SV Viktoria Aschaffenburg - TSV 1860 Rosenheim 0:1

Marinkovic knipst Sechzig ins Glück! Rosenheim steigt auf!

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Josip Tomic (l.), Torschütze Sascha Marinkovic (m.) und Danijel Majdancevic (r.) - das Jubel-Trio der Rosenheimer. 

Aschaffenburg - Die junge Truppe vom TSV 1860 Rosenheim hat es tatsächlich vollbracht! Und einer rundum tollen Saison die Krone aufgesetzt. Sascha Marinkovic trifft - und nach dem auch einige bange Minuten in Halbzeit Zwei überstanden sind, heißt es nur noch jubeln ohne Ende! Sechzig steigt auf! Rosenheim ist wieder Regionalligist!

aus dem Stadion am Schönbusch berichtet Christian Schulz

Nachdem der Regen aufgehört hatte, von den Temperaturen her herrliches Fußballwetter am Schönbusch. Und die Kulisse war ebenso prächtig – 3.000 Zuschauer hatten den Weg in das altehrwürdige Aschaffenburger Stadion gefunden. Und sie bekamen ein höchst interessantes Match zu sehen.

Die Rosenheimer von Anfang an voll im Spiel. Und wesentlich weniger beeindruckt vom zahlreichen Publikum als noch in Augsburg. Genau genommen gar nicht. Mit Biss, mit viel Selbstvertrauen – und anfangs sogar mit Feldvorteilen. Mehrere Ecken und drei Torabschlüssen gleich innerhalb der ersten fünf Minuten sprachen Bände.

Verkehrte Welt – Aschaffenburg abwartend, Rosenheim mit Chancen

Viktoria Aschaffenburg eher zögerlich und abwartend - vielleicht hatten sie auch die Furcht vor einem Auswärtstor der offensivstarken Rosenheimer im Kopf. Von der Dominanz des Hinspiels am vergangenen Dienstag war jedenfalls nichts zu sehen. Gerade offensiv fand Aschaffenburg im Gegensatz zum Hinspiel so gut wie nicht statt. Vom furiosen Duo Daniele Toch und Björn Schnitzer war nichts zu sehen.

Aber Trainerfuchs Klaus Seidel an der Linie der Innstädter hatte auch umgestellt. Anders als noch am Dienstag, gab Josip Tomic die einzige Spitze. Sascha Marinkovic und Danijel Majdancevic spielten eher zurückgezogen – verstärkten so das Mittelfeld. Raphael Obermair rückte dafür aus dem Zentrum auf die linke Außenbahn. Durch das so verstärkte Mittelfeld hatten die Rosenheimer viel mehr Zugriff auf jenes und es gelang ihnen das Prunkstück der Viktoria auszuschalten und das Spiel zu kontrollieren.

Seidels Umstellungen griffen – die Sechziger mit mehr Kontrolle

Und so waren es eher die Sechziger, die hier beeindruckten. Gefällig kombinierend, mit viel besserer Raumaufteilung, hinten sicher stehend – geradezu abgeklärt. Die Rosenheimer hatten definitiv ihre Lehren aus dem ersten Aufeinandertreffen gezogen. Toll, wie die junge Truppe sich hier präsentierte.

Nach 33 Minuten eine gute Freistoßgelegenheit für Rosenheim aus 25 Metern zentraler Position. Linor Shabani führte aus – doch sein Schuss stellte Peter Neuberger im Tor der Viktoria nicht vor größere Probleme.

Tausendsassa Marinkovic schlägt zu

Dann kam der große Moment von Sascha Marinkovic: Aschaffenburg kam nicht aus dem eigenen Abwehrdrittel, Rosenheim im Vorwärtsgang. Philipp Maier spielte aus dem Zentrum hinaus nach links auf Majdancevic. Der brachte sofort die Flanke aus dem linken Halbfeld, in der Mitte waren sich Keeper Neuberger und sein Kapitän Simon Schmidt nicht ganz einig, der Torhüter zögerte einen Moment beim Herauskommen, weder er noch der Abwehrspieler kamen an den Ball – und mit seiner ganzen Entschlossenheit sprang Marinkovic dazwischen und brachte den Kopf an das Leder. Sein Kopfball aus sechs Metern überlupfte Neuberger – und auch Alban Lekaj konnte mit seiner Sprunggrätsche Richtung rechter Innenpfosten nicht mehr retten! Die Kugel zappelte im Netz! 1:0 für die Sechziger (40.)!

Da war das so wichtige Auswärtstor! Teufelskerl Marinkovic hatte zugeschlagen! Was für ein Jubelorkan auf der Rosenheimer Bank, die dem Torschützen komplett entgegen gestürmt kam! War das wichtig - jetzt musste die Viktoria aufgrund der Europacupregel schon mindestens zweimal treffen.

Rosenheim wie ausgewechselt – Auswärtstor und Führung zur Halbzeit

Mit dieser Führung, die sich die Rosenheimer aufgrund der spielerischen Vorteile auch erarbeitet hatten und welche auf keinen Fall unverdient war, ging es auch in die Kabinen. Es war also klar, dass es hier auf keinen Fall Verlängerung geben würde – und dass Aschaffenburg in Hälfte Zwei einiges mehr würde tun müssen, um den drohenden Abstieg zu vermeiden. Zwei wirklich völlig verschiedene Spiele waren das. Die Rosenheimer wie ausgewechselt.

Und die zweite Halbzeit begann auch wie die Feuerwehr. Allerdings wieder durch die im passenden Rot gekleideten Rosenheimer: Shabani fasste sich ein Herz, hielt von halblinks aus fast 30 Metern einfach mal drauf – und sein Schuss strich nur ganz knapp über den linken Torwinkel (46.).

Viktoria bläst zum letzten Gefecht

Im Anschluss kam sie dann aber doch – die Offensive, das letzte Aufbäumen der Viktoria. Endlich kamen auch die Aschaffenburger zu ihren Möglichkeiten. Und diese hatten sich gewaschen! Das offensive Mittelfeld konnte doch noch wirbeln. Aber die Abschlussschwäche blieb den Unterfranken auch in diesem vierten Relegationsspiel treu:

Nach 61 Minuten tauchte Lekaj 25 Meter zentral vor dem Gästetor auf, kam an den Ball und zog sofort ab.- doch Dominik Süßmaier im Tor des TSV 1860 flog und konnte das Leder mit einer Glanzparade gerade noch über den Querbalken lenken! Keine Minute später: wieder Lekaj, diesmal Abschluss von links – und wieder war Süßmaier in höchster Not zur Stelle und klärte toll zur Ecke!

Süßmaier mit Glück und magischen Händen

Rosenheim jetzt teilweise ungewollt mit zehn Feldspielern rund um den und im eigenen Strafraum, versuchte mit Mann und Maus die Führung festzuhalten. Die Ereignisse überschlugen sich: Der eingewechselte Aschaffenburger Salvatore Bari konnte Süßmaier aus vier Metern nicht überwinden (64.)! Die Viktoria warf alles nach vorne, auch das Publikum am Schönbusch kam jetzt noch einmal. Abassin Alikihil aus sechs Metern – und wieder blieb Süßmaier Sieger. Der Torhüter der Sechziger wuchs in diesen letzten Momenten über sich hinaus! Wahnsinn!

Doch auch die Sechziger blieben gefährlich. Ganz auf Glück und Süßmaier wollte man sich hier auch nicht verlassen. Und man hatte es nach der richtig starken ersten Hälfte ja auch nicht nötig. Wenn sich die Gelegenheit bot wurde gekontert. Und auch das hatte es in sich – die schnellen Offensivkräfte der Rosenheimer sind dafür ja geradezu prädestiniert.

Tomic fast per Billardtor zur Entscheidung

Die beste Möglichkeit hatte Tomic: Von halblinks schlenzte er die Kugel scharf Richtung rechtes Toreck, Neuberger war bereits geschlagen – doch Billardglück rettete die Viktoria. Der Ball sprang von Innenpfosten zu Innenpfosten (73.)! Unglaublich! Das wäre es gewesen.

Das war wie ein Hallo-Wach-Effekt für die Rosenheimer und die letzte Erinnerung daran, sich wieder komplett der eigenen Stärken zu besinnen. Und wohl – ohne, dass der Ball drin war - der schlussendliche Knackpunkt der Partie. Als Schnitzer auch in der 82. Minute mit seinem Versuch scheiterte, hatte Aschaffenburg sein Pulver endgültig verschossen. Und wie in den Spielen zuvor viel zu viele gute Torchancen vergeben.

Sechzig fährt das Spiel nach Hause – nächster Halt Regionalliga!

Rosenheim jetzt wieder sicher, verwaltete die letzten Minuten clever, wechselte in aller Ruhe aus und spielte das Ding runter, als wären die Sechziger nichts anderes gewohnt. Ganz stark! Ja, es war noch einmal aufregend geworden – aber da Aschaffenburg nicht traf, auch nicht mehr richtig gefährlich. Doch nach dem die Sechziger die rund zwanzig Minuten Aschaffenburger Sturm und Drang überstanden hatten, fuhren sie das Ding nachhause.

Der Rest war Jubel! Bis weit nach Spielschluss! Wahnsinn, was für eine Saison, was für eine Rückrunde - und was für eine letzte Relegationspartie die Rosenheimer hingelegt hatten! Und ihre fantastische Energieleistung und auch ihr Kampf wurden am heutigen Tag belohnt. Die blutjunge Truppe 'aus Rosenheim – für Rosenheim' hat es tatsächlich geschafft! Und den ganz großen Coup gelandet! Sechzig steigt auf! Rosenheim spielt wieder Regionalliga!

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