FC Memmingen - SV Wacker Burghausen 3:0

Fiasko im Allgäu – Wacker mit Fehlstart!

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Ein nachdenklicher Uwe Wolf sieht seiner Truppe in Memmingen erneut die Felle davon schwimmen - am Ende fahren die Burghauser gar mit einer 0:3 Niederlage nachhause.

Memmingen – Das war nichts für den SV Wacker! Der Saisonstart der Burghauser ging gehörig daneben. Wie in der Vorsaison gab es im Allgäu nichts zu holen. Jedenfalls keine Punkte. Nachdem die Salzachstädter anfangs Pech hatten – kassierten sie am Ende gar eine derbe Packung. Ihr Trainer Uwe Wolf war jedenfalls restlos bedient.

aus der Arena Memmingen berichtet Christian Schulz

Ausgerechnet nach Memmingen ging sie also, die Auftaktreise des SV Wacker Burghausen. Dorthin, wo im „schwarzen März“ der Anfang vom Ende aller Aufstiegsträume begonnen hatte. 0:1 verlor der SVW im letzten Aufeinandertreffen – der Auftakt zu einer echten Negativserie: Denn es blieb nicht bei dieser einen Niederlage, es wurden schließlich vier am Stück. Der Rivale Jahn aus Regensburg konnte wichtigen Boden gutmachen. Jetzt bot sich allerdings nicht nur die Gelegenheit zur Wiedergutmachung - sondern auch dazu, in Memmingen diesmal vielleicht eine Positivserie zu starten.

Und die Burghauser – klar in der Favoritenrolle – schienen anfangs auch gewillt, dieses Vorhaben umzusetzen. Übernahmen sofort die Kontrolle, trugen das Spiel mehr in die gegnerische Hälfte und dominierten das Geschehen. Hatten einige erste Offensivversuche. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Denn mit der Feldüberlegenheit hatte es im letzten Drittel auch immer wieder schnell ein Ende. Die Memminger störten die Gäste energisch im Spielaufbau und provozierten so oftmals schnelle Ballgewinne. Auch bei den zweiten Bällen waren sie hochkonzentriert, blieben entweder erster Sieger oder waren durchweg eng am Mann. Kein Durchkommen also vorerst für den SV Wacker.

Volleyball-Slapstick macht gute Vorsätze zunichte

Nach gut einer Viertelstunde dann aber ein unerwarteter Nackenschlag. Nach einem von den Allgäuern lang aus dem linken Mittelfeld zentral in den Sechzehner geschlagenen Ball kamen Burghausens Moritz Moser und Memmingens Offensivkraft Stefan Schimmer im Sprungduell zu Fall. Der Wacker-Verteidiger wischte den Ball jedoch im Fallen mit dem Unterarm zur Seite – Handspiel zur Verhinderung einer Torchance, Elfmeter und Rot für Moser. Den fälligen Strafstoß verwandelte der Memminger Neuzugang Schimmer höchstselbst sicher zum 1:0. Rückstand und Unterzahl für den SV Wacker. Und das über 75 lange Minuten. Wahrlich kein Saisonauftakt, wie man ihn sich wünscht.

Service:

Für die Memminger hätte es umgekehrt nicht besser laufen können. Sie hatten alles was sie wollten - und nutzten die frühe Führung gegen das Team von der Salzach in der Folge relativ geschickt um das Spiel zu verwalten. Burghausen hingegen brauchte einige Minuten um sich vom Schockmoment des Rückstands zu erholen. Als die Gäste sich wieder gefangen hatten versuchten sie gegen Gastgeber, die erst einmal recht zufrieden schienen, das Heft wieder in die Hand zu nehmen. Letzten Endes gelang ihnen das zunächst gar nicht so schlecht.

Alles läuft für Memmingen – Wacker versucht es, tut sich aber schwer

Trotz Unterzahl waren die Mannen von Uwe Wolf erneut das Team, welches versuchte, die Partie zu dominieren und mehr nach vorne tat. Mit nur zehn Mann tat man sich allerdings gegen clever verteidigende und kämpferisch entschlossene Memminger äußerst schwer. Viel kam nicht herum dabei. Und letzten Endes war das auch trotz allen Bemühens nach vorne zu unkreativ und auch bei den zweiten Bällen nicht schnell und konsequent genug. So bekam das Publikum in der Memminger Arena ein unerwartet ausgeglichenes Match ohne große Offensivmomente zu sehen.

Memmingen - Wacker Burghausen

Nach einer halben Stunde hatten die Allgäuer die große Gelegenheit, ihre Führung zu erhöhen: Nach einer feinen Hereingabe von Daniel Eisenmann, der aus dem Zentrum heraus in Szene gesetzt worden war, scheiterte Daniel Zweckbronner an Alexander Eiban – der Wacker-Keeper klärte mit einer sensationellen Parade zur Ecke (29.). Auch zu dieser Chance kamen die Hausherren allerdings zu einfach - das sah nicht immer sattelfest aus, was die Abwehr der Wolf-Truppe da produzierte.

Zur Halbzeit führt der FCM – nach der Pause ist Schluss für Tsoumou

Die zweite Halbzeit hielt für den SV Wacker sofort neues Unheil bereit. Schon in der 52. Minute verletzte sich Sturmtank Juvhel Tsoumou so schwer, dass er ausgewechselt werden musste. Für ihn kam ein Neuling im Dress der Schwarz-Weißen – der frisch vom SV Erlbach verpflichtete Angreifer Christoph Popp.

Und der führte sich gleich gut ein: Aus gut zwanzig Metern zündete er einen gefährlichen Volleyschuss – und verfehlte sein Ziel nur ganz knapp (54.). Das war nah dran am Ausgleich. Aber eben nur nah dran.

Nach 56 Minuten schwerer Fehler vom sonst so sicheren Wacker-Kapitän Christoph Burkhard. Er verlor nur wenige Meter vor dem eigenen Strafraum leichtfertig den Ball im Aufbauspiel und leitete so die nächste Großchance der Allgäuer ein. Die steckten das Leder blitzschnell durch die Gasse – doch der starke Eiban konnte dem alleine vor ihm auftauchenden Eisenmann den Ball noch vom Fuß klauen.

Memmingen lässt wenig Spielfluss zu – und spielt souverän

Ansonsten tat sich nicht mehr besonders viel Erbauliches auf dem Spielfeld. Ein Augenschmaus für die 1.150 Zuschauer war es jedenfalls nicht. Phasenweise immer wieder viele Zweikämpfe, viele kleine Fouls – und wenig Spielfluss. Das Heimpublikum dürfte trotzdem zufrieden gewesen sein: Die Memminger machten ihre Sache wirklich gut – allerdings reichte ihnen die 1:0 Führung auch völlig und so beschränkten sie sich größtenteils aufs Verteidigen. Dies machten sie jedoch äußerst effektiv und hielten so die Burghauser im Zaum und meist weit weg von ihrem Kasten. Offensiv wurden sie nur dosiert oder bei Kontern – aber sie spielten das eben geschickt. Fast schon routiniert sah das aus, auf jeden Fall regionalligatauglich – falls daran jemand gezweifelt hatte.

Der SV Wacker versuchte es – aber fand letztlich doch keinen grünen Zweig. Nochmal einen Fuß in die Tür dieser Partie zu bekommen, gelang den zu zehnt agierenden Gästen einfach nicht – und mit der Zeit wurden sie, vom Spielpech verfolgt, auch immer schlechter. Man kann ihnen dies jetzt, wie auch die mangelnde Konsequenz in Hälfte Eins, durchaus vorwerfen – allerdings war das Schicksal heute wahrlich nicht ihr Freund. Wenn sich so kurz nach Spielbeginn alles gegen einen wendet, man noch dazu dezimiert ist - dann erreicht eben gerade zu Saisonbeginn auch kaum ein Spieler Normalform und es gelingt nicht das Ding noch einmal umzubiegen.

Wacker gelingt nichts – und bekommt eine Packung als Quittung

Andererseits war das zu viel Alibi, angedeutetes Bemühen – ohne Tempo und ideenlos. Wer wirklich das Selbstvertrauen eines Favoriten ausstrahlt und noch etwas reißen will, der tritt anders auf. Auch wenn sie den Ball hatte, wirkte die Wacker-Elf nie wirklich gefährlich. Je länger das Spiel dauerte, um so mehr gingen die Spielanteile an die Heimelf über. Im letzten Drittel der Partie gelang den Burghausern dann kaum noch etwas – zerfahrenes Spiel, ungeschicktes Zweikampfverhalten, keine Abschlüsse. Nun waren es die Gastgeber, welche das Match immer deutlicher dominierten – und sie entschieden es hinten raus dann auch verdient und klar für sich.

Weil sie ihre Angriffe im Gegensatz zu den Burghausern beherzt zu Ende spielten und ihre Konter setzten, was gegen zehn nun müde Gäste aber auch einfach war - und letztlich wohl nur eine Frage der Zeit. Bei uninspirierten Angriffsversuchen und einer wackeligen Abwehrreihe gehörten die wirklichen Chancen eben dem Gegner:

Nach 81 Minuten wurde Eisenmann wunderbar in die Tiefe geschickt – doch er schaffte es wieder nicht den Ball an Schlussmann Eiban, dem besten Burghauser des Tages, vorbeizubringen. Drei Minuten später machte es sein Kapitän Denis Hoffman besser. Nach Verwirrung in der Gästeabwehr, einem Querschläger im Strafraum und anschließendem Gestochere, sprang das Leder zurück vor seine Füße – und er netzte abgezockt zum 2:0 ein (84.).

Damit hatte er das Spiel endgültig für die Allgäuer entschieden, aber offensichtlich noch nicht genug: In der Nachspielzeit haute Hoffman noch einen raus. Oder eher rein. Aus etwas über zwanzig Metern halblinker Position zog er nach einem Tempolauf einfach mal ab – und knallte die Kugel am machtlosen Eiban vorbei flach ins linke untere Eck (91.). Ein satter Schuss und ein wunderschönes Tor. Was für ein Saisonauftakt für den FC Memmingen – und was für ein Debakel für die Burghauser. Das hatten sie sich ganz anders vorgestellt!

Uwe Wolf ernüchtert und stocksauer

Wacker-Trainer Wolf war es jedenfalls – trotz des unglücklichen Einstiegs mit der roten Karte und des fast kompletten Spiels in Unterzahl – deutlich zu wenig. Der erfolgsbesessene Coach erwartet einfach Anderes von seiner Mannschaft. Mit der er noch etwas erreichen will, wie er im Interview mit Beinschuss-Direkt betonte – auch wenn er nicht Burghausen, sondern Unterhaching in der Favoritenrolle sieht.

Nach der derben Auftaktpleite wollte er sich lieber nicht äußern: „Es gibt da nicht viel zu analysieren. Memmingen hat verdient gewonnen. Zu meiner Mannschaft möchte ich lieber nichts sagen, sonst müsste ich zu hart mit meinen Spielern ins Gericht gehen!“, so der sichtlich niedergeschlagene Coach. Darauf angesprochen, dass er sich mit dem SV Wacker bekanntlich nicht ewig unterhalb der Dritten Liga aufhalten wolle, entgegnete ein sarkastischer Wolf nur: „Wenn ich mir die Tabelle ansehe, müssen wir erst mal unten rauskommen.“.

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