase des ihnen überlassenen Gestaltungsspielraums an. Die Schanzer waren ab jetzt fast pausenlos in Ballbesitz, Rosenheim gelang so gut wie keine konstruktive Befreiung. Die Sechziger mussten unheimlich viel hinterher laufen und immer wieder Löcher zuschieben. Dies gelang aber eben nicht immer.

Der starke Ryoma Watanabe konnte sich auf der rechten Seite gut durchsetzen und legte quer auf Andreas Buchner. Dieser zog frei gelassen aus zentraler Position ab – doch sein Ball ging ganz knapp drüber (14.). 1860-Keeper Dominik Süßmaier war mit den Fingerspitzen wohl noch am Ball und lenkte das Leder über den Querbalken – Ecke gab es jedoch nicht. Eine erste gute Möglichkeit für die Ingolstädter Zweitvertretung.

Immer wieder Watanabe - Ingolstadts Wirbelwind dreht auf

Nur drei Minuten später nach einem der wenigen Rosenheimer Angriffsversuche: Konter der Schanzer über links. Wieder war es der äußerst agile Wirbelwind Watanabe, der Dampf in die Aktion brachte. Er war der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Schanzer – und von den Rosenheimern nicht unter Kontrolle zu bringen. Erst ließ er Shabani stehen, zog dann über außen zur Grundlinie durch und bediente per maßgenauer Flanke zwischen die Innenverteidiger wieder Buchner in der Mitte. Doch dieser machte seine Sache beim Kopfball schlecht und vergab aus fünf Metern Tordistanz. Die Möglichkeiten für die Hausherren häuften sich jetzt.

FC Ingolstadt II - 1860 Rosenheim

Die Überlegenheit der Autostädter sah jetzt immer drückender aus. Nach zwanzig Minuten wieder Ingolstadt mit zu viel Platz. Diesmal setzte sich Buchner in der Zentrale durch. Er steckte das Leder durch die Schnittstelle auf Sammy Ammari, der alleine vor Dominik Süßmaier auftauchte und die kurze Ecke anvisierte. Sein Flachschuss ging allerdings nur ans linke Außennnetz.

Ingolstadt immer dominanter - Heiß als einer der wenigen Lichtblicke

Ein Gegentor für die Sechziger schien mittlerweile nur eine Frage der Zeit. In diesen Minuten wirkten sie einfach nicht ganz wach, nicht voll da. Sie verloren viel zu viele leichte Bälle und schienen vor allem hinten lange nicht so sattelfest, wie noch in der Vorwoche gegen Unterhaching. Die taktische Umstellung schien hier wenig gefruchtet zu haben.

Allerdings war es auch vielfach deren miserable Umsetzung, mit der sich die Rosenheimer selbst Probleme schufen. Das Vorhaben schneller herauszuschieben klappte überhaupt nicht. Auch kaum ein Spieler im Mittelfeld hielt die ihm zugewiesene Position oder interpretierte sie richtig. Das sah gar nicht gut aus – eher nach heillosem Durcheinander. Und es bedeutete noch mehr Meter, die man dem Gegner hinterher eilen musste. Ein Umstand, den es vor allem für die Zukunft schleunigst abzustellen gilt.

Einzig der neue Kapitän und Ex-Ingolstädter Matthias Heiß erwies sich ein ums andere Mal als Fels in der Brandung und bereinigte reihenweise brenzlige Situationen. Definitiv beeindruckend, was Heiß in diesen ersten beiden Regionalligapartien im Trikot der Roten zeigte.

Nach 24 Minuten die nächste Großchance für den FCI: Ammari legte mit dem Rücken zum Tor auf Albano Gashi ab. Der zog von der Sechzehner-Grenze ab - doch Süßmaier war zur Stelle und konnte mit einer tollen Parade zur Ecke abwehren. Ingolstadt war hier absolut dominant und hätte in Führung gehen müssen, konnte aber zunächst nichts Zählbares erreichen – weil der Fußballgott und vor allem der sichere Rückhalt der Rosenheimer Süßmaier etwas dagegen hatten.

Nach einer halben Stunde der FCI mit dem Doppelschlag

In der 32. Minute war es dann aber soweit: Und wer sonst als Watanabe hätte es sein sollen, von dem die entscheidende Aktion ausging? Der Ingolstädter hob den Ball präzise von halbrechts hinter die Abwehr - und aus halblinker Position ließ sich Marcel Schiller diese Chance nicht entgehen und schob zum verdienten 1:0 ein. Süßmaier ohne Abwehrchance.

Und die Schanzer legten sofort nach: Rosenheims Abwehr wiederholt überfordert, Ingolstadts Thorsten Nicklas bekam eine hohe Flanke auf die linke Seite, lief ungestört bis zur Grundlinie – und passte von dort scharf ins Zentrum. Buchner ließ den Ball geschickt durch und Ryoma Watanabe musste aus sechs Metern nur noch einschieben (35.). Der FCI hatte seine Klasse gezeigt – und die Sechziger bis hierhin nichts entgegenzusetzen.

Zur Pause also eine völlig verdiente Führung für Ingolstadt. Eine klare und eindeutige Angelegenheit für die Schanzer. Eines war klar, der TSV 1860 Rosenheim musste in der zweiten Halbzeit definitiv eine Schippe drauflegen, wenn er von hier noch etwas mit nach Hause nehmen wollte.

Verdiente Halbzeitführung für die Schanzer - wenig Spannung in Hälfte Zwei

In der 53. Minute brachte Seidel den wiedergenesenen Josip Tomic für Sebastian Weber. Doch auch dieser Offensivwechsel änderte nicht viel an der Gesamtsituation. Die Sechziger machten ihre Sache jetzt ein klein wenig besser, wirkten zumindest sortierter, kamen auch mal zum ein oder anderen Abschluss, vor allem Sascha Marinkovic mühte sich redlich – allerdings hautptsächlich, weil die Ingolstädter sie gewähren ließen. Tomic hatte die Gelegenheit mit einem Fernschuss – aber auch der fand nicht sein Ziel.

Die Schanzer verwaltete das Spiel nun lediglich und machten das auch recht clever und abgeklärt. Sie konnten es sich mit der klaren Führung im Rücken ja auch leisten.Viel Erbauliches zu sehen gab es für die nur rund 250 Zuschauer demzufolge in Halbzeit Zwei nicht mehr. Beide Teams ließen hinten kaum etwas zu. Ingolstadt tat das Nötigste – und das reichte. Man ließ die Rosenheimer ein wenig mitspielen und lauerte auf den einen entscheidenden Konter.

Schiller setzt den Schlusspunkt - 3:0 für Ingolstadt

Der kam dann kurz vor Schluss in der 84. Spielminute: Ingolstadts Schiller kam kurz vor dem Rosenheimer Strafraum an den Ball, setzte sich gekonnt gegen drei Abwehrspieler durch, zog in den Strafraum – und ließ nach seinem schönen Alleingang Süßmaier erneut keine Chance und legte ihm den Ball zum 3:0 ins lange Eck. Der Käse im altehrwürdigen ESV-Stadion war gebissen.

Sechzig hatte danach gegen siegessichere Gastgeber zwar noch die ein oder andere Chance und hätte vielleicht noch den Ehrentreffer erzielen können – aber da diese genauso wenig verwandelt wurden wie ein Ingolstädter Konter bei dem Christof Fenninger am glänzenden Süßmaier scheiterte, blieb es schließlich beim auch in dieser Höhe verdienten 0:3 aus Rosenheimer Sicht.

Enttäuschender Tag für Rosenheim - doch der Blick ist nach Vorne gerichtet

Die Elf von Klaus Seidel hatte am heutigen Tag sicher bitteres Lehrgeld gezahlt. Das Gastspiel in Ingolstadt war auf allen Ebenen enttäuschend. Kein Beinbruch zwar, denn jedem, der die Rosenheimer Möglichkeiten kennt, war klar, dass auch solche Tage kommen werden – aber durchaus eine ernüchternde Erfahrung.

„In der Regionalliga ankommen, heißt eben auch solche Erlebnisse verarbeiten – und seine Lehren daraus zu ziehen.“, meinte der Sportlicher Leiter des TSV 1860 Hans Kroneck nach dem Spiel und sagte weiter: „Auf Regionalliga-Level wird eben jede Nachlässigkeit gnadenlos bestraft – ob auf taktischer oder körperlicher Ebene.“. Diese Lektion gilt es für die Sechziger anzunehmen, schnell zu lernen und im Heimspiel am kommenden Freitag gegen die SpVgg Bayreuth wieder Vieles besser zu machen.

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